Tod von Lehrling: Staatsanwalt muss gehen

Marc Sieger, 12. September 2018, 12:42 Uhr
Bei der Staatsanwaltschaft gibt es neue Strukturen.
Bei der Staatsanwaltschaft gibt es neue Strukturen.
© iStock/Symbolbild
Vor einem Jahr stand die Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell Innerrhoden im Kreuzfeuer, weil mehrere Strafverfahren im Zusammenhang mit dem Tod eines Lehrlings verjährten. Untersuchungen zeigen nun: Der Staatsanwalt hat den Fall verschleppt.

2010 starb ein Automechatroniker-Lehrling in der Garage seines Lehrbetriebs in Appenzell. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein. Sie sollte abklären, wer für den Tod des Lehrlings verantwortlich war. Das Arbeitsinspektorat hatte mehrfach bemängelt, dass der Warenaufzug, in dem sich der Lehrling eingeklemmt hatte, weder den gesetzlichen Vorschriften noch den Vorgaben der Suva entspreche.

Die Anwälte ermittelten wegen fahrlässiger Tötung. Die Untersuchungen des Staatsanwaltes dauerten über sechseinhalb Jahre. Zu einer Gerichtsverhandlung kam es nie. Der Fall sei verjährt, hiess es damals. Bei der Familie des Verstorbenen war das Unverständnis und der Frust gross. Sie hatte sich immer wieder über den Stand der Ermittlungen erkundigt, ohne Ergebnis. «Die Sicherheit zu wissen, dass der Staat nach Normen handelt, wird einem genommen. Wir haben massive Zweifel am System», sagte der Bruder des Verstorbenen vor einem Jahr gegenüber TVO.
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2017 leitete die Standeskommission eine Untersuchung ein, mit dem Ziel herauszufinden, wie es zur Verjährung des Falles kommen konnte, und wie es um die Verfahrensführung und die Organisationsstruktur der Staatsanwaltschaft stehe.

Nun liegt der Bericht vor. Die Kommission kommt zum Schluss, dass der fallführende Staatsanwalt die Strafuntersuchung nicht mit der nötigen Zielstrebigkeit, Planung und Umsicht geführt habe. Heisst: Die Staatsanwaltschaft hatte es versäumt, die Fälle rechtzeitig ans Gericht zu überstellen. Als Konsequenz muss der Staatsanwalt nun seinen Hut nehmen. Er habe «bis zum Ende der laufenden Kündigungsfrist all seine amtlichen Funktionen zur Verfügung gestellt», heisst es in einer Mitteilung der Standeskommission.

Weiter will die Standeskommission die Organisation der Staatsanwaltschaft verbessern. Verbesserungsvorschläge seien gemacht worden, konkrete Massnahmen gebe es noch keine.

(red.)

 

Marc Sieger
veröffentlicht: 12. September 2018 12:08
aktualisiert: 12. September 2018 12:42