Vier Tote und 20 Verletzte bei Anschlag in London

René Rödiger, 22. März 2017, 22:28 Uhr
Mitten im Zentrum von London rast ein Auto in Fussgänger entlang einer belebten Brücke. Vor dem Parlamentsgebäude attackiert der Angreifer dann einen Polizisten. Vier Menschen sterben, mindestens 20 werden verletzt. Die britische Polizei geht von einem Terrorakt aus.

Am Mittwochnachmittag raste ein Autofahrer zunächst auf der Brücke neben dem Parlament in mehrere Fussgänger, unter ihnen drei Polizisten, wie ein Sprecher von Scotland Yard sagte. Danach krachte das Auto in den Zaun des Parlaments.

Der Mann griff auf dem Parlamentsgelände dann einen Polizisten mit einem Messer an. Der Angreifer wurde von anderen Polizisten niedergeschossen, er starb an seinen Verletzungen.

Auch der angegriffene Polizist überlebte die Attacke nicht, obwohl ein Politiker Erste Hilfe leistete. Zwei weitere Menschen sollen auf der Brücke ums Leben gekommen sein. Eine Frau stürzte von der Brücke in die Themse, Rettungskräfte bargen sie lebend, aber schwer verletzt.

Keine Schweizer Opfer

Unter den Verletzten waren zahlreiche Touristen, darunter mindestens drei französische Schüler, wie das französische Aussenministerium in Paris mitteilte. Auch zwei rumänische Staatsbürger sollen rumänischen Behörden zufolge verletzt worden sein.

Schweizerinnen und Schweizer seien nach ersten Erkenntnissen keine unter den Opfern, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten auf Nachfrage der Nachrichtenagentur sda mit.

Mehrere Opfer hätten «katastrophale Verletzungen» erlitten, zitierte die Nachrichtenagentur Press Association einen Arzt aus dem nahe dem Parlament gelegenen St. Thomas Spital.

Regierungsviertel abgesperrt

In Luftaufnahmen im Fernsehen war zu sehen, wie mehrere Menschen auf der Westminster-Brücke vor dem britischen Parlament am Boden lagen und behandelt wurden. Ein Autowrack war auf dem Fussgängerweg vor dem Zaun des Parlamentsgeländes zu sehen.

Die laufende Parlamentssitzung wurde sofort unterbrochen. Die Abgeordneten wurden angewiesen, im Parlamentsgebäude zu bleiben. Das Gelände wurde abgeriegelt. Später wurden hunderte Menschen aus dem Parlamentsgebäude in die angrenzende Westminster Abbey gebracht.

Königin Elizabeth II. hielt sich während der mutmasslichen Terrorangriffe am Londoner Parlament im Buckingham-Palast auf. Ein Palastsprecher äusserte sich nicht zu konkreten Sicherheitsmassnahmen und verwies auf die Polizei. Die Nachrichtenagentur PA berichtete, dass die Tore geschlossen seien und bewaffnete Polizisten die Zugänge bewachten.

Vorfall wird als Terrorakt behandelt

Scotland Yard und die Londoner Polizei behandeln den Vorfall als Terrorakt, solange man nicht von etwas Anderem ausgehen könne. Auch der Bürgermeister von London, Sadiq Kahn, hat mittlerweile zu den Ereignissen Stellung genommen. Er bezeichnete die Vorfälle als schwerwiegend und ernst zu nehmen. Seine Gedanken seien bei den Opfern und deren Familien. Bislang hat sich jedoch noch keine Terrororganisation zum Attentat bekannt.

Zusätzlich hat Scotland Yard mehrere Plätze aufgelistet, die die Londoner zurzeit nicht aufsuchen sollten, darunter sind nebst dem Parlamentsplatz und der Westminster Bridge auch weitere bekannte Plätze wie die Victoria Street und das «Victoria Embankment». Die Sperre diene dazu, der Ambulanz freie Fahrt zu gewähren, schreibt der Mirror. Ausserdem habe die Ambulanz darum gebeten, den Notruf nicht unnötigerweise zu wählen.

Touristen sassen auf dem London Eye fest

Auch das Riesenrad London Eye und das Sea Life, die in der unmittelbaren Nähe der Westminster Bridge liegen, sind gesperrt. Touristen, die sich zur Zeit des Vorfalls auf dem London Eye befanden, mussten rund zwei Stunden auf dem Riesenrad verharren. Mittlerweile konnten sie das Riesenrad verlassen. Auch die Gäste des Sea Life's durften das Gebäude laut Berichten zunächst nicht verlassen.

Mitgefühl aus aller Welt

Verbündete Grossbritanniens wie US-Präsident Donald Trump, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande reagierten bestürzt und sicherten den Briten Unterstützung zu. Auch Bundespräsidentin Doris Leuthard verurteilte den Anschlag, wie das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation auf Twitter mitteilte.

Jahrestag von Brüsseler Anschlag

Gibt es einen Zusammenhang mit einem anderen Blutbad? Die Angriffe in London wurden auf den Tag genau ein Jahr nach islamistisch motivierten Attacken in Brüssel verübt. Am 22. März 2016 rissen drei Selbstmordattentäter am Flughafen der belgischen Hauptstadt und in der U-Bahnstation Maelbeek im Europaviertel 32 Menschen mit in den Tod.

Der letzte grosse Terroranschlag in London ist fast zwölf Jahre her. Damals zündeten vier Muslime mit britischem Pass in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen starben, etwa 700 wurden verletzt.

René Rödiger
Quelle: sda/red.
veröffentlicht: 22. März 2017 15:54
aktualisiert: 22. März 2017 22:28