Ostschweiz
Appenzellerland

Nach Hunde-Absturz im Alpstein: Jetzt spricht der Halter von Ayla

Nach Absturz im Alpstein

«Granatenmässigen Fehler gemacht» – jetzt spricht der Hundehalter von Ayla

09.07.2024, 12:06 Uhr
· Online seit 08.07.2024, 19:51 Uhr
Es ist eine aussergewöhnliche Geschichte, die sich Ende Juni auf dem Weg vom Säntis hinunter zur Schwägalp zugetragen hat. Jetzt spricht Hundehalter Thomas vom Absturz seiner Hündin, dem damit einhergehenden Schock, seinen Fehlern und seiner Erleichterung.

Quelle: TVO

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Ein deutscher Wanderer war im Alpstein mit seiner Hündin unterwegs, welche vor seinen Augen abgestürzt war. Es schien so, als wäre es der Tod seiner Schäferhündin Ayla. Doch die Geschichte nimmt ein glückliches und lehrreiches Ende.

Aber von vorne: Anlässlich seines 61. Geburtstags unternahm Thomas aus Baden-Württemberg eine Wanderung im Alpstein. Immerhin seien die Schweizer an Geburtstagen sehr grosszügig mit den Bergbahnpreisen, sagt er im Interview. «Ich fuhr mit der Gondel auf den Säntis und wollte entspannt hinunterlaufen. Ausgerüstet mit Steigeisen und festem Schuhwerk. Zwischendurch begegneten uns Gämse und Murmeli, was Ayla überhaupt nicht interessierte. Sie war immer schön bei mir», schildert der 61-Jährige seinen Ausflug.

«Ich war wie in Trance»

Kurz nach dem «Öhrli» bei den «Nasenlöchern» sei es dann zu dem Unglück gekommen. Dort habe die Hündin bei einem Schneefeld eine Schnauze voll Schnee genommen. «Sie begann mit dem Schnee zu spielen. Dann überschlug sie sich und stürzte das Schneefeld hinunter über einen Felsvorsprung», sagt der Süddeutsche weiter. Im ersten Moment wollte er ihr folgen, dann wurde ihm die Gefahr bewusst und er suchte Ayla mit seinem Fernglas.

Seine Rufe und Pfiffe seien erfolglos geblieben. «Sie hob weder ihren Kopf noch reagierte sie irgendwie darauf. Ab diesem Moment war für mich klar, dass sie diesen Sturz nicht überlebt hat.» Er begab sich auf den Abstieg, der auch für ihn selbst mental und körperlich zu einer Herausforderung wurde. Immer wieder warf er dabei mit seinem Fernglas einen Blick zurück auf die Absturzstelle und seinen Hund. Schliesslich habe er es selbst mit letzten Kräften und Hilfe von anderen Wanderern bis zur Schwägalp geschafft.

Bei der Talstation der Seilbahn angekommen, habe er seine Visitenkarte in den Briefkasten geworfen, mit dem Hinweis zum Absturz. «Ich war wie in Trance.» Immerhin betreibe er eine Hundeschule, wo Ayla seine rechte Hand sei, wie ein Familienmitglied. Noch am selben Abend fuhr Thomas zurück nach Deutschland. «Ich wollte nur noch nach Hause. Erst am nächsten Tag realisierte ich, was genau passiert ist.»

Emotionaler Ausnahmezustand

In den kommenden Tagen habe er hin und her überlegt, ob und wen er anrufen könnte. Überzeugt davon, dass Ayla tot sei, habe er schliesslich davon abgesehen. Wieso er nicht doch angerufen habe, das könne er momentan selbst nicht ganz begreifen. Umso grösser war bei ihm die Überraschung, als er den Anruf der Kapo Appenzell Innerrhoden erhalten hat. «Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.»

So viel steht fest: Dass sein Tier einen derart grossen Einsatz auslösen würde, damit habe der 61-Jährige nicht gerechnet. Die Hündin wurde nämlich eine Woche nach der Wanderung im Gebiet vom Säntis in unwegsamem Gelände gesichtet und gerettet. Nebst der Bergung der Schäferhündin suchten die Alpine Rettung und die Rega nach ihrem Besitzer.

«Es zeigt mir, welchen granatenmässigen Fehler ich gemacht habe, indem ich nicht die Kantonspolizei informiert habe», gesteht Thomas. Er habe in einem emotionalen Ausnahmezustand nicht richtig reagiert, sei zu wenig aktiv gewesen. Diesen Vorwurf müsse es sich nun machen.

Die Polizei sagt zum Verhalten von Thomas: «Der Tierhalter hat richtig reagiert, indem er den Fall bei der Talstation gemeldet und sein Tier an der Leine geführt hat. Im Schock und mit den Emotionen hat er aber vergessen, das Geschehene der Polizei zu melden», so Stefani Koller, Mediensprecherin Kapo Appenzell Innerrhoden. In einem solchen Fall sei eine Meldung bei der Polizei immer sinnvoll. Sie spricht von einer Verkettung von unglücklichen Umständen, die zu all dem geführt hätten.

«Vögeliwohl» nach acht Tagen in der Wildnis

Es sei ihm ein Rätsel, wie Ayla die acht Tage in den Bergen überstanden habe. Momentan mache die dreijährige Hündin einen gesunden Eindruck, sie sei «vögeliwohl». «Sie ist zwar relativ abgemagert, aber ihr Fell war nicht schmutzig. Und Trinken hat sie ja wohl gefunden, damit sie überlebt.»

Auf den ersten Blick sei sie mit ein paar Schrammen an der Schnauze und an den Hinterbeinen davongekommen. Bei einem Tierarzt wird sie sich nun noch einem Rundum-Check unterziehen müssen. Zudem geht Thomas davon aus, dass Ayla nach dem Sturz ohnmächtig war.

«Saumässig viel Glück»

Welche Kosten durch die Suchaktion nun auf Thomas zukommen, wisse er noch nicht. «Ich werde auf jeden Fall mit der Rega Kontakt aufnehmen.»

Aus der ganzen Geschichte und seinen «Fehlern» habe er vieles gelernt. Im Nachhinein würde er in einer ähnlichen Situation versuchen, einen klaren Kopf zu bewahren und professionelle Hilfe suchen. Und nicht mehr so «unkoordiniert» zu handeln. «Trotz Selbstzweifel, die jetzt aufkommen, haben wir insgesamt saumässig viel Glück gehabt», so Thomas. Abschliessend zieht er seinen Hut vor den Einsatzkräften. Wie sie reagiert und ihn und Ayla trotz seiner Fehler betreut hätten, sei erstklassig und beispielhaft.

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veröffentlicht: 8. Juli 2024 19:51
aktualisiert: 9. Juli 2024 12:06
Quelle: FM1Today

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