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So hinterlässt du am Festival keine Spuren

Laurien Gschwend, 11. Juni 2018, 08:55 Uhr
Hier eine Chipspackung, da ein ganzes Zelt - Openairs gleichen oft Müllhalden. Dabei wäre es gar nicht so schwer, durchs Festival zu gehen, ohne (viel) Abfall zu produzieren. Die Zero-Waste-Expertin Natalie Bino gibt Tipps.

Allgemein

Vor dem Festival lohnt es sich, zu überlegen, in welchen Bereichen der Abfall anfallen könnte und entsprechend nach Alternativen zu Plastiksäcken und Co. zu suchen. «Auch die jeweiligen Sicherheitsvorschriften der Openairs spielen beim Packen eine Rolle», sagt Natalie Bino, Mitgründerin von Zero Waste Switzerland.

An einem Festival könne man die Natur respektieren, in dem man sie nicht zumüllt. Aber: «Sich völlig zu limitieren, ist auch keine Lösung. Es geht darum, Freude zu haben.»

Natalie Bino ist Mitbegründerin und Vereinsvorsitzende von Zero Waste Switzerland (Bild: zVg)

Essen und Trinken

Sich an den Ständen verpflegen oder selber kochen? «Beides funktioniert auf umweltverträgliche Weise. Die Entscheidung ist auch eine Sache des Budgets», sagt Bino. Die meisten Festivals würden sich dafür einsetzen, dass die Standbetreiber nicht kiloweise Servietten verteilen - und Speisen und Getränke mit Depot herausgeben.

Bino hat an Openairs jeweils Wachstücher - beispielsweise für Kebab - und Geschirr aus Bambus, Metall oder waschbarem Plastik dabei. «Wieso sollte man 50 Einweggabeln mitbringen, wenn man stattdessen eine einzige zu Hause aus der Schublade nehmen kann?»

Bild: Tagblatt/Urs Jaudas

Am Jazzfestival in Montreux sei es kein Problem gewesen, Essen mit der eigenen Gamelle zu holen, erinnert sich Bino. Neben dem Abfallsparen habe dies einen grossen Vorteil: «Man bekommt etwas mehr geschöpft, weil die Gastrobetriebe die Menge nicht so gut abmessen können», sagt die Zero-Waste-Expertin und lacht. Beim Selberkochen und -grillen sei ohnehin Mehrweg-Geschirr praktischer, findet Bino.

Zelten

Camping-Utensilien wie Stühle und Schlafsäcke halten in aller Regel mehrere Jahre und haben laut Zero-Wastern nichts im Abfall zu suchen. Beim «Brötle» rät Natalie Bino von Wegwerfgrills ab: «Stattdessen kann man Kohle verwenden und den Papiersack gleich mitverbrennen.» Habe man keinen Rost zur Hand, könne man die Wurst mit einem Stock oder Mehrweg-Metallsticks grillen.

Bild: iStock

Kleider

Man sieht sie an OASG und OAFF überall: Bunte Plastikpelerinen für all jene, die nicht mit Regen gerechnet hatten. Nach nur einem Tag haben sie für ihre Besitzer ausgedient und landen im Abfall. «Viel besser wäre es, eine richtige Regenjacke mitzunehmen», meint Bino. Selber verzichtet sie darauf: «Wir werden an Festivals immer nass. Das gehört für uns zum Fun dazu.»

Bild: Tagblatt/Hanspeter Schiess

Körperpflege

Vier Tage im Sittertobel oder auf einem anderen Festivalgelände zu sein, heisst nicht, auf Körperpflege zu pfeifen. Nur leider sind Sonnencreme und die meisten anderen Produkte in Plastikhüllen verpackt. Zero-Waste-Vertreterin Natalie Bino empfiehlt, sich mit Wasser und etwas Kernseife zu waschen - für ihre Haare verwendet sie eine Mischung aus Wasser und Essig. Ihr Deo stellt sie selber aus Kokosfett, Sodapulver, Maisstärke und ätherischen Ölen her, wie sie verrät. Als Gesichtscreme reichen pflanzliche Öle.

Eine abfallfreie Alternative zur Sonnenmilch-Tube hat Bino noch nicht gefunden. «Wenn man aber von 11 bis 15 Uhr im Schatten bleibt und die Sonne ein wenig mit Olivenöl und Kokosfett blockiert, kann man sich auch schützen.»

Bild: Thurgauer Zeitung/Nana Do Carmo

Beim WC-Gang hört der «Zero-Waste-Spass» selbst für Bino auf - besonders am Festival. Auf Papier könne man schliesslich nur verzichten, wenn man einen Schlauch oder eine WC-Dusche zur Verfügung habe.

Die Festivals im FM1-Land setzen sich seit einigen Jahren dafür ein, die Abfallmenge zu reduzieren. So verkauft das Openair Lumnezia Abfallsäcke à zehn Franken. Wer sie gefüllt wieder zurück bringt, erhält das Geld zurück. Sowohl das OpenAir St.Gallen als auch das Openair Frauenfeld sind bei der Kampagne «Love Your Tent» dabei und verlangen für jedes Zelt ein Depot à 20 Franken. Damit wollen sie erreichen, dass die Camper ihre mobilen Bleiben abbauen und wieder nach Hause nehmen beziehungsweise am Festivalausgang entsorgen.
Laurien Gschwend
veröffentlicht: 11. Juni 2018 08:55
aktualisiert: 11. Juni 2018 08:55