Wolf strapaziert Bündner Geduld

Stephanie Martina, 2. März 2017, 11:18 Uhr
Zu viele Wölfe: Die Bündner rufen den Bund zu Hilfe
Zu viele Wölfe: Die Bündner rufen den Bund zu Hilfe
© iStock/kalimf
Die Bündner Regierung hat genug von Wölfen, die Nutztiere reissen. Deshalb fordert sie den Bund dazu auf, das eidgenössischen Jagdgesetzes schnell zu revidieren, damit der Abschuss von verhaltensauffälligen und Schaden verursachenden Wölfen rasch erfolgen kann.

Die Wolfspopulation sei im Kanton Graubünden stark anwachsend, was immer wieder zu Rissen von Nutztieren führe, schreibt die Bündner Regierung in einem Schreiben an den Bund. Laut Regierungsangaben wurden letztes Jahr 55 Risse an landwirtschaftlichen Nutztieren registriert. Im Januar und Februar 2017 sei es dann zu einer weiteren Eskalation gekommen. 30 Schafe seien in der Nähe ihrer Ställe und innerhalb von Weidezäunen von Wölfen getötet worden. Diese letzten Vorfälle hätten sich in vier verschiedenen Regionen des Kantons, nämlich im Bergell, im Misox, in der Surselva und in Mastrils ereignet.

Bündner fordern rasche Revision

Die Regierung zeigt sich überzeugt, dass der Goodwill und die Akzeptanz für den Wolf in der Bündner Bevölkerung und Landwirtschaft verloren gehe, sofern nicht unverzüglich auf Bundesebene die nötigen rechtlichen Grundlagen geschaffen werden würden, um eine Verhaltensänderung der Wölfe durch stärkere Massnahmen verhindern zu können. Sie fordert zu diesem Zweck eine rasche Revision des eidgenössischen Jagdgesetzes, damit der Abschuss von verhaltensauffälligen und Schaden verursachenden Wölfen rasch erfolgen kann.

Revision stark umstritten

Beim Bund ist die Teilrevision des Jagdgesetzes, mit welcher der Schutz von Wölfen, Schwänen und anderen geschützten Tierarten gelockert werden soll, im Gang. Die Reform wird allerdings stark kritisiert. Umweltschutzorganisation und die Linke lehnen sie ab, für die SVP, die Wolfsgegner, die Bauern und den Kanton Wallis stimmt die Stossrichtung, doch die Vorlage geht ihnen zu wenig weit.

Der Bundesrat schlägt unter anderem vor, dass der Bestand von gewissen geschützten Wildtieren dezimiert werden darf, sofern diese grossen Schaden anrichten, Menschen gefährden oder die Artenvielfalt bedrohen. Im Gesetz sind namentlich nur der Steinbock und neu auch der Wolf aufgeführt. Weitere Tiere wie der Höckerschwan, der Luchs oder der Biber könnten per Verordnung auf die Liste genommen werden.

Stephanie Martina
Quelle: red.
veröffentlicht: 2. März 2017 11:14
aktualisiert: 2. März 2017 11:18