Fed belässt Leitzins unverändert

David Scarano, 17. September 2015, 21:51 Uhr
Fed-Chefin Janet Yellen will erst Verbesserungen in der Wirtschaft sehen, bevor sie die Zinsen anhebt.
Fed-Chefin Janet Yellen will erst Verbesserungen in der Wirtschaft sehen, bevor sie die Zinsen anhebt.
© KEYSTONE/AP/JACQUELYN MARTIN
Doch noch kein Ende der Nullzinsen: In den USA geht die seit der Finanzkrise 2008 andauernde Billiggeld-Ära weiter - vorerst. Die US-Notenbank will zuerst weitere wirtschaftliche Fortschritte sehen, bevor sie die Geldpolitik strafft.

"Die Zinsanhebung erfordert weitere Verbesserungen am Arbeitsmarkt und eine Annäherung der Inflation an den Zielwert von 2,0 Prozent", sagte die Chefin der Federal Reserve (Fed), Janet Yellen, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Washington.

Zuvor hatte die Fed ihren Leitzins auf dem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent bestätigt. Yellen verwies nach der verschobenen Zinswende auf aussenwirtschaftliche Risiken und Turbulenzen an den Finanzmärkten. "Globale wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungen könnten die Konjunktur bremsen." Diese Risiken würden beobachtet, betonte Yellen.

Keine konkreten Worte

Die oberste US-Währungshüterin nannten keinen konkreten Zeitpunkt, machte aber klar, dass die meisten Mitglieder des geldpolitischen Rates die Zinswende noch in diesem Jahr erwarten. Auch die nächste Fed-Sitzung im Oktober sei dafür nicht auszuschliessen. Die Notenbankchefin bekräftigte damit frühere Aussagen. Mit Beginn der Zinswende dürfte die Erhöhung dann moderat ausfallen.

Experten waren von dem Entscheid nicht überrascht. Die Mehrheit hatte damit gerechnet. Doch nicht alle sind mit dem Entscheid zufrieden. "Leider hat die Fed die lange überfällige Leitzinserhöhung noch einmal herausgeschoben", sagte Andreas Bley, Chefökonom der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken. Die Konjunktur habe sich in den USA weitgehend normalisiert. Dazu passe kein Leitzins nahe null. "Die Fed sollte im Dezember den Mut haben, den Leitzins anzuheben, auch wenn die Teuerung dann noch auf einem niedrigen Niveau verharrt", sagte er.

Reagiert die Fed auch nicht zum Jahresende, verspielt sie gemäss Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank mit Sitz in Vaduz, ihre Glaubwürdigkeit. "Die US-Notenbank hat den Finanzmärkten eine erste Zinserhöhung in den vergangenen Monaten schmackhaft gemacht, nun sollte auch serviert werden", schrieb er in einer ersten Reaktion am Donnerstagabend.

Hohe Bedeutung

Die US-Geldpolitik ist für die gesamte Weltwirtschaft von hoher Bedeutung. Sind die Zinsen in den USA höher als im Ausland, so zieht das internationales Finanzkapital an und lässt damit den Kurs des US-Dollar steigen.

Davor zittern vor allem Schwellenländer, in die in den Jahren der Nullzinsen viel Anlegergeld geflossen war. Zudem haben sich viele Unternehmen in aufstrebenden Volkswirtschaften stark in Dollar verschuldet. Sie würden deshalb unter einer weiteren Aufwertung der US-Währung leiden.

Die US-Börsen nach anfänglichen Schwankungen leicht positiv auf den Zinsentscheid der US-Notenbank Fed reagiert. Der Leitindex Dow Jones Industrial rutschte nur kurzzeitig in die Verlustzone und legte nachher sogar über das Niveau von vor dem Zinsentscheid.

Der Euro legte nach der Entscheidung deutlich zu und kletterte über 1,14 Dollar. Zum Franken schwächte sich der Dollar ab. Das Währungspaar Euro-Franken schwankte um 1,0968.

David Scarano
veröffentlicht: 17. September 2015 20:08
aktualisiert: 17. September 2015 21:51