Seealpsee

«Im ganzen Alpstein können sich Lawinen lösen»

28. September 2020, 19:24 Uhr
Am Sonntag wurde eine 19-Jährige oberhalb des Seealpsees von einer Lawine rund einen Meter tief begraben. Die Rega konnte die Frau befreien. Derzeit bestehe vor allem in höheren und exponierten Lagen im ganzen Alpstein die Gefahr vor Lawinen.

«Es wäre unverhältnismässig, alle Wanderwege über 1500 Metern zu sperren», sagt Sepp Manser, Wirt der Meglisalp und Wanderwegverantwortlicher im Alpstein. Derzeit gebe es im Alpstein Schneeverfrachtungen von bis zu einem Meter. «Durch den warmen Boden kann der Schnee abrutschen. Nicht nur auf dem Wanderweg oberhalb des Seealpsees – überall im Alpstein oberhalb von 1500 Metern können sich Lawinen lösen.»

Manser appelliert an Eigenverantwortung

Vor allem an exponierten Lagen sollen die Wanderer vorsichtig sein. «Die Alpinisten, die oft im Alpstein unterwegs sind, sind sich der Gefahren bewusst. Alle anderen sollten sich vorher über die Situation auf den Wanderwegen informieren.» Das können Ausflügler beispielsweise bei Appenzellerland Tourismus oder in verschiedenen Berggasthäusern. «Die Eigenverantwortung wird hoch eingestuft.»

Im Allgemeinen seien vergangenes Wochenende nur wenig Berggänger in höheren Lagen unterwegs gewesen. «Wir hatten in der Meglisalp einen Gast, vier sind vorbei gelaufen», sagt Manser. Dass es bereits im September so viel Schnee hat, komme immer wieder einmal vor. «Speziell war, dass es am Sonntag so stark gewindet und dadurch Schneeverfrachtungen gegeben hat.»

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Quelle: tvo

«Es ist nie totsicher in den Bergen»

Es sei immer gefährlich, wenn es schneebedeckt ist, sagt auch Guido Buob, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus. «Viele wissen ausserdem nicht, dass die gelben Wanderweg-Markierungen nur bei schneefreien Böden gelten.» Bei Schnee können sich die Wanderer nicht auf die Markierungen verlassen.

Er selbst sei am Wochenende nicht in den Bergen unterwegs gewesen: «Wenn es Schnee hat, dann gehe ich nicht in diese Höhenlagen.» Vielen im Tal sei dies aber nicht so bewusst. «Im Frühling erleben wir es manchmal, dass die Menschen aus der Bodenseeregion nicht wissen, dass in den Bergen noch Schnee liegt, weil es im Tal grün ist. Dafür veröffentlichen wir jeweils die Schneesituation im Alpstein», sagt Buob. Ansonsten könne nicht viel getan werden. «Wir können nicht den Zugang zum Alpstein sperren. In den Bergen ist es nie totsicher.»

«Es ist dort gefährlich, wo man abstürzen kann»

Gemäss Benjamin Zweifel, Lawinenprognostiker am Institut für Schnee und Lawinenforschung SLF in Davos, kann es derzeit überall in der Schweiz in exponiertem Gelände einen Schneerutsch geben. «Diese Gefahr wird vermutlich noch einige Tage andauern.» Weil die Sonne im Herbst nicht mehr sehr hoch steht, bleibe der Schnee derzeit länger liegen.

«Es sind vor allem kleine Lawinen, die sich lösen können. Es ist dort gefährlich, wo man mit der Lawine abstürzen kann.» Auch Benjamin Zweifel empfiehlt den Wanderern, vermehrt in flachem Gelände unterwegs zu sein und steiles Gelände zu meiden.

Zwischen der Altenalp und Ebenalp im Alpstein oberhalb des Seealpsees löste sich am Sonntag eine Lawine und begrub eine 19-Jährige unter sich, FM1Today berichtete. Die Frau konnte von der Rega lokalisiert und nach rund 30 Minuten unter den Schneemassen befreit werden.

(abl)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 28. September 2020 18:58
aktualisiert: 28. September 2020 19:24