#machsefach

Geschenkter Zopf für Seealpsee-Besuch: «Die Leute zu mehr Bewegung animieren»

Fabienne Engbers, 2. Oktober 2020, 10:13 Uhr
Er selbst hat den Seealpsee dieses Jahr schon 60 Mal umrundet und will auch andere zur Tour um das Appenzeller Wahrzeichen animieren. Deshalb schenkt Matthias Dörig jedem einen Zopf, der einen Zettel in seinen Breifkasten beim Seealpsee einwirft.

«Einige halten mich für verrückt und schütteln den Kopf oder belächeln mich, wenn ich ihnen erzähle, dass ich Zöpfe verschenke. Aber das stört mich nicht, ich bin halt nicht ganz normal», sagt Matthias Dörig und lacht. Mehr als hundert Zöpfe wird er Anfang November backen und verschenken. «Für jeden Zettel im Briefkasten am Seealpsee einen.» Gegenleistung will er dafür keine.

«Die Leute sollen die Natur und Bewegung wieder schätzen»

Am 1. April hat er den Briefkasten zum Seealpsee hochgetragen und installiert. Mehr als hundert Zettel haben seitdem den Weg durch den Briefschlitz gefunden. Mit seiner Aktion unter dem Hashtag #machsefach und dem Namen Mindway will Matthias Dörig die Leute dazu anspornen, sich wieder mehr zu bewegen.

An dieser Alp hat Matthias Dörig seinen Briefkasten am 1. April montiert.

© zVg

«Ich habe das Gefühl, unserer Gesellschaft fehlt manchmal ein wenig Durchhaltevermögen. Oft fangen die Leute etwas an, aber führen es dann nicht zu Ende», sagt der 35-Jährige. Matthias Dörig will diejenigen belohnen, die sich ein Ziel setzen – den Seealpsee – und dieses auch erreichen. «Ein Freund von mir ist mit 35 Jahren beispielsweise das erste Mal zum Seealpsee hochgelaufen.»

Matthias Dörig ist in seiner Freizeit oft und gerne im Alpstein unterwegs und will andere dazu animieren, mehr an die frische Luft zu gehen.

© zVg

Schon 60 Mal um den Seealpsee

Dabei geht es ihm persönlich nicht darum, wie schnell man ist oder wie oft man die Strecke zurücklegt. «Egal, ob man rennt oder einen gemütlichen Spaziergang macht, noch im Restaurant einkehrt oder eine Abkühlung im See geniesst – jeder darf mitmachen.»

Den Briefkasten leert Dörig bei seinen Runden; bereits 60 Mal ist er dieses Jahr zum Seealpsee und rundherum gelaufen.

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Bis Ende Oktober dürften noch ein paar mehr Besuche hinzukommen. «Am schönsten finde ich es, wenn man am Abend grilliert und dann den Sternenhimmel im Alpstein sehen kann.» Auch Regentage faszinieren ihn. «Die Regentropfen auf der Seeoberfläche sind wahnsinnig schön.»

«Geld macht nicht glücklich»

Schon seit Jahren backt Dörig Zöpfe, um anderen eine Freude zu machen oder für eine Gegenleistung. «Angefangen habe ich damit auf meiner Weltreise, in Asien. Die Zutaten für einen Zopf gibt es auf der ganzen Welt. Im Gegenzug bekam ich oft Einladungen zum Essen, Angebote für Schlafplätze oder einfach ein nettes Wort.»

Auch zurück in der Schweiz backt der 35-Jährige weiter. «Ich habe gelernt, dass Geld nicht glücklich macht. Freundschaften und Bekanntschaften sind für mich viel wertvoller und diese kann ich so pflegen und aufbauen.» Die Zöpfe zu backen, ist – nebst der Natur – sein Hobby, beruflich ist Matthias Dörig gelernter Landmaschinenmechaniker und zurzeit im Aussendienst tätig. «Meine Zöpfe sind sicherlich nicht perfekt, vor allem am Optischen arbeite ich noch», sagt er und lacht. «Es geht ja aber auch vor allem darum, den Leuten eine Freude zu machen.»

Zöpfeln sei noch nicht seine Stärke, sagt Matthias Dörig. Geschmacklich sind seine Zöpfe aber sehr fein.

© zVg

Mindway-Briefkästen in der ganzen Schweiz?

Noch bis Ende Oktober steht der Briefkasten am hinteren Ende des Seealpsees, dann wird ihn Matthias Dörig wieder abbauen. Warum er ausgerechnet den Seealpsee ausgewählt hat? «Das weiss ich auch nicht genau. Ich bin gerne dort und es ist ein Ort, an dem viele vorbeikommen.» Dieses Jahr wird er wohl allen, die einen Zettel eingeworfen haben, einen Zopf backen. Wie die Auslieferung quer durch die ganz Schweiz vonstatten gehen wird, das weiss er noch nicht.

Auch für den kommenden Sommer hat der 35-Jährige eine Vision. «Ich suche Leute, welche die Briefkästen bei ihnen zu Hause aufhängen würden. Ich kann mir vorstellen, die Aktion in der ganzen Schweiz durchzuführen.» Ob er dann auch für jeden einen Zopf backen würde? «Das wäre dann wohl zu viel, dann würde ich die Gewinner auslosen.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 3. Oktober 2020 19:31
aktualisiert: 2. Oktober 2020 10:13