Elton John sitzt Radio-Witzbold auf

René Rödiger, 17. September 2015, 08:32 Uhr
Sir Elton John wurde von einem falschen Putin hereingelegt (Archiv).
Sir Elton John wurde von einem falschen Putin hereingelegt (Archiv).
© /AP/ABRAHAM CARO MARIN
Elton John ist einem russischen Radio-Witzbold aufgesessen, der sich für Präsident Wladimir Putin ausgegeben hatte. Nach Aussagen des Radiomitarbeiters Wladimir Kraschnow hat sich der Popstar sehr erfreut gezeigt, dass das Gespräch zustande gekommen sei.

Nachdem Elton John im Fernsehsender BBC gesagt hatte, er würde mit Putin gerne über den Umgang Moskaus mit Homosexuellen sprechen, habe er als falscher Putin mit dem britischen Musiker telefoniert, sagte Kraschnow am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

"Er war sehr glücklich und sagte, das Gespräch habe ihm grosse Freude gemacht, und es sei ein Wunder, dass es überhaupt stattgefunden habe", berichtete Kraschnow, der auch schon den weissrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko an der Nase herumgeführt hatte.

Auf Instagram für Telefonat bedankt

Er habe Russisch gesprochen, ein Kollege habe die Rolle von Putins Pressesprecher übernommen und die Worte dann auf Englisch übersetzt. Das Gespräch sollte demnach später am Abend in einer russischen Talkshow gesendet werden.

Elton John selbst bemerkte offenbar nicht, dass es sich um einen Scherz handelte. Am Montag veröffentlichte der 68-Jährige auf Instagram ein Foto von Putin und dankte dem Kremlchef für das Telefonat. Dessen Sprecher Dmitri Peskow dementierte umgehend. Später sagte er russischen Nachrichtenagenturen, es sei "möglicherweise keine gute Idee" gewesen, den auch in Russland beliebten Sänger auf diese Weise hereinzulegen.

Einsatz für Toleranz

Elton John, der mit dem kanadischen Filmemacher David Furnish verheiratet ist, hatte in dem Interview am Samstag gesagt, er würde gerne seinen Einfluss als Weltstar nutzen, um bei Putin für Toleranz zu werben. Er mache sich allerdings kaum Illusionen, den russischen Staatschef beeinflussen zu können.

In Russland wurde Homosexualität bis 1993 als Straftat verfolgt, bis 1999 galt sie als Geisteskrankheit. Im Jahr 2013 setze Putin mit seiner Unterschrift ein Gesetz in Kraft, das sogenannte homosexuelle Propaganda vor Minderjährigen unter Strafe stellt. Homoehen sind verboten, der Ruf nach rechtlicher Gleichstellung Homosexueller findet in Russland kein Gehör. Schwulenhass ist weit verbreitet, es gibt kaum offen schwule Prominente.

René Rödiger
Quelle: sda
veröffentlicht: 17. September 2015 07:22
aktualisiert: 17. September 2015 08:32