Tradition

Viehschau Schwellbrunn: «Wichtiger als Weihnachten oder der 1. August»

Fabienne Engbers, 2. Oktober 2019, 06:27 Uhr
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Quelle: FM1Today

Seit halb 5 Uhr in der Früh sind die Schwellbrunner Bauern auf den Beinen. Kein Wunder, heute ist der wichtigste Tag in ihrem Kalender – es ist Viehschau. In ihren Trachten kommen sie daher, jodelnd und mit Stöcken in den Händen, um die Kühe vor sich her zu treiben. Dabei ist der Anreiz, die schönste Kuh des Dorfes im Stall zu haben, nicht das Wichtigste.

Stolz laufen sie in ihren Appenzeller Trachten an der Schwellbrunner Dorfkirche vorbei, treiben ihr Vieh die Dorfstrasse hinauf, hoch auf die Viehschau-Wiese. Ist das Vieh an Ort und Stelle, beginnen die Sennen, die grössten Kuhglocken im Takt zu schwingen und ein Zäuerli wird angestimmt.

Folklore für jedermann

«Die Viehschau im eigenen Dorf bedeutet mir sehr viel, sie gehört zum Brauchtum.» Dieser Satz kommt den Schwellbrunner Bauern einstimmig aus dem Munde. Sie alle kommen an diesem Tag auf die Viehschauwiese, um ihr Vieh zu präsentieren.

Aussen am Kreis, in dem am Morgen erst Kälber und Rinder und dann am Nachmittag die schönsten Kühe präsentiert werden, steht beinahe die gesamte Gemeinde und bestaunt und bejubelt Tiere und Bauern.

«Der schönste Tag im Jahr»

Dass die Bauern an der Viehschau für ihr Tun und ihr Handwerk gefeiert werden, stimmt Bauer Walter demütig. «Das ist der grösste Tag für uns im Jahr, der kommt vor Weihnachten, Silvester und Geburtstag. Es ist sehr emotional.» Man spüre die Wertschätzung, welche einem Nachbarn und Anwohner entgegenbringen.

Auch der Schwellbrunner Matthias freut sich jedes Jahr auf die Viehschau. «Es ist ein Volksaufmarsch und ein Volksfest, an welchem wir unser Hab und Gut mitbringen.»

Die Tiere werden für ihren besonderen Tag aufpoliert

Für dieses Volksfest sind die Bauern schon früh wach, bei den meisten klingelt gegen 4.30 Uhr der Wecker. «Die Kühe werden geputzt und poliert, dann werden sie angeschrieben und bekommen einen Strick um den Kopf gebunden, damit sie bereit sind», sagt Hansueli Schoch. Er ist mit 18 Tieren an die Viehschau gekommen.

Die schönsten Kühe stehen zuvorderst

Nicht immer sind die Kühe an den Viehschauen so brav. Eine Kuh fegt mehr als eine Stunde lang quer durch die Viehschau-Wiese, ehe sie gleich von fünf Bauern irgendwo – nicht dort, wo sie eigentlich stehen sollte – angebunden wird.

Stehen die Kühe in Reih und Glied, werden sie von einem Richter begutachtet. «Er schaut auf den Rahmen und das Euter und entscheidet dann, welche Kuh nach vorne gebunden wird», sagt Bauer Matthias. Diesen Vorgang nennt man «Stellen».

Sind die Tiere richtig gestellt, steht die schönste Kuh der Kategorie zuvorderst. «Diese wird mit einem A gekennzeichnet für Abteilungssiegerin.» Einen Preis gibt es nicht, es geht um die Ehre. Ausserdem werden die Kühe am Nachmittag im Ring vorgeführt.

Geselligkeit steht an erster Stelle

Trotz des Stress, welchen vor allem die Gehilfen auf dem Platz haben, während die Sennen bei einem Kafi Lutz sitzen, ist es ein schöner Tag. «Man sieht andere Bauern, kennt sich und es ist ein lustiger, geselliger Tag», sagt Tobias.

Vor Ort merkt man schnell, auch wenn es hier vordergründig darum geht, die schönsten Kühe Schwellbrunns zu küren, steht die Geselligkeit für die Bauern im Vordergrund, eine Auszeichnung mit nach Hause zu nehmen, ist zweitrangig.

«Es ist einer der schönsten Tage. Die Hauptsache für uns ist, dass wir am Abend alle wieder gesund mit nach Hause nehmen.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. September 2019 16:47
aktualisiert: 2. Oktober 2019 06:27