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Tu das niemals bei einem Vorstellungsgespräch

Laurien Gschwend, 20. August 2019, 11:15 Uhr
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Es gibt keine verbotenen Fragen. Oder etwa doch?
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Vorbereitung ist die halbe Miete – das gilt auch für Vorstellungsgespräche. Vermeide folgende Dinge und du hinterlässt bei jedem potenziellen Arbeitgeber einen positiven Eindruck.

Unvorbereitet an ein Vorstellungsgespräch gehen

«Sich nicht auf ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten, ist richtiggehend dumm», sagt Jörg Buckmann, Experte für Personalmarketing. Der gebürtige Uzwiler hat selber schon mehrere hundert Vorstellungsgespräche geführt und erinnert sich an viele Bewerber zurück, die den «Gratis-Joker» der Vorbereitung liegengelassen hätten. «Dabei dauert es heute doch nur wenige Minuten, sich auf der Website des Unternehmens ein Bild zu verschaffen.» Punkten kann laut Buckmann ausserdem, wer sich auch jenseits der offiziellen Website über das Firmenumfeld schlau macht und seine Gesprächspartner googelt. «Daraus lassen sich dann ein paar gescheite Fragen ableiten.»

Zu spät kommen

Ein absolutes No-Go ist für den HR-Experten Jörg Buckmann, wenn eine Bewerberin oder ein Bewerber zu spät zum Vorstellungsgespräch erscheint. «Das ist eine Anstandsregel, die man daheim gelernt haben sollte.»

Uzwiler Jörg Buckmann

Der Uzwiler Jörg Buckmann, Inhaber der Buckmann Gewinnt GmbH, war vorher 20 Jahre in verschiedenen HR-Funktionen tätig. Zuletzt bei den Verkehrsbetrieben Zürich.

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Ungepflegt erscheinen

Das perfekte Outfit für ein Vorstellungsgespräch variiere je nach Branche, sagt die Image-Expertin Nicole Veser auf Anfrage von FM1Today. «Wer sich für einen handwerklichen Beruf interessiert, muss nicht daherkommen wie jemand auf der Bank.» Auch bei über 30 Grad sollte man laut Veser nicht daherkommen, «als sei man auf dem Weg zur Badi». HR-Experte Buckmann rät, eher overdressed als underdressed zu erscheinen – und weder extrem parfümiert zu sein noch zu stinken.

Mitnehmen solltest du sauberes Schreibzeug und einen vernünftigen Block. «Ich habe auch schon Leute gesehen, die einen Fresszettel dabei hatten, der aussah wie aus dem Maul einer Kuh», sagt Veser und lacht. Sie empfiehlt, Notizen immer noch auf altmodische Weise – und nicht auf dem Smartphone – zu machen. «Es ist aber durchaus erlaubt, das Handy hervorzunehmen, um einen weiteren Gesprächstermin zu vereinbaren.» Praktisch kann auch sein, die Stellenausschreibung und das eigene Anschreiben mitzubringen, um sich bei Bedarf darauf zu beziehen.

Nicole Veser

Nicole Veser führt mit ihrem Ehemann die Image-Agentur Stilgerecht in Wolfhalden.

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Auf der Hand liegende Fragen stellen

Dumme Fragen gibt es bekanntlich nicht. Aber: «Die erste Frage sollte nicht gleich den Lohn betreffen», sind sich Veser und Buckmann einig. «Zudem sollte man keine Fragen stellen, deren Antworten auf der Hand liegen», sagt Buckmann. Das zeige dem potenziellen Arbeitgeber, dass man nicht einmal das «Über uns» auf der Website durchgelesen habe. Gute Fragen sind übrigens welche, die auf das Marktumfeld und die weiteren Pläne des Unternehmens abzielen. «Alles, was nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist», erklärt Buckmann.

Die Lohnfrage nicht klären

Nach dem Lohn zu fragen, ist – ausser gleich zu Beginn zu Gesprächs – nicht verboten, sondern sogar erwünscht. «Eigentlich sollte das Unternehmen von sich aus sagen, in welcher Range sich die Entlöhnung bewegen wird. Passiert dies nicht, sollte die Bewerberin oder der Bewerber das Thema spätestens zum Ende des ersten Vorstellungsgesprächs zur Sprache bringen», sagt Personalmarketing-Experte Buckmann. Sinnvoll sei, sich vor dem Gespräch über den eigenen Marktwert klarzuwerden und eine persönliche Schmerzgrenze festzulegen.

Pseudo-Schwächen nennen

Die Frage mag etwas veraltet sein, wird aber dennoch häufig gestellt: Was sind Ihre Stärken und Schwächen? «Ich würde mir im Vorhinein ein paar Stärken und Schwächen überlegen. Auch wenn ich nicht explizit danach gefragt werde, gibt es bestimmt einen Punkt im Gespräch, an dem ich sagen kann, was ich dem Unternehmen bieten werde», empfiehlt Buckmann. Eine «verbotene» Stärke ist laut dem Uzwiler der Klassiker Ungeduld. «Das sagt jeder und darauf reagieren alle Personaler genervt.» Besser sei, eine echte Schwäche zu nennen, die nicht entscheidend sei, um den Job auszuüben. «Niemand nimmt es einem ab, wenn man hier nicht ehrlich und selbstbewusst reagiert.»

Das Zepter in die Hand nehmen

Bei einem Bewerbungsgespräch bist du Gast. Daran erinnert Nicole Veser: «Man sollte sich nicht gleich den nächsten Stuhl schnappen und sich hinsetzen.» Es gelte, einen Mittelweg zwischen Zurückhaltung und zu forschem Verhalten zu finden. «Leute, die aufmerksam zuhören und anderen nicht ins Wort fallen, denen man aber auch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen muss, sind die angenehmsten Gesprächspartner.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 7. August 2019 09:37
aktualisiert: 20. August 2019 11:15