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Luftangriffe treffen Rebellentruppen

René Rödiger, 30. September 2015, 19:58 Uhr
Mit Luftschlägen auf strategische Ziele in Syrien hat Russland erstmals militärisch in den Konflikt eingegriffen. Während der Kreml sagt, damit die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu bekämpfen, sagen Aktivisten: In den angegriffenen Gebieten befinden sich gar keine Kämpfer des IS oder von Al-Kaida.
Rauch steigt aus einem Quartier westlich von Damaskus auf.
© AP Photo/Hassan Ammar/Archiv

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte am Mittwoch mit, Kampfjets hätten Munitionsdepots und Treibstofflager des IS bombardiert. Die Angriffe fanden nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Damaskus in den zentralen Provinzen Hama und Homs sowie in der Küstenprovinz Latakia statt.

Российская авиационная группа, размещенная на сирийском аэродроме “Хмеймим”, нанесла первые точечные удары по объектам международной террористической организации ИГИЛ.Самолеты ударной авиации, оснащенные современными комплексами поражения, нанесли удары по восьми объектам.Это склады оружия и боеприпасов, горюче-смазочных материалов, боевая техника, пункты управления, узлы связи, транспортные средства боевиков ИГИЛ.Все цели поражены.Такие объекты как командный пункт боевиков и штаб управления террористическими формированиями, находящиеся в горной местности, уничтожены полностью.#ВКС #ИГИЛ #ISIS #Сирия

Posted by Минобороны России on Mittwoch, 30. September 2015

Der russische Präsident Wladimir Putin nannte Russlands Intervention den «einzigen Weg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus». Russland werde die syrische Armee so lange unterstützen, bis diese ihren Kampf beendet habe, kündigte er an.

Nach Angaben der in Grossbritannien ansässigen oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen bei den russischen Luftangriffen mindestens 27 Menschen ums Leben. Andere Aktivisten berichteten von mehr als 35 Toten, darunter Frauen und Kinder.

Von gemässigten Rebellen kontrolliert

Oppositionellen syrischen Aktivisten zufolge bombardierten die Jets aber mehrere Orte nördlich von Homs, die von gemässigten Rebellen gegen das Regime von Baschar al-Assad gehalten werden. Die Region werde von gemässigten Rebellengruppen kontrolliert, sagte auch Samir Naschar, führendes Mitglied des Oppositionsbündnisses Nationale Syrische Koalition. Dessen Vorsitzender Khaled Khudscha erklärte über Twitter, in dem Gebiet gebe es weder Kämpfer des IS noch des Terrornetzwerkes Al-Kaida. Der Föderationsrat in Moskau hatte Putin am Mittwochmorgen einstimmig den Militäreinsatz im Bürgerkriegsland erlaubt. Der syrische Machthaber Assad habe Russland um Militärhilfe gebeten, sagte der Chef der Präsidialverwaltung, Sergej Iwanow. Es gehe um Luftangriffe, der Einsatz von Bodentruppen sei «ausgeschlossen». Der Westen fürchtet, dass der Assad eine Intervention des Partners Russland zum Kampf gegen die Opposition und die Zivilbevölkerung nutzen könnte. Putin sagte allerdings, er rechne mit Assads «Kompromissbereitschaft» bei der Lösung der Krise. Russland betreibt in der syrischen Hafenstadt Tartus eine Militärbasis.

 

Lawrow legt UNO-Sicherheitsrat Resolution vor

Unterdessen rief der russische Aussenminister Sergej Lawrow die Weltgemeinschaft zum gemeinsamen Kampf auf. Russland wolle den UNO-Sicherheitsrat in eine Koordination von Angriffen auf die IS-Terrormiliz einbinden, sagte Lawrow während eines Ministertreffens des UNO-Gremiums in New York.

Lawrow legte der Agentur Interfax zufolge dem Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf zur Bekämpfung des IS vor. Er hoffe auf eine konstruktive Diskussion und eine breite Unterstützung, sagte er. Zugleich rief Lawrow die gemässigte syrische Opposition und die Führung um Assad zum Dialog auf.

Russlands militärisches Engagement in Syrien ist bei der russischen Bevölkerung nicht unumstritten - auch aus Furcht, das Land könne Anschlagziel von gewaltbereiten Islamisten werden. In einer aktuellen Umfrage sprechen sich nur sechs Prozent der Russen für eine solche Intervention aus.

Unterstützung kommt aber von der russisch-orthodoxen Kirche. «Der Kampf gegen den Terror ist ein heiliger Kampf. Und unser Land ist heute wohl die aktivste Kraft weltweit, die gegen ihn vorgeht - nicht im eigennützigen Interesse, sondern weil der Terrorismus unmoralisch ist», sagte der einflussreiche Oberpriester Wsewolod Tschaplin.

René Rödiger
Quelle: SDA
veröffentlicht: 30. September 2015 15:41
aktualisiert: 30. September 2015 19:58