Spitäler

«Ausbau der Betten nur möglich, wenn Eingriffe reduziert werden»

Angela Müller, 30. Oktober 2020, 05:41 Uhr
Intensivstation St.Gallen: Die Technik bei der Intensivpflege ist nur das eine, es braucht auch gut ausgebildetes Fachpersonal.
© Tagblatt
Die hohen Corona-Ansteckungszahlen wirken sich auf die Spitalkapazitäten in der Ostschweiz aus. Das Kantonsspital St.Gallen stockt Intensivbetten auf und stoppt ab nächster Woche bestimmte Eingriffe. In Grabs, Walenstadt und Altstätten wurde bereits je ein Operationssaal geschlossen.

Wir stecken mitten in der zweiten Welle, doch für Spitäler wiederholt sich die Situation nicht einfach. Im Gegensatz zur ersten Welle funktionieren die Spitäler weiterhin im Normalbetrieb, doch dieser gerät je länger je mehr an die Grenzen.

Das Kantonsspital St.Gallen spürt den Druck vor allem auf den Intensivstationen: «Aber wir sind in allen Bereichen sehr gut ausgelastet», sagt Philipp Lutz, Sprecher des Kantonsspitals St.Gallen. Stand Donnerstagmorgen waren es elf Covid-Patienten, die intensivmedizinisch behandelt wurden, davon mussten acht Patienten beamtet werden. Weitere 52 Covid-Patienten waren auf Normalstationen hospitalisiert. Doch das ist nur der Anfang, denn die Ansteckungszahlen steigend laufend, im Kanton St.Gallen waren es am Donnerstagmorgen knapp 500, bis Anfang Oktober lagen die Zahlen noch unter 50 Neuinfektionen pro Tag.

Spital St.Gallen stopp schwere, nicht dringend notwendige Operationen

Deshalb hat die Covid-Task-Force des Kantonsspitals beschlossen, «ab kommender Woche elektive, nichtdringlichen Eingriffe, welche Intensivpflege- und/oder Beatmungskapazitäten benötigen, abzusagen beziehungsweise zu verschieben», sagt Lutz. Dies erlaube es nun, in einem ersten Schritt die Anzahl der Beatmungsplätze von 36 auf 44 zu erhöhen.

Lutz betont: «Die Anzahl der Beatmungsplätze ist sekundär, es braucht primär Fachpersonal, das die Betreuung und Behandlung sicherstellen kann. Ein Ausbau kann deshalb nur erfolgen, wenn gleichzeitig andere Eingriffe reduziert werden, damit Personalressourcen freigespielt werden können.»

Spital Grabs hat die Intensivstation bereits ausgebaut

Auch die Spitalregion Rheintal, Werdenberg, Sarganserland (SR RWS) hat wegen der rasch steigenden Corona-Ansteckungen reagiert und bereits jetzt die Zahl der Eingriffe reduziert. So konnten die notwendigen Ressourcen beim Anästhesiepersonal für die Aufstockung der Intensivstation von sieben auf zehn Betten geschaffen werden. «Wir haben an jedem Standort je einen Operationssaal geschlossen», sagt Andrea Bachmann, Kommunikationsverantwortliche SR RWS. Noch werden weiterhin Wahleingriffe durchgeführt, doch reduziert. In Walenstadt und Altstätten mit je zwei Operationssälen wurde die Operationstätigkeit quasi um 50 Prozent reduziert.

Die allgemeine Bettenbelegung in der Spitalregion schwanke stark, was aber normal sei und nichts mit Corona zu tun habe, sagt Bachmann. Von den drei Spitälern führt nur gerade Grabs eine Intensivstation, diese hat zurzeit eine Kapazität von zehn Betten. Am Donnerstagnachmittag waren sieben belegt, sechs davon mit Covid-Patienten, die beatmet werden müssen. «Bei der Belegung von Intensivbetten sind wir beinahe täglich in Kontakt mit dem Kantonsspital St.Gallen», sagt Bachmann. Denn je nach Eingriff muss nach der Operation ein Intensivbett zur Verfügung stehen.

Wie lange es geht, bis die Spitalregion RWS an ihre Kapazitätsgrenzen kommt, kann Bachmann nicht sagen. Doch sie bleibt zuversichtlich: «Wir sind gut gerüstet.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. Oktober 2020 05:41
aktualisiert: 30. Oktober 2020 05:41