Drachenwurz

«Sie stinkt»: Mitten in Herisau wächst eine spezielle Pflanze

27. Juni 2022, 14:50 Uhr
In Herisau liegt ein beissender Geruch nach Verwesung in der Luft. Schuld daran ist die Gemeine Drachenwurz von Hanspeter Näf. Dabei dürfte die aussergewöhnliche Pflanze gar nicht in unseren Breitengraden wachsen.
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Quelle: zVg/FM1Today/Nico Conzett/Noah Hartmann

«Ich habe grosse Freude, dass die Blume endlich blüht», sagt Hanspeter Näf und zeigt stolz auf seine Pflanze. Vor gut zwei Jahren vergrub der Herisauer drei Drachenwurz-Knollen, nun hat sich daraus eine prächtige Blüte entwickelt.

Nachbarn kommen vorbei und bewundern Pflanze

Eine Gemeine Drachenwurz im Appenzellerland ist ein kleines Naturspektakel. Noch vor ein paar Jahren wäre das undenkbar gewesen. Denn eigentlich wächst die Pflanze nur in wärmeren Regionen wie am Mittelmeer oder auf dem Balkan.

«Meine Nachbarn haben sich sehr über die Blüte gewundert», sagt Näf. Aus dem ganzen Dorf seien Schaulustige vorbeigekommen. «Die Pflanze blüht nur einen Tag lang, danach ist alles schon wieder vorbei, deshalb wollten so viele kommen.» Ausserdem habe wahrscheinlich der Geruch, den die Blüte absondert, viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. «Die Blume stinkt wirklich sehr nach Verwesung», erklärt der Hobbygärtner. Die grosse Aufmerksamkeit sei aber nie das Ziel gewesen. Er habe die Drachenwurz schlicht als Experiment gepflanzt und gehofft, dass sie sich gut entwickle.

Drachenwurz als Beispiel für Klimawandel

«Eigentlich dürfte die Gemeine Drachenwurz nicht in unseren Breitengraden wachsen», sagt Othmar Ziswiler, Leiter Gärtnerischer Detailhandel von Jardin Suisse. Deshalb sei der Fund etwas sehr Aussergewöhnliches. «Die Sichtung passt aber perfekt zum Trend, den wir schon etwas länger beobachten», so Ziswiler. In der Schweizer Alpenregion komme es immer mehr vor, dass sich Pflanzen aus wärmeren Regionen ansiedeln. «Früher wäre es zum Beispiel undenkbar gewesen, dass Hanfpalmen in unseren Gärten wachsen, mittlerweile geht das aber gut.»

Laut Experte Ziswiler steckt hinter dieser Entwicklung eine Mischung aus Klimawandel und aussergewöhnlich milden Wintern. «Diese Mittelmeerpflanzen erfrieren schlicht nicht mehr», sagt er.

Hoffen auf weitere Blüten

Auf dem Hof von Hanspeter Näf könnte sich das Naturspektakel in den nächsten Tagen wiederholen. «Ich habe noch zwei weitere Drachenwurz, die vielleicht auch noch blühen», sagt Näf. Deshalb schenke er den Pflanzen aktuell besonders viel Aufmerksamkeit.

(noh)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 25. Juni 2022 12:05
aktualisiert: 27. Juni 2022 14:50
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