Alte Trogenerbahn wird Beiz

Dario Brazerol, 12. April 2018, 05:53 Uhr
Mit 66 Jahren erlebt ein Wagen der Trogenerbahn ihren zweiten Frühling. Im innerrhodischen Wasserauen wird sie zur Beiz umfunktioniert. Transportiert wird sie nicht auf Schienen, sondern per Lastwagen.

«Der Zugwagen wird ein richtiger Eye-Catcher», sagt Melanie Gmünder, die das Bahn-Beizen-Projekt leitet. 27 Tonnen wiegt die alte Lok der Trogenerbahn, die es erst einmal zu transportieren heisst - eine Mammutaufgabe, die Fingerspitzengefühl verlangt. Das kriegen auch die Neubeizer zu spüren. Denn die Lok trifft nicht wie zu erwarten auf Schienen im Bahnhof Wasserauen ein, sondern mit dem Schwertransporter.

20 Kilometer Schwertransport

Grell orange leuchtend ist die alte Lok der Trogenerbahn schon von weitem auszumachen. Sie, die seit 1952 schon etliche Passagiere von A nach B gebracht hat, wird nun selbst chauffiert - mit dem Schwertransporter 20 Kilometer von Speicher bis an den Bahnhof Wasserauen. Dort wird sie nun ihre neue Aufgabe antreten und als Gastwirtschaft fungieren. «Wir haben das Angebot für diese Lok gesehen und uns war schnell klar, dass sie genau das Richtige für Wasserauen wäre», sagt Gmünder.

Hausgemachtes in kleiner Auswahl

Rund 30 Personen werden im Inneren der Lok Platz finden, weitere auf der anschliessenden Terrasse. «Wir wollen den Gästen qualitativ hochwertige Produkte und eine super Atmosphäre bieten, um sie somit zum Verweilen zu animieren.» Die Beizer setzen vor allem auf Hausgemachtes in einer kleineren Auswahl, um die Möglichkeiten der engen Lok-Küche nicht zu sprengen.

Die Hauptzielgruppe der neuen Beiz sind die Wanderer, für welche die Gegend um Wasserauen im Sommer ein Hotspot ist. «Bei schönem Wetter sind beide Parkplätze voll. Den Wanderfreudigen wollen wir mit unserer Lok eine ‹Après-Wandern-Beiz› bieten.»

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Minimale Entgleisung

Mit dem Abladen der Lok ist die Arbeit aber noch nicht getan: «Beleuchtung, Strom- und Wasserleitungen, Küchenbau - es gibt noch einiges zu tun. Sobald sie abgeladen ist, heisst es Vollgas geben», erklärt Gmünder. Unglücklicherweise gibt die Lok aber schon beim Abladen Vollgas. Das Ergebnis ist eine Entgleisung der hinteren Räder. Doch der Lärm ist grösser als der entstandene Schaden und die Experten schaffen es in kurzer Zeit, den Wagon doch noch an seinen vorgesehenen Platz am Fusse des Alpsteins zu schieben.

Dieser Platz sei es auch, der die Atmosphäre der neuen Beiz so speziell mache, sagt Gmünder. «Man muss sich nur mal umschauen - es ist wunderschön hier. Die Lage ist einfach perfekt.» Bis sich die «Après-Wanderer» selbst ein Bild von dieser Lage machen können, müssen sie sich aber noch gedulden. Eröffnet wird die Beiz erst Ende April.

Dario Brazerol
Quelle: dab
veröffentlicht: 12. April 2018 05:53
aktualisiert: 12. April 2018 05:53