«Es war nicht seine erste Schiesserei»

Raphael Rohner, 4. Januar 2017, 08:07 Uhr
Der 33-Jährige Roger S.(†), der gestern auf zwei Polizisten geschossen hat, war der Staatsanwaltschaft bekannt. Er war im Jahr 2003 bereits in eine Schiesserei verwickelt. Damals schoss er mit einer Schrotflinte auf drei Männer.

«Am Anfang war Roger S.* kooperativ und geständig», sagte Kurt Lutz, Chef der Regionalpolizei des Kantons Appenzell Ausserrhoden an der Medienkonferenz. Der Täter sei am Morgen auf dem Polizeiposten erschienen - niemand hatte ein schlechtes Gefühl und der Verdächtigte habe sich offen verhalten. Auch eine Waffe trug er nicht bei sich: «Die Beamten haben den Mann visitiert - heisst, dass sie ihn auf jegliche gefährlichen Gegenstände abgesucht haben - dabei wurden sie nicht fündig», erklärt der Kommandant der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden, Reto Cavelti.

Täter schoss zwei Polizisten nieder

Als die Hausdurchsuchung abgeschlossen war, zückte der 33-jährige Roger S. eine Handfeuerwaffe und schoss die beiden Beamten nieder. «Ein Polizist wurde dabei im Bereich der Beine verletzt und der andere erlitt einen Herz-Steckschuss», sagt Cavelti während der Pressekonferenz. Mehrmals stockt dem gestandenen Kommandanten dabei der Atem, er ist den Tränen nahe.

Er wollte noch mit seinem Vater telefonieren

Der Mann flüchtete dann bewaffnet an einen unbekannten Ort und wurde an seinem neuen Standort von der Polizei umstellt. Einige seiner gestellten Forderungen wurden von der Polizei erfüllt. So wollte er mit einem Natel seinen Vater anrufen, was er dann auch tat. Er erschoss sich kurz bevor das Haus gestürmt wurde.

Mehrere Facebook-Profile und selbstständig

Der Täter hatte mehrere Facebook-Profile, mit jeweils rund 30 unterschiedlichen Freunden und ist im Handelsregister als selbstständig erwerbstätig registriert. Dem zuständigen Staatsanwalt Bruno Werlen zufolge war der Täter vorbestraft.  Unter anderen wegen einer Schiesserei im Jahr 2003: Der Täter wurde 2004 verurteilt wegen versuchter Tötung, mehrfacher schwerer Körperverletzung und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz. Damals ging er mit einer Schrotflinte auf zwei Männer los. Grund für den Ausraster war seine damalige Ex-Freundin. Er verletzte dabei drei Menschen, darunter auch ein unschuldiger Velofahrer.

Als junger Erwachsener, so Werlen, sei er zwar verurteilt worden, aber einzig zu einer sogenannten Massnahme, also nicht zu einer Freiheitsstrafe. Bis zum Jahr 2009 befand er sich im Basler Massnahmenzentrum Arxhof und war bis im Jahr 2012 auf Bewährung.

*= Name de Redaktion bekannt

(rar)

 

Raphael Rohner
veröffentlicht: 3. Januar 2017 23:20
aktualisiert: 4. Januar 2017 08:07