Herisau

«Hochgradig enttäuschend»: Wie Cilander mit der geplanten Schliessung umgeht

26.01.2024, 19:34 Uhr
· Online seit 26.01.2024, 19:00 Uhr
190 Mitarbeitende an den Standorten Herisau, Flawil und Lützelflüh im Kanton Bern wären von der Schliessung der Cilander Ende August betroffen. Jetzt sprechen der CEO und der Herisauer Gemeindepräsident.

Quelle: TVO

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Das Herisauer Textilunternehmen Cilander hat seine Mitarbeitenden am Donnerstag darüber informiert, dass eine «wirtschaftliche Fortführung der Firma in Frage gestellt» wird. Insgesamt wären 190 Mitarbeitende von einer «Einstellung der Geschäftstätigkeit» per Ende August betroffen.

Emotionale Zeit

«Wir sind alle sehr emotional. Seit vielen Jahren haben wir gekämpft und die Mitarbeitenden mussten sehr viel mitmachen und ertragen», sagt Burghard Schneider, CEO der Cilander, einen Tag nach der dicken Post. «Wir haben an vielen anderen Auswegen gearbeitet», so Schneider. Doch «am Ende des Tages» sei man von der Kosten- und der Marktsituation erschlagen worden.

Billigversand statt Qualität

Cilander stellt zum einen Gewebebänder für Schleifmittel her, welche in die Möbel- und Holzindustrie gehen: «Beide Industrien haben 2023 massiv nach unten tendiert, was uns als Zulieferer direkt betroffen hat.» Ein anderer Bereich seien die Hemden. Jedoch musste laut Schneider festgestellt werden, dass der Markt seit letztem Jahr ganz anders reagiert, als er dies in der Vergangenheit getan hat.

«Der Markt spricht von Nachhaltigkeit, Verkürzung der Lieferketten und Social Compliance – der sozialen Verantwortung bei der Produktion –, doch er agiert nicht so», sagt Schneider und ergänzt: «Der Kunde kauft nicht mehr qualitätsgetrieben, sondern fragt sich, welcher Influencer hatte dieses Hemd schon an.»

Auch sehr günstige Hemden von beispielsweise Temu würden lieber bestellt, da diese in wenigen Tagen ankommen: «Ob da Nachhaltigkeit, Abwasserbehandlung, kurze Lieferketten oder Social Compliance gewährleistet ist, stelle ich in Frage.» Laut Schneider spreche man gerne von diesen Themen, doch sobald es ans Eingemachte gehe, interessiere es viele Leute nicht mehr. Dies sei «hochgradig enttäuschend». Auch die Währung habe einen grossen Teil beigetragen.

Bis im Februar läuft nun das Konsultationsverfahren. Dass im Sommer aber das letzte Stündchen der Cilander geschlagen hat, sei realistisch – auch, weil ein Verkauf bis dato nicht funktioniert hat.

Schneider will für seine Mitarbeitenden aber eine Lanze brechen und dafür sorgen, dass diese anschliessend gut untergebracht werden. Mit Hilfe beim Lebenslauf schreiben oder Umschulungen möchte er ihnen «etwas Gutes tun», bevor dann – voraussichtlich im Sommer – die Schliessung kommt.

«Schluckt man nicht einfach so»

Max Eugster, Gemeindepräsident von Herisau, sagt: «Trotz grossen Anstrengungen hat die Cilander den Kampf aufgegeben. Das macht betroffen.» Die Gemeinde habe natürlich auch ein Interesse daran, dass es den Betrieben gut gehe – dies erhalte Arbeitsplätze.

Der Gemeindepräsident habe die Entwicklung der Textilbranche in den letzten Jahren mitverfolgt: «Man konnte sich denken, dass das keine einfache Sache ist.» Mit der Cilander geht nun bald der letzte grosse Textilbetrieb in Herisau zu: «Das schluckt man nicht einfach so», so Eugster.

Bei der Gemeinde hoffe man auf die bestmögliche Lösung für die Mitarbeitenden. Für konkrete Lösungen seitens der Gemeinde sei es aber noch zu früh. Da im Kanton Appenzell Ausserrhoden die Steuern vom Kanton eingezogen werden und die Gemeinden keine Einsicht haben, lasse sich noch nichts über ein allfälliges Loch in der Kasse abschätzen. «Aber es wird bestimmt einen Einfluss haben», so Eugster.

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veröffentlicht: 26. Januar 2024 19:00
aktualisiert: 26. Januar 2024 19:34
Quelle: FM1Today

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