«Nicht als Uhr, sondern Kunstwerk gedacht»

Die binäre Uhr sorgt immer wieder für rote Köpfe bei der St.Galler Bevölkerung.
Die binäre Uhr sorgt immer wieder für rote Köpfe bei der St.Galler Bevölkerung. © Tagblatt/Hanspeter Schiess
Schon wieder tickt die binäre Uhr am Bahnhof St.Gallen nicht richtig. Jetzt gibt Stadträtin Pappa bekannt: Eine gestörte Funkverbindung soll schuld an den Störungen sein – deshalb wird die Verbindung nächste Woche gekappt.

«Wir überprüfen bereits seit einigen Wochen, weshalb die Uhr nicht mehr so genau funktioniert», sagt Maria Pappa, Baudirektorin der Stadt St.Gallen. «Aktuell vermuten wir, dass es Indifferenzen mit der Funkverbindung von der Uhr zur Antenne gibt.» Die Techniker gehen davon aus, dass die Verbindung durch elektrische Signale gestört wird. Möglich sei, dass Kabel, die zum Schutz des Kunstwerks vor Vögeln dienen, die Verbindung stören. Die Kabel senden elektrische Signale aus, um die Vögel zu verscheuchen (mehr dazu auch auf tagblatt.ch).

«Antenne wird verschoben»

«Deshalb werden wir nächste Woche die Uhr von der Antenne trennen und schauen, ob die Uhr im klassischen Uhrbetrieb ohne Antenne funktioniert», sagt Stadträtin Pappa. Ist dies der Fall, wisse man, dass die Verbindung tatsächlich gestört wird: «Dann müssen wir die Antenne verschieben, damit es keine Indifferenzen gibt.»

Getrennt wird die Verbindung zur Antenne mit einer Hebebühne. Dies geschehe gleich im Rahmen der Winter-Zeitumstellung: «Wir wollen die Hebebühne nicht zweimal kommen lassen.» Deshalb werde die Winterzeit vielleicht auch schon vor der offiziellen Zeitumstellung eingestellt. «Ist die Verbindung zur Antenne getrennt, wird die Zeit nicht automatisch umgestellt.»

Emotionales Thema

Dass die Uhr wenige Wochen nach der Eröffnung des neuen Bahnhofs bereits nicht mehr funktioniert, sorgte für Kritik. Es hätten sich in der Bevölkerung zwei Lager gebildet, sagt Maria Pappa: «Ein Teil der Bevölkerung hat die Uhr als Uhr verstanden. Ihrere Meinung nach erfüllt die Uhr ihren Zweck nicht.» Das Geld sei für etwas ausgegeben worden, das gar nicht erst funktioniert. Es gebe aber auch welche, die finden, das Kunstwerk sei gelungen. Diese würden es schade finden, dass es technisch nicht funktioniert, sähen aber in der Uhr in erster Linie ein Kunstwerk.

«Die Uhr ist nicht als Uhr gedacht, sondern als Kunstwerk», erklärt die Stadträtin. Und bei Kunstwerken sei die Emotionalität immer besonders gross. Der Stadtrat steht nach wie vor hinter der binären Uhr. Die Idee passe zum Bahnhof. Letztlich habe sich aber eine Fachjury für die Uhr ausgesprochen und nicht der Stadtrat selbst.

Nächste Woche findet also der nächste Versuch statt, das Uhrwerk wieder richtig zum Laufen zu bringen. Bis dahin lohnt sich ein Blick auf die Uhr nur, wenn man sich ob des Kunstwerks erfreuen will.

(abl)


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