Appenzell Ausserrhoden

Spital Heiden wird geschlossen: 130 Leute verlieren ihren Job

26. April 2021, 17:34 Uhr
Der SVAR verzeichnete 2020 ein finanzielles Defizit von 7,2 Millionen Franken.
© Tagblatt
Das Spital Heiden wird per Ende 2021 geschlossen. Gründe dafür sind finanzielle Defizite sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie. 130 Personen werden ihre Anstellung verlieren.

«Der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden hat sich in den letzten Jahren trotz aller Anstrengungen unzureichend entwickelt», heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung des Kantons Appenzell Ausserrhoden und des Spitalverbunds. Nach «sorgfältigem Abwägen» habe der Verwaltungsrat dem Regierungsrat die Schliessung des Spitals Heiden per Ende Jahr beantragt.

«Eine Spitalschliessung ist nie schön», sagt Yves Noël Balmer, Regierungsrat und Gesundheitschef von Appenzell Ausserrhoden. «Ohne die Schliessung wäre das Eigenkapital des Verbunds in vier Jahren allerdings auf null gewesen.» Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung hätten in den letzten Jahren viel versucht, um das Spital am Leben zu halten. «Jetzt konnte dieser Entscheid aber nicht mehr aufgeschoben werden.»

180 Personen sind betroffen

Die Mitarbeitenden des Spitals Heiden seien am Montag über die Schliessung informiert worden. 180 Personen sind betroffen, 130 werden ihre Stelle voraussichtlich verlieren. «Für die betroffenen Mitarbeitenden hat die Geschäftsleitung ein umfassendes Massnahmenpaket geschnürt. So wurde bereits Kontakt mit den Sozialpartnern aufgenommen, mit welchen ein Sozialplan verhandelt wird.» Ausserdem will der Spitalverbund seine Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Stelle anbieten.

«Ab sofort werden Einzelgespräche mit den betroffenen Mitarbeitenden geführt», sagt Paola Giuliani, CEO des Verbunds. Lernende und Praktikanten sollen ihre Ausbildung innerhalb des SVAR abschliessen können. Trotz dieser Unterstützung für die Mitarbeitenden spricht auch Giuliani von einem «schwierigen Tag»: «Das ganze Personal in Heiden hat enorm viel gemacht, um das Spital auf gesunde Beine zu bringen. Ich muss aber der Realität ins Auge schauen. Es ist hart und es tut mir wahnsinnig leid für die Mitarbeitenden. Aber es ist unausweichlich.»

Verbände bedauern Schliessung

Der Berufsverband der Pflegefachpersonen ist schockiert über das plötzliche Aus des Spitals Heiden, wie es in einer Mitteilung heisst. «Bereits bei der Abstimmung über das Spitalverbundgesetz im 2018 haben wir die Befürchtungen über eine Spitalschliessung in Heiden geäussert», sagt die Präsidentin der Schweizer Berufsverbandes der Pflegefachpersonen, Barbara Dätwyler Weber. «Wir bedauern sehr, dass nun die ernüchternde Realität eingetroffen ist und zahlreiche langjährige Personen ihren wohnortsnahen Arbeitsplatz verlieren werden.»

Ähnlich bestürzt ist der Schweizerische Verband des Personals öffentlicher Dienste. «Dass mit dem Spital Heiden eine weitere Ausbildungsstätte für Gesundheitspersonal wegfällt, ist dramatisch. Bereits jetzt sind über 10'000 Stellen in der Schweiz im Gesundheitsbereich nicht besetzt. In dieser Zeit einen Ausbildungsort zu schliessen, ist falsch.»

Rettungsdienst bleibt bestehen

Aufgrund des tiefen Eigenkapitals und des Defizits von 7,2 Millionen Franken im letzten Jahr ist der ganze Verband gefährdet, zu welchem neben dem Spital Heiden das Spital Herisau sowie das psychiatrische Zentrum gehören. Auf diese beiden Einrichtungen sollen sich künftig die Leistungen des SVAR konzentrieren, wie es heisst.

Gründe für das finanzielle Defizit seien verschärfte externe Rahmenbedingungen wie die angeordnete Verschiebung von Behandlungen vom stationären in den ambulanten Bereich, Mindestfallzahlen und die ungünstige Entwicklung der Tarife in der Akutsomatik und der Psychiatrie. Ausserdem habe die Corona-Pandemie in Kombination mit den nicht kostendeckenden Tarifen zu einer Verschärfung der finanziellen Schwierigkeiten gesorgt.

Ausgenommen von der Schliessung ist der vom SVAR in Heiden betriebene Rettungsdienst. Damit soll sichergestellt werden, dass die Notfallversorgung auch in Zukunft gewährleistet sein wird.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 26. April 2021 13:59
aktualisiert: 26. April 2021 17:34