Museum Appenzell

«Bääbele» und «Patrönle»: So spielten Kinder im letzten Jahrhundert

19. August 2021, 08:19 Uhr
Himmel und Hölle, «Nööchele» oder «Patrönle» – das Museum Appenzell zeigt in einer neuen Ausstellung, was Kindern im 20. Jahrhundert Spass gemacht hat. Einiges kommt zusammen – von leeren Patronenhülsen bis zum funktionalen Mini-Kochherd.
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Quelle: tvo

Dreirad, Pingpong-Schläger oder Boccia-Kugeln: In der Ausstellung «Kinderglück» im Museum Appenzell findet alles seinen Platz, was im vergangenen Jahrhundert Kinderaugen zum Leuchten brachte. Viele der ausgestellten Spielsachen gibt es auch heute noch – in modernisierter Form. Andere Artefakte, wie leere Patronenhülsen, gehören heutzutage aber bestimmt nicht mehr ins Spielsachen-Repertoire eines Kindes.

Buben «patrönlen», Mädchen «nööchelen»

Das «patrönlen» sei ein Buben-Spiel gewesen, erklärt Martina Obrecht, Kuratorin im Museum Appenzell: «Es war ein spezifisches Spielzeug aus Innerrhoden in den 50er-Jahren.» Beim beliebten Pausenplatz-Spiel wurden vorgängig Patronen aus den Schiessständen gesammelt. Eine Patrone sei dabei mit Blei beschwert und als Wurf-Patrone benutzt worden, mit der man die anderen, leichteren Patronen umkegeln musste.

Was für die Buben das «patrönlen» war, war für die Mädchen das «nööchelen». Bei diesem Spiel galt es, eine Murmel so nah wie nur möglich an eine Wand zu spielen.

Klare Grenzen zwischen den Geschlechtern

Allgemein wurde damals noch viel stärker zwischen Mädchen- und Bubenspielzeug unterschieden. Mädchen nähten für ihre Puppen Kleider oder kochten mit kleinen Backöfen, die mit Kerzen oder elektronisch betrieben wurden. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern hatte für die damalige Zeit einen gewissen Sinn und Zweck, sagt Obrecht: «Die Kinder wurden auf die Welt der Erwachsenen vorbereitet: Mädchen auf den Haushalt, das Kochen oder das Waschen, die Buben auf Technik, Handwerk und Tapferkeit.»

Am Spielzeug hängen viele Emotionen

Viele der ausgestellten Gegenstände wurden dem Museum Appenzell geschenkt. Meist, weil die Besitzer es nicht über das Herz brachten, ihr altes Spielzeug wegzuwerfen. Emotionen wecken die Spielzeuge aber nicht nur bei den Vorbesitzern, sondern auch bei den Besuchern des Museums, sagt Obrecht: «Viele sagen dann: ‹Oh, damit habe ich auch gespielt!›» Diese Erinnerung ans frühere Spielen sei sehr stark. 

Darum ist im Museum Appenzell, in der Ausstellung «Kinderträume» nicht nur schauen erlaubt, sondern auch spielen. Die Ausstellung dauert noch bis im Februar 2022.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. August 2021 21:04
aktualisiert: 19. August 2021 08:19
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