Niemand bläst so laut wie er

Von Lara Abderhalden
Des einen Leid, des anderen Freund: Der Laubbläser.
Des einen Leid, des anderen Freund: Der Laubbläser. © iStock
Der Herbst ist die Zeit, in der sich das Blatt wendet. In der sich neue Konstellationen auf dem Asphalt bilden, im Winde wälzen, sich durchmischen und jedes auf jedem zu liegen kommt. Diese bunte, polygame Idylle wird jedoch alljährlich vom lautesten Bläser der Welt zerstört, dem Laubbläser. Ein Hassgedicht.

Wenn mich morgens die Sonne weckt, werde ich plötzlich erschreckt,
Statt morgendliches Sonnenlicht, weckst du mich, du Laubbläser-Schwergewicht.
Statt Vogelgezwitscher und Kuhglocken,
Haust du mich mit einem lauten, tiefen Bass aus den Socken.

Rücksicht, was ist das? Scheinst du zu denken,
während ich verzweifelt versuche, meine blutten Beine in die Unterhosen zu lenken.
Schon vor der Arbeit einen dröhnenden Kopf,
ich bin schon ein armer Tropf.

Der heisse Kaffee in meiner Tasse,
besänftigt keineswegs den Lärm auf der Gasse.
Es poltert und dröhnt so unglaublich laut,
als hätte Trump in meinem Kopf einen Tower gebaut.


Immer wieder hämmert es gegen meine Stirn,

Gedanken beginnen in meinem Hirn, umher zu schwirren.
Warum jetzt? Warum so penetrant?
Bin doch gestern nüchtern ins Bett gelangt.

Ich will das nicht, komm hör schon auf,
auf dieses Gebläse steh ich echt nicht drauf.
Lass leben die wilden, bunten Blätter,
überlass das Blasen doch dem lieben Wetter.

Du kannst das nicht, sieh es doch ein,
Niemals wirst du ein guter Bläser sein.
Ich stürme aus dem Haus, hässig,
zeige dem Bläser den Stinkefinger, total nicht lässig!

Und beim Springen auf dem Bus,
macht es plötzlich Schwubdibus.
Bin ausgerutscht auf dem nassen Laub,
mache mich schnell aus dem Staub.

Doch ich höre ihn von weitem lachen,
den Bläser, diesen miesen Drachen.
Und die Moral von der Geschicht’:
der Laubbläser hält was er verspricht:
Es muss ihn geben, denn er rettet Leben.

 

 


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