Ostschweiz
Appenzellerland

Fragen und Antworten: So funktioniert die Appenzeller Landsgemeinde

Appenzell Innerrhoden

Zeit für den traditionellen Ring: Das solltest du über die Landsgemeinde wissen

· Online seit 27.04.2024, 08:48 Uhr
Am Sonntag ist es endlich so weit und die Innerrhoderinnen und Innerrhoder steigen in den Ring. Für die Stimmabgabe erheben die Teilnehmenden der Landsgemeinde traditionell ihre Hände. Hier gibt es für dich den Durchblick mit den wichtigsten Fakten.
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Die Landsgemeinde ist ein historisches Schweizer Ereignis, das es so in keinem anderen Land der Welt gibt. Sie findet immer am letzten Sonntag im April statt. Hier erfährst du das Wichtigste in Kürze.

Wer geht an die Landsgemeinde?

Für die Innerrhoderinnen und Innerrhoder ist der letzte Sonntag im April im Kalender fett markiert. Denn es geht an die Landsgemeinde. Nicht irgendwie, sondern besonders rausgeputzt, denn die Frauen ziehen ihre schönsten Kleider an und die Männer schlüpfen in ihre Schale und polieren ihre Degen. Traditionell laufen die stimmberechtigten Frauen und Männer zu Fuss und versammeln sich um 9 Uhr morgens auf dem Landsgemeindeplatz in Appenzell.  So startet der Tag mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche St.Mauritius.

Auf den Glockenschlag um 12 Uhr erfolgt der musikalische Aufzug durch die Harmonie Appenzell. Die Standeskommission, das Kantonsgericht und die Ehrengäste folgen dabei dem musikalischen Anmarsch. Treffpunkt für alle ist der Landesgemeindeplatz. Dort warten die stimmberechtigten Frauen mit ihren Stimmkarten und die Männer mit dem Degen im Ring. Um zirka 12.30 Uhr starten die Wahlen und so heisst es bei der Diskussionseröffnung: «S'Woot ischt frei».

Wie sieht der Ablauf des Landsgemeindesonntags aus?

Es geht jedes Jahr um die wichtigsten Landesangelegenheiten. Der regierende Landammann nimmt das Landessigill (ein originales Stück aus dem Jahr 1518) zur Hand und versichert, es nur nach den Gesetzen und seinem Gewissen eingesetzt zu haben. Dann wählt die Landsgemeinde den regierenden und den stillstehenden Landammann und zugleich auch die weiteren fünf Mitglieder der Standeskommission sowie den Präsidenten und die Mitglieder des Kantonsgerichtes.

Es folgen der Eid des Landammanns und des Volkes. Dieser Eid stammt aus dem Jahr 1409 und wird heute noch mit den gleichen Wortlauten gesprochen. Jeder einzelne Stimmberechtigte im Ring kann mit seiner rechten Hand seine Stimme abgeben. Entscheidend ist das Mehr. Kann dieses nicht abgeschätzt werden, müssen die Stimmen einzeln ausgezählt werden.

Seit wann gibt es die Landsgemeinde?

Die Ursprünge der Appenzeller Landsgemeinde reichen wahrscheinlich bis ins Jahr 1378 zurück, doch ein offizielles Dokument, das diese frühe Versammlung belegt oder zumindest erwähnt, fehlt. Erstmalig tauchte die Landsgemeinde in einer Urkunde aus dem Jahr 1403 auf und ist seitdem sicher dokumentiert.

Was ist der Ring und wer darf da rein?

Auch in Appenzell Innerrhoden gilt jeder als stimmberechtigt, wenn er oder sie das 18. Altersjahr erfüllt hat. Die Stimmberechtigten versammeln sich bei jeder Witterung draussen auf dem Landsgemeindeplatz. Damit die Regierung die Stimmberechtigten von den Zuschauenden unterscheiden kann, treten diese in den sogenannten «Ring» und die Regierung platziert sich auf der Tribüne, dem sogenannten «Stuhl».

Wieso tragen die Männer einen Degen bei sich?

Das «Seitengewehr», traditionell ein Degen, aber auch ein Bajonett oder ein Säbel, bleibt neben der Stimmkarte ein wichtiger Ausweis für das Stimmrecht bei der Landsgemeinde. Von den 18-jährigen Jugendlichen bis zu den 80-jährigen Grossvätern ist es kaum vorstellbar, dass jemand ohne dieses erscheint.

Frauen hingegen nehmen zwar genauso wie Männer an der Landsgemeinde teil, jedoch haben sie keinen eigenen Degen. Für sie gilt die Stimmkarte als Ausweis ihres Stimmrechts und ihrer Teilnahmeberechtigung. Dies spiegelt die traditionelle Geschlechterrolle in der Gesellschaft wider, bleibt jedoch ein kontinuierlicher Diskussionspunkt im Hinblick auf die Gleichstellung der Geschlechter in der politischen Teilhabe.

Ist die Landsgemeinde noch zeitgemäss?

Obwohl die Mehrheit an der Tradition festhält, gibt es dennoch Kritiker. Denn zum einen wird darüber debattiert, ob diese Praxis noch zeitgemäss ist.

Zudem können Gastronomie-Betriebe, Pflegepersonal, Ortsabwesende oder ältere Generationen nicht dabei sein. Ausserdem ist es fraglich, wie neutral man abstimmen kann, wenn Verwandte und Bekannte neben einem stehen.

Was steht nach der Landsgemeinde an?

Als traditioneller Abschluss gibt es einen Aufmarsch durch die Hauptgasse zurück zum Rathaus. Einige nehmen danach an der Rhodsgemeinde teil. Danach heisst es: «Nun wird tüchtig gefestet». Auf den Gassen stehen Essens- und Getränkestände.

Die Bürgerinnen und Bürger treffen sich mit Freunden und Bekannten. Bis in die späten oder besser gesagt frühen Morgenstunden wird gefeiert. Grund dafür, dass die Eine oder der Eine sich nicht nur den Sonntag, sondern auch den Montag reserviert hat. Und deshalb vermutlich auch nicht zur Arbeit erscheinen wird.

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veröffentlicht: 27. April 2024 08:48
aktualisiert: 27. April 2024 08:48
Quelle: FM1Today

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