Brand in Waldstatt

Degersheimer Feuerwehrmann wird zum Held des Tages

Sarah Lippuner, 28. Dezember 2019, 18:36 Uhr
Zwei Brände an einem Abend – und er mittendrin: Feuerwehrmann Steve Bischof war zu einem Brand in Degersheim unterwegs, als er in Waldstatt einen Stall in Vollbrand erblickte. Er handelte ohne Zögern und holte die zwei Buben aus dem anliegenden Wohnhaus. Danach half er in Degersheim bei den Löscharbeiten.
Feuerwehrmann Steve Bischof war eigentlich auf dem Weg zu einem anderen Brand, als er den brennenden Stall in Waldstatt entdeckte.
© TVO
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«Danke dem Helden» und «Danke für so viel Mut und einen klaren Kopf» – mit solchen Kommentaren wird der unbekannte Autofahrer, der in Waldstatt einen Brand meldete und zwei Kinder aus dem Wohnhaus holte, in den sozialen Medien gefeiert. Nun zeigt der Unbekannte sein Gesicht. Er trägt eine rote Jacke.

«Normalerweise trage ich bei einem Brand einen Schutzanzug und habe Wasser dabei.» Steve Bischof war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Der Oberkommandant der Feuerwehr Degersheim war zu einem Fassadenbrand (FM1Today berichtete) unterwegs nach Degersheim, als er bei Waldstatt auf einmal einen Stall in Flammen sah. «Ich war im Auto mit meiner Frau und meinem Sohn, als wir die Flammen sahen. Sie schlugen bereits bis drei Meter aus dem Stalldach empor. Wir sahen noch keine Feuerwehr vor Ort und hofften nur, dass keine Tiere im Stall sind», sagt er im Interview mit TVO.

Quelle: TVO

«Wir haben sofort Sturm geläutet»

Der 38-jährige Familienvater aus Degersheim handelte ohne zu überlegen und alarmierte die Feuerwehr. Während er telefonierte, hielt eine weitere Autofahrerin an und verschaffte sich einen Überblick. Sie machte ihn auf das brennende Licht im Wohnhaus nebenan aufmerksam. «Gemeinsam gingen wir zum Haus uns läuteten Sturm. Schliesslich schaute ein Bub heraus und sah das Feuer. Er holte seinen Bruder und wir brachten uns in Sicherheit.» 

Das schnelle Reagieren der beiden hat womöglich eine grössere Katastrophe verhindert. Die beiden Buben im Alter von 10 und 13 Jahren waren alleine zuhause und haben nichts vom Feuer mitbekommen. «Die Buben wirkten sehr sicher und nicht ängstlich. Wir haben ihnen dann gesagt, sie sollen ihre Eltern anrufen.» Der Vater war noch bei der Arbeit und die Mutter wollte nur kurz auf einen Spaziergang.

«Als wir mit den Kindern nach Draussen kamen, waren bereits einige Einsatzkräfte der Feuerwehr vor Ort und dann ging alles sehr schnell», sagt Bischof. Rund 90 Einsatzkräfte brachten das Feuer unter Kontrolle, das Wohnhaus nebenan blieb unbeschädigt. Da im Stall keine Tiere waren, kam niemand zu Schaden. 

«Ich fühle mich nicht als Held»

Für andere wäre dieses Erlebnis genug für einen Abend. Nicht für Steve Bischof. «Nachdem die Feuerwehrleute übernahmen, fuhr ich nach Degersheim. Dort waren wir bis 23 Uhr mit dem Fassadenbrand beschäftigt, danach hielt ich nachts noch Brandwache, ich habe also nicht viel geschlafen», sagt er und schmunzelt. 

Zwei gute Taten an einem Abend – fällt man danach als Held ins Bett? «Ich fühle mich nicht als Held, als Feuerwehrmann gehört das dazu, und zur Zivilcourage sowieso. Nachdem ich nach einer Dusche todmüde ins Bett gefallen bin, dachte ich natürlich an die Familien und ihren Verlust. Aber vor allem war ich froh, dass keine Leute verletzt wurden.»  

 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 28. Dezember 2019 17:32
aktualisiert: 28. Dezember 2019 18:36