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«Das ist schlicht und einfach ein Skandal»

Michael Ulmann, 3. Juli 2017, 20:20 Uhr
In der Region Hinterthurgau/Wil ist seit einigen Wochen mehr Fluglärm zu hören. Laut den Fluglärm-Gegnern vom «Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau» erfolgen die Anflüge über die Region teilweise im Zwei-Minuten-Takt. Die Fluglärm-Gegner kritisieren den Bund scharf und sprechen von einem Skandal.

«Es ist demokratisch eine absolute Schweinerei, was hier abgeht!» Josef Imhof, der Präsident vom «Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau» ist sauer, richtig sauer. Deshalb hat er heute Montagvormittag eine Medienmitteilung verschickt, in der er deutliche Worte findet und seinem Ärger Luft macht. Imhof spricht von einer nachhaltigen Verschlechterung der Fluglärmsituation in der Region Hinterthurgau/Wil. Dies würden auch die eingeholten Flugspurenbilder bestätigen.

Die an der Zürcher Goldküste

Grund für die Verschlechterung seien die kürzliche Absenkung der unteren Luftraumgrenze über Wil und dass am Flughafen Zürich auch bei der geringsten Westwindlage tagsüber auf das Ostkonzept umgestellt werde, um von Osten anzufliegen. «Der Bund hat das neue An- und Abflug-Regime quasi durch die Hintertüre eingeführt», kritisiert Imhof. Das sei «eine Schande für unsere Demokratie» und «schlicht und einfach ein Skandal».

Josef Imhof, Präsident vom «Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau», ist verärgert.
© Nana Do Carmo/Thurgauer Zeitung

Als Profiteur des Ganzen sieht er die Zürcher Goldküste. Er fliege zwar auch ab und zu, gibt Imhof zu. Die «richtigen» Vielflieger seien aber an der Goldküste zu Hause, obwohl es dort sehr wenig Fluglärm gebe. Das sei einfach nicht fair und sauber. «Die Ostschweiz wird über den Tisch gezogen und die Zürcher Goldküste bevorteilt. Wir weisen schon seit 12 Jahren darauf hin, aber der Bund macht einfach nichts», konstatiert der Fluglärm-Gegner.

Nicht die ersten Kritiker

Mit der Medienmitteilung von heute Montag möchte Josef Imhof auch den Kanton Thurgau unterstützen. Dieser hat dem Bund seinen Ärger über die Verschlechterung der Fluglärmsituation im Hinterthurgau bereits in einer Stellungnahme ausgedrückt. Der «Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau» kann nun quasi nichts weiter tun als Politiker für ihre Anliegen begeistern, was schon geschehen ist.

BAZL sucht nach Lösungen

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL sagt auf Anfrage, dass man solche Anschuldigungen ungern höre - sie kämen jedoch aus jeder Himmelsrichtung. «Es ist uns wichtig, diese Meinungen anzunehmen und zu versuchen, eine Lösung zu finden, die für jede Himmelsrichtung stimmt», sagt Nicole Räz, BAZL-Pressesprecherin.

Plakat gegen Fluglärm in Sirnach aus dem Jahr 2010.
© Nana Do Carmo/Thurgauer Zeitung

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Michael Ulmann
Quelle: uli
veröffentlicht: 3. Juli 2017 15:07
aktualisiert: 3. Juli 2017 20:20