Bald sollen Ärzte an der HSG ausgebildet werden

Fabienne Engbers, 7. November 2016, 14:12 Uhr
Die Regierung präsentiert zusammen mit der HSG und dem Kantonsspital St.Gallen das Projekt «Joint Medical Master»
Die Regierung präsentiert zusammen mit der HSG und dem Kantonsspital St.Gallen das Projekt «Joint Medical Master»
© FM1Today
Der Kanton St.Gallen will im Jahr 2020 die ersten Masterstudierenden an der HSG und am Kantonsspital St.Gallen ausbilden. Wer sich für einen Master in St.Gallen interessiert, muss dies bereits bei der Anmeldung zum Bachelorstudium vermerken. Somit endet die Einschreibefrist für den ersten Studienjahrgang bereits im April 2017.

«Wir haben zum Ziel, die St.Galler Gymnasiasten über den Medical Master bereits diesen Winter zu informieren, damit sie sich im Frühling einschreiben können», sagt Prof. Dr. Thomas Bieger, Rektor der HSG. Das sei ein ehrgeiziger Zeitplan, aber machbar. Der Auftraggeber, der sich aus verschiedenen politischen Ämtern, dem Kantonsspital und der Universtät St.Gallen zusammensetzt, hat sich für eine Ausführungsvariante in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich entschieden.

«Joint Medical Master» wurde als beste Variante ausgewählt

Diese Variante nennt die Projektleitung den «Joint Medical Master». Die Master Studierenden, die aus der Ostschweiz stammen, sollen die Möglichkeit haben, den Master und damit auch den Einstieg in das Berufsleben als Arzt in der Ostschweiz zu absolvieren. Eine vollumfängliche Ausbildung zum Arzt inklusive Bachelorstudium in St.Gallen hat die Regierung klar abgelehnt. «Das wäre mit zu vielen Risiken verbunden», sagt Heidi Hanselmann, Vorsteherin des Gesundheitsdepartements. Auch der Aufbau eines eigenständigen, unabhängigen Masterstudims wurde von der Regierung abgelehnt. Stattdessen ist vorgesehen, dass sich die Studierenden für den Master in St.Gallen bereits bei der Anmeldung zum Studium einschreiben, den Bachelor in Zürich absolvieren und dann für den Master zurück nach St.Gallen kommen.

Das Interesse der Studierenden ist gross

90 Prozent der St.Galler Medizin-Studenten interessieren sich für einen Master in St.Gallen. Das habe eine Umfrage bei den Studenten, welche aus dem Kanton St.Gallen stammen und in Zürich Medizin studieren, ergeben. Mehr als 50 Prozent der Studierenden ziehen einen Master in St.Gallen einem anderen Studienort vor. Somit rechnet die Projektleitung mit rund 40 Studierenden, die sich pro Jahr für ein Medizinstudium in St.Gallen entscheiden.

Man will dem Ärztemangel entgegen wirken

Ziel des Medical Masters an der HSG ist es, mehr Schweizer Ärzte in die Ostschweiz zu holen. «Die Konditionen für Ärzte in Deutschland haben sich in den letzten Jahre massiv verbessert, daher leiden wir mehr und mehr an einem Mangel an Ärzten», sagt Regierungsrätin Heidi Hanselmann. Es hat sich laut der Projektleitung ausserdem gezeigt, dass viele Ärzte später dort arbeiten wollen, wo sie ihre erste Berufserfahrungen sammeln. «Wird in St.Gallen keine Praxiserfahrung angeboten, bewerben sich hier dementsprechend auch weniger Studienabgänger», sagt Heidi Hanselmann.

St.Gallen will eine grosse Scheibe der Bundesgelder

Der Bund hat 100 Millionen Franken für die Erarbeitung neuer Ausbildungsplätze für Ärzte bis 2025 gesprochen. Davon will der Kanton St.Gallen profitieren. Deshalb wird der Masterstudiengang auch bereits in naher Zukunft umgesetzt. «Es steht bereits in Aussicht, dass St.Gallen von einem ansehnlichen Anteil der Bundesgelder profitieren wird, sofern das Masterstudium in St.Gallen durchgeführt wird», sagt der Vorsteher des Bildungsdepartements, Stefan Kölliker. Eine Summe will Stefan Kölliker jedoch noch nicht bekannt geben.

Entscheid ist noch hängig

Das Medizinstudium in St.Gallen ist jedoch noch nicht in trockenen Tüchern. «Wir gehen davon aus, dass wir auf Kurs sind, die Vorarbeiten haben gezeigt, dass die Zusammenarbeit mit Zürich funktionieren sollte», sagt Heidi Hanselmann. Die Universität und das Unispital Zürich müssen der Kooperation mit St.Gallen aber noch zustimmen. Ausserdem wird das St.Galler Stimmvolk als letzte Instanz über den «Joint Medical Master» entscheiden. Im Juni 2018 kommt die Vorlage voraussichtlich an die Urne.

Fabienne Engbers
veröffentlicht: 7. November 2016 14:12
aktualisiert: 7. November 2016 14:12