Chläuse läuten neues Jahr zweites Mal ein

Raphael Rohner, 13. Januar 2017, 12:49 Uhr
Seit den frühesten Morgenstunden sind in Ausserrhoden die Silvesterchläuse unterwegs, die den Bauern ein gutes neues Jahr wünschen. Sie trotzen dabei eisigen Schneeschwaden.

«Dä aalt Silvestä isch fö mii näbis vom Schöönste wos git», murmelt ein älterer Bauer mit Tränen in den Augen. Die schönen Silvesterchläuse zauern vor seinem Haus und beglückwünschen ihn zum neuen Jahr. Er lebe seit einigen Jahren allein und die Silvesterchläuse seien alle seine Freunde. Der Schnee hudelt wild vom dunklen Morgenhimmel über den Höfen von Waldstatt und die Silvesterchläuse stapfen bei eisigen Minus-Graden von Hof zu Hof. Es ist Alter Silvester im Kanton Appenzell Ausserrhoden.

Silvesterchlausen als Familienevent

Urchig geht es schon am Morgen um 4 Uhr los bei den Chläusen zuhause. Die ganze Familie Bösch aus Waldstatt ist auf den Beinen, selbst die Kleinsten sind um vier Uhr aufgestanden, um ihren Vater als Silvesterchlaus zu sehen. In der Stube wird gemeinsam gegessen und Kaffee getrunken, gelacht und gesellig über das vergangene Jahr geredet.

Es gibt selber gemachtes Birchermüesli und Wachteleier. Der 10-jährige Sohn verkündet voller Stolz: «Die Eier chönnd vo mine zää Wachtlä woni of de Geburtstag gschenkt öbercho ha - da sönd die beste Eier wos git.» Er selber ziehe erst später mit seinen Schulkollegen los. Sein Vater sei schon über Jahre dabei und Chlausen sei das Beste.

Chlausen gehört einfach dazu

Die acht Männer, welche nicht unterschiedlicher sein könnten, sitzen um den Stubentisch und stimmen sich mit einem Zauer auf das Chlausen ein. Einer des Schuppels ist Doktor, der andere Bauer, ein weiterer Stromer und Zimmermann. Für sie gehört das Chlausen einfach zum Jahr dazu. Nach dem Zauern geht es los: Die Trachten werden angezogen und die Schällen und Glocken umgeschnallt.

Schneesturm war auch schon «verreckter»

Am Schluss ziehen die Männer die schönen Hauben an und schauen skeptisch nach draussen in den mittlerweile stärker gewordenen Schneesturm: «Hoffentlich nimmt es uns nicht um» - «äh - gad nüüd, ischt au scho verreckter gsi.» Es wird gelacht und dann geht das Garagentor auf und die Chläuse tanzen mit lautem Glockengebimmel nach draussen. So ziehen die Chläuse am Alten Silvester von Hof zu Hof und von Beiz zu Beiz, wo sie den Gästen ein frohes Neues wünschen.

Im Appenzellerland wird die Jahreswende zwei Mal gefeiert: Nach dem gregorianischen Kalender am 31. Dezember und nach dem julianischen Kalender am 13. Januar. An diesen Daten ziehen die Silvesterchläuse umher, unter ihnen die Schönen, die Wüesten und die Naturchläuse. Die Schönen verzaubern mit kunstvoll verzierten Kopfbedeckungen. Die Wüesten und die Naturchläuse hingegen setzen auf ein wilderes Kostüm aus Naturelementen. Schon früh morgens beginnen sie ihre Tour und ziehen von Haus zu Haus, später zauern sie in den Wirtschaften.

Wetterfeste Hüte für die Chläuse in Waldstatt

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Raphael Rohner
veröffentlicht: 13. Januar 2017 10:38
aktualisiert: 13. Januar 2017 12:49