Persönlichkeitsschutz

Aufnahme von Autoeinbruch auf Facebook – ist das rechtens?

17. November 2022, 05:27 Uhr
Am Sonntagabend ist auf Facebook ein Video gepostet worden, auf welchem eine Person mutmasslich versucht in ein Auto einzubrechen. Das Video ist unzensiert und der Täter zu erkennen. Doch so ganz legal ist das nicht.
Der Einbrecher war im Video unzensiert.
© Leserreporter
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Am Sonntagabend postete eine Facebook-Nutzerin aus Bürglen ein Video mit den Worten: «Sie sind nach wie vor unterwegs... waren Sonntag in der Früh wieder an unseren Autos…». Darauf zu sehen ist ein unzensierter junger Mann, der in eine Einfahrt läuft und sich anscheinend am Auto zu schaffen macht. Was genau er macht, ist nicht zu erkennen, doch die Absicht des Mannes ist mit der dazugehörigen Beschriftung klar: Autoeinbruch.

Diebstahl aus Autos nimmt momentan stark zu. Das bestätigt die Kantonspolizei Thurgau. Seit 2019 hätte sich die Zahl mehr als verdoppelt. Entweder werden Autos geöffnet um nach Wertgegenständen zu suchen oder von aussen ist erkennbar, dass sich im Auto etwas Wertvolles befindet. Dann werden zum Teil auch Scheiben eingeschlagen, um so in das Auto einzudringen.

Durch die vermehrten Autodurchsuchungen beginnen auch immer mehr Personen unzensiert Videos und Bilder von Überwachungskameras zu posten und selbst Aufrufe zu starten, um die Täter zu finden.

Darf man solches Material online posten?

In den Kommentaren wird sich hitzig ausgetauscht. Viele scheinen den Täter zu erkennen und posten sogar Bild und Name des Verdächtigen in die Kommentare. Ob das rechtens ist, hinterfragt nur eine Userin. «Ich kenne mich nicht aus, aber glaube, es ist nicht so legal, Bilder und Videos einfach so zu posten», schreibt diese in den Kommentaren.

«Überwachungskameras auf dem eigenen Grundstück sind zulässig», sagt Martin Steiger, Rechtsanwalt und spezialisiert auf Recht im digitalen Raum. Es sei aber nötig, dass die Kameras erkennbar sind. Das heisst, entweder gut sichtbar oder besser noch mit einem Hinweisschild beschriftet.

Wichtig ist die Frage, was man mit Überwachungsmaterial macht. Der empfehlenswerte Schritt ist der Gang zu Polizei oder Staatsanwaltschaft zur Verwendung für eine Strafanzeige.

Fahndungen bei der Polizei

«Die Behörden haben ein mehrstufiges Vorgehen bei öffentlichen Fahndungen. Zuerst gibt es einen Aufruf ohne Bild, bei welchem man dem Einbrecher die Chance gibt, sich selbst zu melden. In einem zweiten Schritt werden Bilder anonymisiert veröffentlicht», so Steiger. Das heisst, dass die Person unkenntlich gemacht wird, meist mit Verpixelung.

Wenn sich die Täterschaft darauf noch immer nicht gemeldet hat, werden die Bilder unzensiert veröffentlicht. «Bei einem direkten Posten des Videos auf Social Media werden der erste und zweite Schritt komplett übersprungen.» So werden dem Täter seine Rechte genommen und er hat keine Chance, sich selbst ohne grosses Aufsehen zu stellen.

«Dachte nicht, dass man den Täter erkennt»

«Ich habe ja keine Bilder und Namen gepostet und die Person auf dem Video ist kaum zu erkennen», antwortet die Verfasserin des ursprünglichen Postes auf den kritischen Kommentar.

Dies bestätigt sie auch noch einmal gegenüber FM1Today. Sie habe das Gefühl, dass man die Person kaum erkennt und hätte niemals damit gerechnet, dass andere Menschen die Person erkennen und sogar kennen würden.

Quelle: Facebook

Ebenfalls sei sie es ja nicht gewesen, die Bilder und Name gepostet hat. Von ihr komme ja nur das unscharfe Video. Sie wolle nur die Bevölkerung informieren, denn auf Facebook kursieren viele solche Aufnahmen von Überwachungskameras. Leider kann die Schuld nicht so einfach abgewiesen werden.

Sollte nicht selbst nach Personen suchen

Vor allem in der Gruppe «Du bist von Erlen wenn...» werden viele Aufrufe mit Videos und unzensierten Bilder gepostet. Dazu schreibt ein User «Ein Herr wollte heute Nacht überprüfen, ob alle Autos geschlossen sind. Kennt ihn vielleicht jemand? Ich will mich bei ihm nur herzlich bedanken...»

Steiger empfiehlt, das Fahnden nach Personen grundsätzlich der Polizei zu überlassen. «Wenn man Freunde oder Bekannte mit dem Video warnen oder informieren möchte, dann sollte man es anonymisieren, bevor man es hochlädt.» So kann man auch verhindern, dass Personen fälschlicherweise verdächtigt werden.

Die Kantonspolizei Thurgau schliesst sich den Aussagen von Rechtsanwalt Martin Steiger an, wie sie auf Nachfrage mitteilt.

Wahrscheinlich keine Konsequenzen

«Wenn der Einbrecher nun Klage erheben würde, weil sein ‹Recht am eigenen Bild› verletzt wurde, könnte die Person, welche das Video gepostet hat, auch für Kommentare verantwortlich gemacht werden.» Aufgrund der sogenannten Mitwirkung wäre eine Klage wegen widerrechtlicher Persönlichkeitsverletzung möglich.

Allerdings ist unwahrscheinlich, dass der Täter sich meldet und die Verfasserin anzeigt, da sich der Täter damit aktiv zeigen und zur Tat bekennen müsste. Dennoch ist Vorsicht geboten, wenn man Überwachungsmaterial auf Social Media veröffentlicht.

Trotzdem entfernte die Userin das Video und die Bilder samt Namen von Facebook. «Der Fall wird nun von der Polizei bearbeitet», schreibt sie stattdessen. Auf Nachfrage von FM1Today sagt die Kantonspolizei Thurgau, dass sie keine Anzeige zum obigen Fall erhalten hätte.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 17. November 2022 05:27
aktualisiert: 17. November 2022 05:27