Coronavirus

Sieben Fälle in Innerrhoden – «es geht explosionsartig weiter»

Laurien Gschwend, 18. März 2020, 10:45 Uhr
Roland Inauen, regierender Landammann in Appenzell Innerrhoden, spricht vor den Medien.
© FM1Today
Am 18. März 1560 brannte in Appenzell das gesamte Dorf nieder, 460 Jahre später informierte die Innerrhoder Regierung über die aktuelle Coronavirus-Lage im Kanton. Diesmal sei es möglich, den «Brand» in den Griff zu kriegen.

Die Innerrhoder Regierung hat am Mittwoch zum ersten Mal seit Ausbreitung des Coronavirus in der Schweiz über die Gesundheitskrise informiert. Just an dem Tag, an dem vor 460 Jahren das ganze Dorf niederbrannte. Mittags um 13 Uhr fing eine Bäckerei an zu brennen, begünstigt durch einen Föhnsturm war zwei Stunden später das ganze Dorf in Schutt und Asche. «Eine riesige Katastrophe», sagt der regierende Landammann Roland Inauen.

«Brand mit banalen Regeln bekämpfen»

Den aktuellen «Brand» könne man mit Disziplin aber bewerkstelligen, sagt Inauen – und appelliert an die Bevölkerung, sich an die Hygienemassnahmen des Bundes zu halten. «Es ist heute zwar ein globaler Brand, der nicht nur das Dorf betrifft. Aber wir können ihn mit absolut banalen Regeln bekämpfen.»

In Appenzell Innerrhoden gibt es, Stand Mittwochmorgen, sieben Coronavirus-Fälle. Fünf Erkrankte leben im Kanton, zwei arbeiten bei der Innerrhoder Verwaltung und wohnen ausserhalb. «Am Samstagmorgen hatten wir noch keinen einzigen Fall, es geht nun explosionsartig weiter», so Inauen.

Das Spital Appenzell bereitet sich laut Gesundheitsdirektorin Antonia Fässler auf einen Anstieg der Fälle vor. Schwerkranke müssen allerdings in Herisau oder St.Gallen gepflegt werden, da es in Appenzell keine Intensivbetten mit Beatmungsgeräten gibt. Medizinisches Personal soll sich melden, um bei Engpässen einzuspringen.

Dreieinhalb Millionen Franken für Härtefälle

Die Innerrhoder Verwaltung hat auf Pandemiebetrieb umgestellt. Der kantonale Führungsstab wird von der Armee und vom Zivilschutz unterstützt. Volkswirtschaftsdirektor Roland Dähler verspricht Unternehmen in einer existenziellen Notlage, sie nicht im Stich zu lassen. Als Massnahmen werden Kurzarbeit, eine Überbrückung von Liquiditätsengpässen und dreieinhalb Millionen Franken Soforthilfe für Härtefälle eingesetzt. «Niemand soll jetzt überstürzt Leute entlassen, später brauchen wir diese Mitarbeiter wieder», sagt Dähler.

Ungefähr 30 Kinder werden in Appenzell Innerrhoden in den Schulen betreut, weil ihre Eltern arbeiten müssen. Der Kinderhort an der Gaiserstrasse bleibt geöffnet und verfügt noch über freie Plätze. Ab morgen Donnerstag werden die Gymnasiasten online unterrichtet.

Alle weiteren Informationen zur internationalen und nationalen Coronavirus-Situation findet ihr im jeweiligen Ticker.

Die Medienkonferenz zum Nachlesen:

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. März 2020 08:47
aktualisiert: 18. März 2020 10:45