«Wir fühlen uns wie gelähmt»

Lara Abderhalden, 4. Januar 2017, 11:51 Uhr
Noch immer schwebt einer der Polizisten nach der Schiesserei in Rehetobel in Lebensgefahr. Auch der zweite Polizist leide an schweren Beinverletzungen. Bei der Kantonspolizei Appenzell Ausserhoden sitzt der Schock immer noch tief, trotzdem versuche jeder auch heute seine Arbeit zu machen.

Gestern war ein spezieller Tag. Anders. So etwas hat die Kantonspolizei Appenzell Ausserhoden noch nie erlebt. Ein 33-jähriger Mann schiesst bei einer Hausdurchsuchung auf zwei Polizisten und verletzt sie schwer, am Ende richtet er sich selber. Wir haben mit dem stellvertretenden Leiter der Verkehrs- und Regionalpolizei Appenzell Ausserhoden, Hanspeter Saxer, gesprochen. Er war beim Einsatz dabei.

Die beiden verletzten Polizisten befinden sich noch immer im Spital. Einer wurde durch einen Herzsteckschuss lebensbedrohlich verletzt, kann man schon mehr zum Zustand der beiden sagen?

Beide Kollegen sind schwer verletzt. Einer befindet sich nach wie vor in einem sehr kritischen Zustand.

Zwei Kollegen von Ihnen wurden schwer verletzt. Geht man heute als Polizist mit einem anderen Gefühl zur Arbeit?

Ja, und da geht es bestimmt nicht nur mir so. Man sieht rund herum tiefe Betroffenheit. Die Tat beschäftigt. Wir fühlen uns wie gelähmt. Trotzdem muss der Alltag weiter gehen und wir müssen versuchen, unseren Auftrag als Polizisten auch heute zu erfüllen.

Der Held der Stunde oder zumindest der Situation war gestern ein Diensthund. Er konnte Schlimmeres verhindern indem er eingriff und sich der Täter anschliessend selbst richtete. Ist das normal, dass in solchen Fällen Hunde eingesetzt werden?

Konkretes zum Einsatz des Hundes möchte ich aus taktischen Gründen nicht bekannt geben. Uns stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Es ist eine situative Geschichte. Wir müssen jeweils einschätzen, welches Mittel in dieser Situation eingesetzt werden kann. Auch der Diensthund gehört dazu.

Teilweise gingen die Medien gestern anfänglich von einem Terroranschlag aus. Wie gross war das Medieninteresse aus dem Ausland?

Wir haben Anfragen und Rückmeldungen aus dem Ausland erhalten. Vor allem aus Deutschland und Österreich. Anfänglich gingen viele von einem Terroranschlag aus. Es war tatsächlich ein Thema, dass im Fokus stand. Dennoch konnte diese Meldung von uns schnell dementiert werden.

Was passiert als Nächstes?

Im Moment laufen die Abklärungen auf Hochtouren. Wir versuchen festzuhalten, was sich genau abspielte. Wir sichern Spuren, machen Befragungen, das normale Vorgehen. Im Moment steht im Vordergrund, die genauen Ereignisse zu rekonstruieren.

(abl)

 

Lara Abderhalden
veröffentlicht: 4. Januar 2017 11:35
aktualisiert: 4. Januar 2017 11:51