«Wäh, grusig!» Wildpinkler am OASG

Fabienne Engbers, 1. Juli 2019, 10:33 Uhr
Verwirrte und fragende Gesichter am ersten Abend des OpenAir St.Gallen: Wo sind alle WCs hin? Diverse Toiletten auf dem ganzen Areal sind verschwunden, das sorgt für viele Wildpinkler.

«Es saichelet» auf der Wiese hinter der Sternenbühne. Wo in den letzten Jahren WCs standen, herrscht dieses Jahr gähnende Leere. Mehrere Klostationen auf dem Openair-Gelände sind wie durch Zauberhand verschwunden, vor allem auf den Zeltplätzen und während den Konzerten auf der kleinen Bühne sorgt dies für viele Wildpinkler.

«Bei den WCs sollte man zuletzt sparen»

Hauptsächlich das weibliche Geschlecht muss lange Wege gehen und eine Warteschlange in Kauf nehmen. «Überall kann man sparen, aber bei den WCs sollte man das zuletzt tun», sagt die langjährige Openair-Gängerin Martina. Für eine Toilette muss sie von ihrem Zeltplatz rund zehn Minuten laufen, letztes Jahr stand ein WC-Wagen direkt neben ihrem Platz.

In allen Zungen ausser jener bei der Campfire-Stage fehlen die WCs komplett oder wurden reduziert. «Man steht ewig lange an und es hat keine Wasserstellen mehr», ärgert sich Melissa. Auch das Zähneputzen vor dem Ins-Bett-Gehen wird damit zur langen Reise. Viele entscheiden sich deshalb auch hier für das Wasser aus der PET-Flasche oder spülen die frisch geputzten Zähne mit Bier.

Männer werden zu Wildpinklern

Wo die (meisten) Frauen nun einen längeren Weg in Angriff nehmen müssen, um ein Klo zu finden, pinkeln die Männer wild drauf los. «Wir haben uns aber extra Mühe gegeben, dass wir nicht die Blache ‹anseichen›, sondern ins Gras pinkeln», sagt eine Gruppe Männer.

Je dunkler es wird, desto mehr Gestalten sieht man mit dem Rücken zu einer Sichtschutzwand. Weil es weniger Toiletten hat, werden auch die Frauen zu Wildpinklerinnen. «Ich konnte einfach nicht mehr so lange anstehen», sagt Lynn. Deshalb habe auch sie sich fürs hohe Gras statt einer richtigen Toilette entschieden.

Die Anzahl WCs den Besuchern angepasst

Das OpenAir St.Gallen bestätigt, dass einige WC-Anlagen dieses Jahr nicht mehr da sind. «Die Anzahl der Toiletten wurde der Anzahl Besucher angepasst», sagt Mediensprecherin Nora Fuchs. Man habe sich dazu entschieden, mehr Toiletten bei der Hauptanlage aufzustellen, dafür hat es weniger WCs auf dem Zeltplatz. Statt für 30'000 Besucher hat es dieses Jahr für 22'000 bis 24'000 Leute WC-Anlagen, so viele Besucher werden am OASG erwartet. «Proportional hat es nicht weniger WCs als in früheren Jahren», betont Fuchs.

Ausserdem wurden am Freitagmittag die Toiletten aus dem Wartebereich zur Sternenbühne verschoben, dort hat es nun einige Toitois. Weitere Toiletten auf dem Zeltplatz werden dieses Jahr vermutlich nicht mehr aufgestellt.

Probleme mit der IT

Probleme bereiteten am Freitagmorgen nicht nur fehlende WCs, sondern auch die Technik. Besucher, die am Freitagmorgen ihr Ticket gegen einen Festivalbändel tauschen wollten, wurden mit Problemen konfrontiert. «Ich musste 40 Minuten auf meinen Bändel warten, beim Welcome Desk ging gar nichts mehr», schreibt uns Leserreporter Marco.

Das OpenAir St.Gallen bestätigt, dass es am Freitag ein Problem mit der Technik gab. «Rund 50 Besucher waren davon betroffen», sagt Nora Fuchs. Der Bändeltausch war kurzzeitig nicht möglich oder beim Eintritt ins Gelände wurde der Bändel nicht angenommen, auch zuvor aufgeladenes Geld-Guthaben war plötzlich nicht mehr auf dem Armband. Im Gelände konnte mit dem Ticket der Bändel und das Guthaben wieder reaktiviert werden. Das IT-Problem wurde mittlerweile behoben.

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Fabienne Engbers
veröffentlicht: 28. Juni 2019 14:54
aktualisiert: 1. Juli 2019 10:33