500 Flüchtlinge verweigern Transport in ungarisches Aufnahmelager

Leila Akbarzada, 3. September 2015, 21:50 Uhr
Keystone
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© Flüchtlinge protestieren am Bahnhof von Bicske. Sie wollen nicht in ein ungarisches Flüchtlingslager gebracht werden.
Im ungarischen Bicske haben sich am Donnerstagabend rund 500 Flüchtlinge gegen ihre Überfahrt in ein Flüchtlingslager gewehrt. Sie waren acht Stunden vorher an der Weiterreise nach Westen gehindert worden.

Gegen Mittag waren sie in Budapest in einen Zug Richtung Sopron an der österreichischen Grenze gestiegen, in der Hoffnung, von dort nach Österreich zu gelangen. Ihnen droht nun die Abschiebung zurück nach Südosten.

Unerwartet stoppte die Polizei diesen Zug unterwegs in Bicske, 37 Kilometer westlich von Budapest. Sie forderte die Reisenden auf, auszusteigen. 20 Busse standen für ihren Transport in das Flüchtlingslager von Bicske bereit. Auch Dolmetscher waren da. Ein Teil der Flüchtlinge sei in das Lager gebracht worden, viele sassen am späten Abend aber noch im Zug und bestanden darauf, nach Westen zu reisen.

Zug hielt an für Personenkontrolle

Die Polizei erklärte ihr Vorgehen damit, dass sie nur die Personalien der Flüchtlinge habe kontrollieren wollen. Dies sei wegen der chaotischen Zustände am Budapester Ostbahnhof nicht möglich gewesen. Deswegen habe man den Zug in Bicske aufgehalten.

Diejenigen Flüchtlinge, die sich jetzt in Bicske freiwillig kontrollieren lassen, würden in ein Aufnahmelager gebracht. Jene, die die Kontrolle verweigerten, würden abgeschoben, erklärte der stellvertretende Chef der ungarischen Einwanderungsbehörde. Laut ungarischen Regelungen werden Flüchtlinge in das Land abgeschoben, aus dem sie eingereist sind. In den meisten Fällen ist dies derzeit Serbien.

Nahrungs-Verweigerung

Die seit Mittag im Zug sitzenden Flüchtlinge verweigerten demonstrativ die von der Polizei angebotene Nahrung, berichtete die staatliche ungarische Nachrichtenagentur MTI. Freiwillige, die den Flüchtlingen Essen bringen wollten, wurden von der Polizei nicht zum Zug vorgelassen.

Leila Akbarzada
veröffentlicht: 3. September 2015 21:50
aktualisiert: 3. September 2015 21:50