Alpstein

«Wir wollen keinen Campingplatz rund um den Seealpsee»

Laurien Gschwend, 3. Juli 2020, 18:49 Uhr
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Quelle: tvo

Biwakieren ja, Campieren nein: Kurz vor den Sommerferien hat der Kanton Appenzell Innerrhoden festgelegt, wie er mit dem coronabedingten Besucheransturm umgehen will.

Eine Blechlawine in Wasserauen, Abfallberge neben den Kübeln und Zelte oder gar Pavillons am Seeufer: Der Seealpsee ist eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Schweiz – auch für Leute, die sonst kaum auf Wanderrouten anzutreffen sind. Und eben diese wissen oftmals nicht, wie sie mit der Natur umgehen sollen, wie während der Coronazeit zu beobachten war (siehe Bildergalerie).

Neues Gesetz und Bussen noch nicht vom Tisch

Am Dienstag hat sich nun die Standeskommission des Kantons Appenzell Innerrhoden mit den Themen Littering und Wildcamping im Alpstein befasst. Sie hat entschieden, auf Sensibilisierung statt harte Sanktionen zu setzen, wie Landammann Roland Dähler sagt. «Wenn die Informationskampagne aber zu wenig bewirkt, könnten ein neues Freizeitgesetz und Bussen zum Thema werden», sagt der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements auf Anfrage.

Über Informationstafeln, Social Media und die Berggasthäuser werden die Berggänger darauf aufmerksam gemacht, ihren Abfall wieder mitzunehmen und Feuerstellen aufzuräumen. «Wir wollen die Gäste so dafür sensibilisieren, die Natur zu respektieren», sagt Landeshauptmann Stefan Müller, Vorsteher des Land- und Forstwirtschaftsdepartements. «Im Grunde wissen die Leute ja, dass sie der Natur Sorge tragen müssen – der Abfall wird oftmals aus Nachlässigkeit liegen gelassen.»

Sennen um Erlaubnis bitten

Auch auf die zunehmende Anzahl Camper reagiert die Regierung. Rund um den Seealpsee, hier ist der Kanton Grundeigentümer, ist das Zelten grundsätzlich verboten. «Wir wollen keinen Campingplatz rund um den Seealpsee, ein solcher wäre rechtlich auch gar nicht möglich», sagt Müller. Einzige Ausnahme bildet im Alpstein-Gebiet das Biwakieren. «In Bergsteiger-Kreisen ist es üblich, auf mehrtägigen Touren den Schlafsack auszurollen oder ein einfaches Zelt aufzuschlagen. Das erlauben wir, es gilt allerdings, zuerst den zuständigen Sennen zu fragen.»

Der Kanton will nicht, dass jemand im Alpstein zeltet und längere Zeit Ferien macht. «Dafür gibt es die offiziellen Campingplätze.» Wer sich nicht an das Verbot hält, kann von der Polizei oder dem Jagdaufseher weggeschickt werden. Eine Busse gibt's – solange es noch kein Freizeitgesetz gibt – nicht.

Ranger soll zum Rechten schauen

Appenzellerland Tourismus rechnet diesen Sommer mit vielen Touristinnen und Touristen, insbesondere aus dem eigenen Land. Derzeit wird Personal für die Funktion des «Alpstein-Rangers» rekrutiert, dieser soll sich im Rahmen eines Pilotprojektes unter anderem um die Abfall- und Parkplatzproblematik kümmern.

Schon heute ist allerdings klar, dass keine zusätzlichen Abfallkübel aufgestellt werden. Landammann Dähler: «Wir haben das Phänomen beobachtet, dass weniger Abfall liegen gelassen wird, wenn es weniger Kübel gibt.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 3. Juli 2020 12:07
aktualisiert: 3. Juli 2020 18:49