Eidgenössisches als Höhepunkt

2022 könnte das grosse Jahr für die Nordostschweizer Schwinger werden

Nico Conzett, 11. Juni 2022, 06:23 Uhr
Lange Zeit dominierten die Berner das Schwinggeschehen auf nationaler Ebene. Doch die Nordostschweizer haben während der Coronapandemie stark aufgeholt – und werden in diesem Jahr ein gewichtiges Wort um alle wichtigen Festsiege mitreden. Hier sind alle wichtigen Informationen zur Schwingsaison 2022.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Schwingfeste mit eidgenössischem Charakter wurden seit 2010 und dem Sieg des damals 20-jährigen Kilian Wenger beim Eidgenössischen in Frauenfeld praktisch ausnahmslos von Berner Schwingern gewonnen. Die einzige Ausnahme schaffte der mittlerweile zurückgetretene Zuzwiler Daniel Bösch, der 2011 den Unspunnen-Schwinget für sich entscheiden konnte. 

Brechen die Nordostschweizer die Berner Vorherrschaft?

Mehr als zehn Jahre lang waren die Berner das Mass der Dinge. Doch im vergangenen Sommer wurde womöglich eine neue Ära eingeleitet. Der Thurgauer Samuel Giger und der Toggenburger Damian Ott gewannen gemeinsam den Kilchberger Schwinget. Teilen mussten sie sich den Titel zwar dennoch mit einem Berner, dem 22-jährigen Fabian Staudenmann. Doch der Erfolg könnte dennoch eine Wachablösung darstellen.

Ein Kader wie seit Abderhalden und Forrer nicht mehr

Die junge Nordostschweizer Generation ist mittlerweile so breit aufgestellt, dass sie vergleichbar ist mit jener zu den Glanzzeiten der Schwingerkönige Jörg Abderhalden und Arnold Forrer Anfang der Nullerjahre. Bekanntlich ist ein breit aufgestellter Kader im Teilverband eine wichtige Voraussetzung für Festsiege. Vor allem bei eidgenössischen Festen gilt dies, da dort konsequent Schwinger der verschiedenen Teilverbände gegeneinander eingeteilt werden.

Viele Nordostschweizer Talente haben die Coronazeit genutzt und sich massiv weiterentwickelt. So zum Beispiel Ott, der 19-jährige Werner Schlegel, vor zwei Wochen Sieger des St.Galler Kantonalen, oder auch Marcel Räbsamen, ebenfalls ein Toggenburger. Aber auch Samuel Giger hat sich seit dem letzten Eidgenössischen 2019 nochmals deutlich weiterentwickelt und hat die Schwingsaison im vergangenen Jahr regelrecht dominiert.

Auch Orlik kommt wieder in Form

Pünktlich zur entscheidenden Phase der Saison und im Hinblick auf das ESAF in Pratteln kommt auch der Maienfelder Armon Orlik nach einer für seine Verhältnisse eher schwachen Saison 2021 wieder in Form. Er gewann am Pfingstmontag das Glarner-Bündner Kantonalschwingfest in dominanter Manier. Einzig gegen den Winterthurer Samir Leuppi stellte Orlik. Leuppi wird indes am Eidgenössischen auch auf Seiten der Nordostschweizer schwingen. Der 29-Jährige ist mittlerweile so stark, dass er an einem guten Tag auch selbst ein Wörtchen um den Festsieg mitreden kann.

Die Kranzfestsaison nimmt an Fahrt auf

Seit die Kranzfestsaison Anfang Mai begonnen hat, nimmt sie nun laufend an Fahrt auf. Bereits an diesem Wochenende steht mit dem Stoos-Schwinget das erste Bergfest auf dem Programm (allerdings ohne Gäste aus der Nordostschweiz). Als Highlight der Schwingsaison aus Nordostschweizer Sicht gilt nebst dem eigenen Teilverbandsfest in Balterswil am 26. Juni vor allem auch das Bergfest auf der Schwägalp (am 14. August). Besondere Bedeutung kommt auch dem Brünig-Schwinget am 31. Juli zu – da dort alle Spitzenschwinger der grössten drei Teilverbände BKSV, ISV und NOSV und damit die Topfavoriten für das ESAF aufeinandertreffen.

Klarer Saisonhöhepunkt ist dann natürlich aber das ESAF selbst. Obwohl bis zu diesem Ende August noch vieles passieren kann, darf bereits jetzt angekündigt werden: Die Chancen auf den ersten Nordostschweizer Königstitel seit Jörg Abderhalden 2007 sind so gross wie lange nicht mehr. Ob einer aus Giger, Orlik, Ott und Co. tatsächlich den grossen Wurf schafft? Klar ist: Es wäre endlich wieder einmal Zeit dafür.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. Juni 2022 06:23
aktualisiert: 11. Juni 2022 06:23
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