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2654 Adolfs, aber nur 17 Tranquillos

David Scarano, 30. September 2015, 14:23 Uhr
Maria ist der meistverbreitete Vorname der Schweiz. Adolf erreichte in den 1930er-Jahren den Höchststand, Fussballer Tranquillo Barnetta löste keinen Boom aus.
Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Vornamen sind nicht nur Geschmacksache – sie können auch Juristenfutter werden. So muss sich der St. Galler Journalist Carlos Hanimann vor Gericht verantworten, weil er den Thurgauer SVP-Politiker Hermann Lei als Dölf bezeichnet hat. Das heisst, der  Journalist hat einen Tweet weiterverbreitet. Die Staatsanwaltschaft wirft dem St.Galler Verleumdung vor, er habe Lei mit dem Zusatz Dölf in die Nähe Adolf Hitlers gerückt.

Ob dies im konkreten Fall zutrifft, muss das Bezirksgericht entscheiden. Ein Blick in die Datenbank des Bundesamts für Statistik zeigt, dass die Vergabe des Vornamen Adolf durchaus historisch geprägt ist. 2654 Männer trugen ihn in der Schweiz zwischen 1902 und 2014. In der Periode 1930 bis 1939, also als Hitler die Macht in Deutschland an sich riss, erreicht er mit 924 Nennungen den Höhepunkt. Danach ging es wenig überraschend abwärts. In den 1970er wurde Adolf - bedeutet übrigens edler Wolf - 50mal vergeben, zwischen 1980er und 1989 nur noch 19mal. Später verschwand er ganz.

Die Top 10

Eine Einschränkung hat die Datenbank. Sie listet nur Vornamen der lebenden Wohnbevölkerung. Deshalb ist laut Bundesamt die Anzahl der früheren Jahrgänge kleiner. Das Tool ermöglicht aber so oder so einen spannenden und unterhaltsamen Einblick in die Namensstatisitk. Maria ist geschlechterübergreifend der meistverbreitete Vorname überhaupt. 87‘200 Frauen heissen so, das entspricht der gesamten Wohnbevölkerung von St. Gallen und Uzwil zusammen.

Der beliebteste männliche Vorname ist Daniel (61‘933), gefolgt von Peter (61‘592) und Hans (56‘950).

Bei den Mädchenvornamen folgen Anna (43‘469) und Ruth (36‘783) auf Maria.

Frauennamen
1. Maria 87‘200
2. Anna 43‘469
3. Ruth 36‘783
4. Elisabeth 36‘480
5. Ursula 36‘212
6. Sandra 34‘609
7. Monika 32‘290
8. Verena 31‘375
9. Claudia 30‘384

10. Nicole 29'304

Männernamen
1. Daniel 61‘933
2. Peter 61‘592
3. Hans 56‘950
4. Thomas 52‘428
5. Christian 42‘858
6. Martin 41‘005
7. Andreas 40‘772
8. Michael 39‘749
9. Markus 38‘547

10. Marco 31‘909

Gadafi, Wondwossen oder Cabdifatax

Die Datenbank zeigt zudem auf, in welcher Periode die Vornamen am beliebtesten waren. Maria boomte in den 1960er-Jahren. Kevin setzte dank des gleichnamigen Films in den 1990er zum Höhenflug an. Viel überraschender ist, dass Eltern auch noch zwischen 2000 und 2010 2420mal zum Vornamen Kevin griffen. Ingesamt heissen 11827 Menschen in der Schweiz Kevin.

Mit der eingebauten Suchfunktion kann der User nach Vornamen suchen – und dabei auf Exotisches und Überraschendes stossen. Hier einige Favoriten der FM1Today-Redaktion. Fünf Personen heissen Gadafi, neun Futsum, drei Cabdifatax  und drei Wondwossen. Weitere Fundstücke:

Gagan 5 Nennungen
Xenofon 4
Zopito 4
Zumber 4
Zuber 4
Scharbel 3
Sitthichok 3
Tanzer 3
Tee 3

Buse 26

Tranquillo Barnetta hat keinen Boom ausgelöst. 17 Männer heissen so, 16 Frauen Tranquilla. Den Peak erreichte der Vorname in den 1930er-Jahren. Nach der Geburt des Fussballprofis, also 1985, wird der Name nicht aufgeführt.

Eingeschlagen hat Brad Pritt. Der Star setzte in den 1990er zum Höhenflug an. Danach tauften Eltern 17 Buben so. Vorher wird der Name nicht aufgeführt. Arwen (118) und Aragorn (7) stiegen dank der Herr-der-Ringe-Filme in der Beliebtheit.

Aber sucht selber: Vornamen-Tool

David Scarano
veröffentlicht: 30. September 2015 12:14
aktualisiert: 30. September 2015 14:23