OpenAir St.Gallen

OASG-Bauer: «Jeder Quadratmeter erzählt seine Geschichte»

Krisztina Scherrer, 25. Juni 2020, 09:38 Uhr
Es schmerzt. Das OpenAir St.Gallen findet dieses Jahr nicht statt. Im Sittertobel bleibt die Wiese für einmal grün und wird nicht von Festivalgängern «zertrampelt» oder mit Zelten übersät. Für den Landwirten Max Gmür ist das aber nichts Positives.

Der Bass dröhnt bis zur Zürcherstrasse hoch. Mit jedem Meter in Richtung Tobel steigt die Freude. Tausende gehen den gleichen Weg – alle mit dem gleichen Ziel: OpenAir St.Gallen. Nach der Eingangskontrolle geht es über die Brücke Richtung Gelände, die Brust bebt – bei den einen wegen des Basses, bei den anderen wegen der Vorfreude. Kurz darauf ist es geschafft: Man steht auf dem Festivalgelände. Jetzt taucht man in die einzigartige OASG-Welt ein. Vier Tage Spass und Musik.

Vogelgezwitscher statt Bass

Doch dieses Jahr will es nicht sein. Wer von der Fürstenlandbrücke runter ins Sittertobel schaut, sieht anstatt einer bunten Zeltstadt nur grüne Wiese. Wer auf dem Gelände selber unterwegs ist, hört anstatt lauter Musik die Vögel zwitschern. Die Coronakrise hat der Eventbranche einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bis zum 31. August werden in der Schweiz keine Grossveranstaltungen durchgeführt.

«Für uns ist es das Highlight»

«Ich finde das schade», sagt Max Gmür gegenüber FM1Today. Das Haus des Landwirten steht mitten auf dem Festivalgelände. Gmür hat in den letzten 25 Jahren kein OASG verpasst. «Für uns ist es das Highlight des Jahres. Wir dürfen bei uns am Haus eine Bar führen und haben während des Festivals Leute, die uns helfen.»

Max Gmür und sein «Traktörli».

© FM1Today/Krisztina Scherrer

«Schaue vom Fenster aus auf die Bühne»

Etwas Positives am Ausfall des OpenAir findet er nicht. Im Gegenteil: «Ich sehe von meinem Haus aus die Sitterbühne. Wenn am Abend die Bands spielen, schaue ich aus dem Fenster und fange die ganze Stimmung auf.» Seine Augen leuchten, wenn er über das OASG spricht. «Jeder Quadratmeter des Geländes erzählt seine Geschichte.» Da sei zum Beispiel der Mann, der jedes Jahr an der grossen Linde seine Hängematte anbringt oder Gmürs alter Traktor, der beim «Fätzlen» zum Einsatz kommt. «Ab und zu verirrt sich auch ein Künstler zu uns an die Bar.»

«Freue mich auf nächstes Jahr»

Für Gmür heisst es dieses Wochenende «buure» statt feiern. «Ich arbeite einfach normal weiter», sagt er. «Für das Festival muss ich ein paar Aushilfen anstellen, das fällt dieses Jahr weg und ist auch nicht weiter tragisch.» Auf nächstes Jahr freut sich der Landwirt aber bereits: «Das OASG hat jetzt schon ein paar Änderungen bekanntgegeben, zum Beispiel soll es einen Daydance geben. Darauf freue ich mich riesig.» Für dieses Jahr hat er ein paar Freunde eingeladen. «Die sind auch am OpenAir immer hier und jetzt essen wir gemeinsam Znacht.»

Seit 30 Jahren Festivalgänger

Auch Andi Bär aus Speicher findet den «Zwangs»-Ausfall des diesjährigen OpenAir schade: «Man fühlt sich etwas verloren. Es ist eine spezielle Situation, nicht nur für mich.» Der 60-Jährige pilgert seit beinahe 30 Jahren ans Festival im Sittertobel.

«Das OpenAir St.Gallen findet praktisch vor meiner Haustüre statt. Das Line-up ist toll, die Musik passt mir und die Leute sind gut.» Am meisten bleiben ihm die «rockigen» Bands in Erinnerung. «Whitesnake waren mal hier und auch die Toten Hosen – meine Highlights.» Doch die Musik komme dieses Wochenende nicht zu kurz: «Ich geniesse das Wetter, bin im Garten, grilliere, chille, fahre Töff und höre dort gute Musik.»

TVO berichtet am Donnerstagabend mit einer Spezialausgabe zum ausgefallenen OpenAir St.Gallen:

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Quelle: TVO

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 25. Juni 2020 09:29
aktualisiert: 25. Juni 2020 09:38