«Öffentliche Aussprache würde in Tribunal enden»

Von Nina Müller
Nathalie Wasserfallen, Schulpräsidentin von Wigoltingen, nimmt Stellung zu den Anschuldigungen gegen ihre Behörde.
Nathalie Wasserfallen, Schulpräsidentin von Wigoltingen, nimmt Stellung zu den Anschuldigungen gegen ihre Behörde. © FM1Today/Nina Müller
In Wigoltingen gab es in den letzten Wochen Anschuldigungen in alle Richtungen. Auslöser war das Kündigungsschreiben von sieben Sekundarlehrpersonen. Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen signalisiert nun Gesprächsbereitschaft gegenüber den Eltern.

Die Sonne scheint über das grüne Land von Wigoltingen und das Kinderlachen hört man auch noch, wenn man sich vom Schulhaus entfernt. Doch die Idylle trügt: Die letzten Monate waren nicht einfach für die Schulgemeinde. Die Fronten sind verhärtet, die Meinungen gespalten. Eltern und Schüler fordern den Rücktritt der Schulpräsidentin und des Schulleiters, die Schulbehörde stellte den «Querulanten» im Lehrkörper ein Ultimatum, worauf sieben von zwölf Sekundarlehrpersonen das Handtuch schmissen.

System sei Problem der Lehrer

Am Montag lud Nathalie Wasserfallen, Schulpräsidentin von Wigoltingen, die Medien zu einer kurzfristigen Medienkonferenz ein, wo sie ihre Sicht der Dinge nochmals schilderte. Wasserfallen sieht den Ursprung der Streitigkeiten zwischen Lehrern und der Schulleitung bei den geplanten Systemänderungen. «Damit die gesetzlichen Vorlagen eingehalten werden können, müssen wir das Basisstufensystem einführen. Ansonsten erfüllen wir nicht die gesetzlich vorgegebene Mindestgrösse einer Schulklasse», sagt Wasserfallen. Dafür wurde von den Lehrpersonen eine Haltungsänderung gefordert, welche nicht erfüllt worden sei. Wasserfallen ist davon überzeugt, dass dies der Grund für die sieben Kündigungsschreiben ist.

«Spada wurde zum Sündenbock gemacht»

Die Lehrer nannten zuvor einen anderen Grund: Den neuen Schulleiter Mirko Spada (FM1Today berichtete). Diese Anschuldigung weist die Schulpräsidentin zurück. «Spada wurde hier zum Sündenbock gemacht. Ich stehe weiterhin hinter ihm», sagt Wasserfallen. Doch die Lehrer sind nicht die einzigen, die unzufrieden sind mit den Entscheidungen der Schulbehörde. Vergangene Woche haben Schüler den Rücktritt von Wasserfallen und Spada gefordert. «Es gibt Beweise, dass diese Schüler von Eltern und Lehrer instrumentalisiert wurden», sagt Wasserfallen dazu. Man habe den Schülern Gehör geschenkt, gebe dem Druck aber nicht nach.

Auch einige Eltern sind mit der jetzigen Situation unzufrieden. Sie forderten die Abschaffung der «Diktatur» an der Schule und eine öffentliche Aussprache. «Öffentlich werden wir das nicht machen, das würde nur in einem Tribunal enden und das hat niemand von den Beteiligten verdient», sagt Wasserfallen. Die Eltern haben aber die Möglichkeit, am Donnerstagnachmittag von 14 bis 16 Uhr mit Nathalie Wasserfallen das Gespräch zu suchen. Damit signalisiert die Schulpräsidentin Gesprächsbereitschaft.

Eltern beharren auf öffentliche Aussprache

Das dürfte die verhärteten Fronten nur bedingt aufweichen. «Das ist doch ein Witz. Die meisten von uns arbeiten um diese Zeit», sagt eine Mutter gegenüber FM1Today. Sie und andere Eltern werden weiterhin an ihrer Forderung von einer öffentlichen Aussprache festhalten. Dabei sollen auch die Lehrpersonen zu Wort kommen, die gekündigt haben und zwar so, dass sie nicht mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen.

Zuvor hiess es, die Lehrpersonen hätten von der Schulbehörde einen Maulkorb erhalten. Diesen Vorwurf weist Wasserfallen von sich: «Die Lehrer dürfen sich öffentlich äussern, solange sie sich an das Amtsgeheimnis und die Treuepflicht halten.»

Dieser Zettel hing am Montag an der Türe des Schulgebäudes. (Bild: FM1Today)

Schüler wollen Lehrer nicht gehen lassen

Auch die Schüler wirken immer noch unzufrieden. Am Montag hing an der Türe des Schulhauses ein Plakat mit der Aufschrift: «Schulleitung und Schulpräsidentin sollen gehen, nicht die Lehrer.» Unter dem Plakat steht «Die Schüler» als Absender. Dahinter stecken gemäss der Mutter auch nicht die Eltern. Die Schüler seien nämlich extrem traurig über die Situation. «Sie mögen ihre Lehrer wirklich gerne und vertreten hier ausschliesslich ihre eigene Meinung», so die Mutter.

Das letzte Kapitel im Schulstreit in Wigoltingen ist wohl noch nicht geschrieben. Klar ist: Fünf neue Lehrpersonen wurden für das kommende Jahr bereits gefunden. Für die beiden weiteren noch offenen Stellen laufen Bewerbungsverfahren. Der Schulbetrieb für das kommende Schuljahr ist somit geregelt.


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