Bänkli

14'000 «Bankgeheimnisse» gelüftet

Sarah Lippuner, 6. September 2019, 10:52 Uhr
Es braucht den Blick einer Österreicherin, um zu sehen, was für uns Schweizer selbstverständlich ist: unsere Bänkli-Kultur. Dank dem Projekt «Bankgeheimnis» sind nun über 14'000 Bänkli auf einer interaktiven Karte verzeichnet.

Die Schweiz ist für zweierlei Banken bekannt: Auf der einen deponiert man sein Geld und auf der anderen seinen Hintern. Letzteres bekommt nun grosse Aufmerksamkeit durch das Projekt «Bankgeheimnisse». Das Prinzip ist einfach: Jeder kann «Bankgründer» werden, indem er auf einer interaktiven Karte den Standort seiner Lieblingsbank verzeichnet und dazu ein Bild des Platzes hochlädt.

Witzig: Das Projekt, welches das Schweizer Kulturerbe Bänkli fördern will, wurde von einer Ausländerin gegründet. Die Österreicherin Renate Albrecher lebt seit gut zehn Jahren in der Schweiz und stellte fest, dass etwas fehlte: «Ich finde die Bänkli so schön, die überall in der Schweizer Natur stehen, wusste als Österreicherin aber nicht, wo ich schöne Bänkli für meine Spaziergänge finden kann. Als ich merkte, dass es keine Karten der Bänkli gab, kam ich auf die Idee, mithilfe einer Community eine solche Karte anzulegen.»

Im FM1-Land sind über 2000 Bänkli auf der Karte verzeichnet. (Screenshot: bankgeheimnisse.ch)
© Screenshot: bankgeheimnisse.ch

Über 14'000 Bänkli verzeichnet

Die Idee funktioniert. Und wie. Albrecher gründete den «Verein zu Förderung der Schweizer Bankkultur» und rief die «Bänkli-Challenge» ins Leben. Jeder Kanton wurde dazu aufgerufen, möglichst viele Bänkli auf der Karte zu verzeichnen. Die grossen Kantone brauchten 1000, die kleineren 500, um die Challenge zu erfüllen. Zwölf Kantone haben die Challenge geschafft. Über 14'000 Bänkli sind zurzeit auf der Karte zu finden.

«Es war unglaublich, wie viele Leute bereit waren, Bänkli zu fotografieren und hochzuladen. Aktiv haben gut tausend User mitgemacht, das Interesse ist aber viel grösser. An einigen Tagen hatten wir bis zu 400'000 Klicks auf unserer Bänkli-Karte», sagt Albrecher. Zusätzlich zum Standort und Foto hat jedes Bänkli ein Bänkli-Buch, wo User ihre Erlebnisse und Geschichten zum Bänkli eintragen können.

Das Mitmachen basierte auf freiwilliger Zustimmung. Als Anreiz gab es kleinere, regionale Preise zu gewinnen, wie beispielsweise eine Führung auf dem Baumwipfelpfad Neckertal.

Die einfache Suche zum Wunsch-Bänkli

In einigen Challenges spielten auch Kantone gegeneinander. St.Gallen und Graubünden kämpften darum, wer als erstes 1000 Bänkli fotografiert. Die St.Galler gewannen, in Graubünden wurden jedoch auch gut 600 Bänkli verzeichnet.

Das Spezielle auf der Bänkli-Karte ist, dass man spezifisch nach seinem Wunsch-Bänkli suchen kann. Mit mehreren Suchfiltern kann eingestellt werden, wo sich das Bänkli befinden soll, wie man sich die Aussicht vorstellt und welche Anlagen dazu gehören sollen, Spielplätze oder Grillstellen beispielsweise. Die Karte ist aber nicht nur für Ausflüge gedacht, sondern hilft auch älteren und eingeschränkten Menschen. «Wir haben viele Leute in der Community, die sich auf einem Spaziergang immer wieder hinsetzen müssen. Dank unserer Karte können sie so sehen, welche Spaziergänge sich eignen, beziehungsweise, wo es mal ein Bänkli hat.»

Das Preisgeben der Bankgeheimnisse soll auch in Zukunft weitergehen, versichert Renate Albrecher. «Als nächstes würden wir gerne eine App einrichten, unsere Karte gibt es zurzeit erst auf einer Web-App. Da wir als Verein von Spenden leben, hoffen wir auf noch mehr Leute, die uns unterstützen wollen.»

Sarah Lippuner
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. Februar 2019 11:45
aktualisiert: 6. September 2019 10:52