Alpstein

Stau in Wasserauen – «Wanderer reisen vermehrt mit Auto an»

Nico Conzett, 15. September 2020, 08:21 Uhr
Am Wochenende standen die Autos vor dem Parkplatz in Wasserauen wieder einmal Schlange. Eine grössere Anzahl als sonst sei es aber nicht, heisst es bei Appenzellerland Tourismus. Generell haben sich die «Corona-Probleme» normalisiert, beispielsweise das Littering.

Die Bilder wiederholen sich: Am Sonntag standen die Autos wieder Schlange vor den Parkplätzen in Wasserauen. Wird der Alpstein von Menschenmassen überflutet? «Nein», sagt Guido Buob, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus AI. Es habe zwar mehr Autos, aber nicht eine grössere Anzahl Besucher als in anderen Jahren. Denn die Wanderlustigen reisen öfter im Privatwagen als mit dem öffentlichen Verkehr an, höchstwahrscheinlich coronabedingt. Buob schätzt, dass 20 bis 30 Prozent mehr Leute als sonst mit dem Auto unterwegs in den Alpstein sind. «Ausserdem stellen wir fest, dass die Autos oft weniger gefüllt sind. Die Leute reisen beispielsweise vermehrt zu zweit als zu fünft in einem Auto an», so Buob. Überfüllt sei der Alpstein trotz der zahlreichen Autos nicht. Denn sobald die Menschen unterwegs seien, würden sie sich gut im Gebiet verteilen.

Littering in den Griff bekommen

Ansonsten hat sich die Situation im Alpstein in vielerlei Hinsicht normalisiert. Es sind wieder dieselben Leute im Alpstein unterwegs, die auch vor der Ausnahmesituation Coronavirus gerne die Appenzeller Berge besucht haben. Dass anderes Publikum in den Alpstein reiste, sei vor allem zu Lockdown-Zeiten zu beobachten gewesen, sagt Buob. Mittlerweile sind wieder die klassischen Wanderinnen und Wanderer unterwegs.

Auffallend: Auch das Littering-Problem hat sich wieder massiv verbessert. Buob will das aber nicht nur auf das unterschiedliche Publikum zurückführen: «Wir haben eine grosse Sensibilisierungskampagne gefahren mit Flyern und Tafeln rund um den Seealpsee.» Gleichzeitig glaubt er auch, dass die grosse Diskussion um die Abfall-Problematik in den Medien mitgeholfen hat, die Leute zur Einsicht zu bewegen. «Die Leute haben gemerkt, dass sich das eigentlich nicht gehört.»

Generell ist Buob zufrieden, wie sich die Alpstein-Besucherinnen und -Besucher verhalten – auch im Hinblick auf die Corona-Massnahmen. In den Bergbeizen werden die Schutzkonzepte gut umgesetzt, was vor allem auch den Wirtsleuten zu verdanken sei. Thomas Manser, Wirt im Berggasthaus Bollenwees, sagt dazu: «Es gibt Leute, die die Massnahmen sehr ernst nehmen, andere hingegen gar nicht. Das ist jeweils ein Spagat, den wir machen müssen, aber grundsätzlich haben wir es gut im Griff.»

Auch in der Natur und auf den Wanderwegen machen die Appenzeller grösstenteils positive Beobachtungen. «Was abseits geschieht, liegt zwar in der Eigenverantwortung der Leute. Jedoch werden Corona-Schutzmassnahmen wie Abstandsregeln unserer Erfahrung und unseren Beobachtungen nach recht diszipliniert umgesetzt», sagt Guido Buob.

Wetter einflussreicher als Corona

Im Grossen und Ganzen blicken die Wirte im Alpstein auf einen positiven Sommer zurück und sind sehr zufrieden. Der Einfluss des Coronavirus hat sich schlussendlich in Grenzen gehalten. Zwar laufen einige Dinge anders, so Thomas Manser, beispielsweise verteilen sich die Gäste vermehrt auf die Tage unter der Woche. Er führt das darauf zurück, dass viele Leute immer noch im Homeoffice arbeiten und deswegen die Möglichkeit haben, auch unter der Woche das schöne Wetter zu nutzen.

Manser hebt hervor, dass das Wetter einen wesentlich grösseren Einfluss auf die Besucherzahlen hat, als die Entwicklungen rund um das Coronavirus. Stimmt das Wetter, stimmen die Besucherzahlen. Derweil sind sich die Wirtinnen und Wirte auch bewusst, dass das Appenzellerland im Vergleich zu anderen, urbaneren, Regionen sehr gut bedient war. «In den Städten fiel der Einfluss des Coronavirus wesentlich drastischer aus», sagt Manser, «wir hatten diesbezüglich wirklich Glück.»

Und positiv könnte es durchaus noch ein wenig weitergehen, denn der September verspricht auch in den Bergen noch einige sonnige und warme Tage.

Nico Conzett
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 15. September 2020 05:48
aktualisiert: 15. September 2020 08:21