Portugal gewinnt den Songcontest

Fabienne Engbers, 14. Mai 2017, 09:47 Uhr
Mit der Jazz-Ballade «Amor pelos dois» (Liebe für zwei) gewinnt Salvador Sobral den Eurovision Song Contest. Der 27-jährige Musiker, der aus einer alten Adelsfamilie stammt, setzte bei seinem Auftritt auf Gefühl und Stimme statt auf eine spektakuläre Show.

Er setzte sich in der Nacht auf Sonntag deutlich gegen den ebenfalls hoch gehandelten Kollegen Kristian Kostow aus Bulgarien durch, der 615 Punkte erreichte. Moldau landete überraschend auf dem dritten Platz mit 374 Punkten.

Im Final waren 26 Länder angetreten, die Schweiz war einmal mehr nicht dabei. Die Gruppe Timebelle hatte am Donnerstag die Qualifikation für die Entscheidung des Eurovision Song Contest verpasst.

Intensiver, gefühlvoller Auftritt

Der 27-jährige Gewinner Sobral verzichtete bei seinem Auftritt auf eine spektakuläre Show und überzeugte stattdessen mit viel Gefühl. Komponistin der Jazz-Ballade «Amar Pelos Dois» ist seine Schwester, die den Song zum Schluss der grossen Live-Show gemeinsam mit ihrem Bruder sang. Nach seinem Sieg plädierte Sobral dafür, wieder «Musik, die etwas bedeutet» anstelle von oberflächlicher Musik zu pflegen.

Es ist der erste ESC-Sieg für Portugal überhaupt. Das südeuropäische Land ist bereits seit 1964 beim Eurovision Song Contest mit von der Partie - mit vier Pausen. Aber erfolgreich war Portugals ESC-Geschichte bis dato nicht. Noch nicht einmal in die Top Five hatte es das Land bei seinen bisherigen Teilnahmen gebracht.

Mann mit Pferdekopf auf der Leiter

Die 62. Austragung des Gesangswettbewerbs in Kiew bot viele ESC-typische bunte Auftritte. Neben dem italienischen Beitrag, der lange als Favorit gehandelt wurde und bei dem jemand im Gorilla-Kostüm Faxen auf der Bühne machte, boten auch andere Musik-Acts Hingucker. Beim Beitrag von Aserbaidschan stand ein Mann mit Pferdekopf auf einer Leiter, und der Kandidat Kroatiens, Jacques Houdek, performte als Opern- und Pop-Sänger in einem Duett mit sich selbst. Gute Laune verbreitete Rumänien mit einer Jodel-Einlage.

Einreisesperre für Russland

Überschattet wurde der bunte, eigentlich unpolitische Wettbewerb vom Konflikt zwischen dem Gastgeberland Ukraine und Russland. Der russischen Kandidatin Julia Samoilowa wurde wegen eines Auftritts auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim die Einreise in die Ukraine verwehrt. Nach neuer blutiger Gewalt in der Ostukraine sagte Präsident Petro Poroschenko am Samstag seinen Besuch beim Finale ab.

In Kiew gab es rund um das internationale Ausstellungszentrum, in dem der ESC über die Bühne ging, strenge Sicherheitsvorkehrungen. Hunderte Polizisten und die Nationalgarde bewachten die Strassen. Zufahrtswege waren mit Betonblöcken geschützt.

Ein Flitzer auf der Bühne

Für Aufregung in der Halle sorgte kurzfristig ein Flitzer, der während des Auftritts von Vorjahressiegerin Jamala mit Australien-Flagge bekleidet die Bühne erklomm, um die Sängerin herumtanzte und der Weltöffentlichkeit schliesslich seinen blanken Hintern präsentierte.

Die diesjährige ESC-Austragung stand unter dem Motto «Celebrate Diversity». Gegen die Bemalung des monumentalen «Bogens der Völkerfreundschaft» in Regenbogenfarben protestierten rechte Gruppierungen allerdings virulent.

Im vergangenen Jahr hatte die Kandidatin Jamala mit «1944» - einem Lied über das Schicksal der Krimtataren - gewonnen und so den ESC in die Ukraine geholt.

 

Tweets bei Gerry Reinhardt

Die Kostüme sind schrill, die Performances waren auf ihre Art und Weise unterhaltend. Unterhaltend auch die Tweets von FM1 Social Media Manager Gerry Reinhardt, der euch rund um das ESC-Finale auf dem Laufenden hielt. Unter anderem entdeckte er einen Flitzer in der Liveshow.


Fabienne Engbers
veröffentlicht: 13. Mai 2017 21:05
aktualisiert: 14. Mai 2017 09:47