Badi-Knigge: Das sind die Freibad-No-Gos

Stephanie Martina, 22. Juni 2017, 16:03 Uhr
Das heisse Wetter lockt viele in die Badis - umso wichtiger sind Anstand und Respekt
© Keystone/Laurent Gillieron
Darf man in Badehosen ins Badi-Restaurant? Wie viel Abstand braucht es zwischen dem eigenen Tüechli und jenem des Nachbars? Was ist angemessen und was ein absolutes No-Go? Knigge-Expertin Katrin Künzle erklärt, wie man sich in der Badi von seiner Sonnenseite zeigt.
Frau Künzle, was ist die wichtigste Anstandsregeln in der Badi?

Im Freibad, wo die Leute knapp bekleidet auf engem Raum nahe beieinander liegen, gilt vor allem eines: Rücksicht nehmen auf die anderen Gäste. Im Freizeitbereich passiert es leicht, dass man das Gefühl hat, die Regeln des Anstands gelten weniger als etwa im Büro oder in der Schule. Viele haben das Gefühl, dass das Verhalten des Einzelnen in einer grossen Menschenmenge unwesentlich ist. Doch gerade wenn viele Leute zusammenkommen, muss jeder Einzelne umso mehr auf sein Verhalten achten, Respekt und Anstand wahren.

Die Badi ist gut besucht und man findet kaum noch einen freien Platz auf der Liegewiese. Wie viel Abstand muss man zu seinem Nachbarn halten, damit es noch respektvoll ist?

Eine bestimmte Distanz zu nennen, ist schwierig. Aber wenn man die Hand ausstreckt und sein Nebenan berührt, dann ist es definitiv zu nahe. Am besten überlegt man sich jeweils selbst, ob man es gerne hätte, wenn jemand dorthin sitzen würde. Wenn man sich in solchen Situationen auf seinen gesunden Menschenverstand verlässt, kann man nichts falsch machen.

Was sind absolute Badi-No-Gos, die aber immer wieder vorkommen?
Wer Fussball und Frisbee spielen möchte, sollte dies nicht zwischen Badetüchern tun, sondern auf der Spielwiese. Zudem sollte man nicht tropfnass über die Badetücher der anderen zu seinem eigenen gehen. Und man sollte es auch vermeiden, direkt vom Becken die Toilette aufzusuchen. Aus eigener Erfahrung weiss jeder, wie unangenehm es ist, wenn man nicht weiss, ob die Flüssgkeit am Boden nur Wasser ist oder doch etwas Anderes. Deshalb sollte man sich abtrocknen, bevor man zur Toilette geht. Hier geht es wiederum um Respekt und darum, etwas so zu hinterlassen, wie man es antreffen möchte.

Darf man in der Badehose ins Badi-Restaurant?

Nein, es ist ebenfalls ein absolutes No-Go oben ohne oder im Bikini ins Restaurant zu sitzen. Man ist nass, man ist verschwitzt - und niemand freut sich über die Schweissflecken des Vorgängers auf dem Plastikstuhl. Ich rate deshalb immer, sich etwas Luftiges anzuziehen. Das ist für einen selbst, aber auch für alle anderen angenehmer.

Welche Bademode ist unangebracht?

Ich empfehle, die Badehose oder den Bikini zuhause mal anzuziehen und sich im Spiegel zu betrachten. Denn zu enge Badehosen sehen nicht gut aus. Gerade bei Älteren bedeutet mehr Stoff auch gleichzeitig mehr Stil.

Welche hygienischen Mindestanforderungen sollte man beachten?

Man sollte nicht nur einen kritischen Blick auf sein Outfit werfen, sondern auch auf seine Füsse. Hornhaut und ungeschnittene Zehennägel sind kein schöner Anblick. Und ganz wichtig ist es auch, dass man sich vor dem Baden oder Schwimmen abduscht, weil man schwitzt und die Haut von der Sonnencreme klebrig ist.

Wie laut darf man in der Badi sein? Darf man Musik hören?

Man sollte so wenig Lärm wie möglich veranstalten. Wenn man sich unterhalten möchte, empfiehlt es sich, nahe beieinanderzusitzen, um nicht zu laut sprechen zu müssen. Vielleicht sollten auch Gruppendiskusionen nicht in einer Badi geführt werden, weil die anderen Badibesucher sehr nahe sind und jedes Wort mithören müssen. Wer Musik hören will, verwendet am besten Kopfhörer.

Der Baditag geht zu Ende und alle Umkleidekabinen sind besetzt. Darf man sich auf der Wiese hinter seinem Badetuch umziehen?

Es kommt etwas auf die Situation an. Bei Kindern sehe ich kein Problem und wenn weit und breit niemand da ist, der sich gestört fühlen könnte, kann man sich schon auf der Wiese umziehen. Aber im Grunde empfehle ich, die Kabinen aufzusuchen, auch wenn es viele Leute hat. Oftmals ist eher die eigene Bequemlichkeit das Problem und nicht die besetzten Kabinen.

Stephanie Martina
veröffentlicht: 22. Juni 2017 07:08
aktualisiert: 22. Juni 2017 16:03