St.Gallen

«Bei 15 bis 20 Fällen pro Tag wird Maskenpflicht zum Thema»

3. August 2020, 11:41 Uhr
Der Kanton St.Gallen möchte beim Einkaufen keine Maskenpflicht einführen.
© Keystone
Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus sind im Kanton St.Gallen stabil. Im Juli wurden jeweils pro Tag nicht mehr als elf Personen positiv auf das Virus getestet, deswegen wird es keine zusätzliche Maskenpflicht in Geschäften oder der Schule geben. Dies entgegen den Empfehlungen des Bundes.

Die Fallzahlen sind auch im Kanton St.Gallen im Vergleich zu Mai und Juni im Juli wieder leicht gestiegen. Dennoch schätzt das Kantonsarztteam die Lage als stabil ein. «Seit Anfang Juli gibt es täglich zwischen zwei und elf bestätigte Fälle verteilt auf das ganze Kantonsgebiet», bestätigt Regierungsratspräsident Bruno Damann auf Anfrage von FM1Today. Auch müssten nur wenige Fälle im Spital behandelt werden. In den letzten vier Wochen seien zwei Personen am Coronavirus gestorben.

Fallzahlen in St.Gallen auf niederigem Niveau

Diese Daten liegen im Schweizer Durchschnitt. «Zum Ende der Schulferien werden jedoch mehr Einwohnerinnen und Einwohner aus den Ferien zurückkehren. Deshalb könnten auch die Fallzahlen bis Ende August weiter ansteigen», sagt Damann weiter.

Aufgrund der steigenden Zahlen in der Schweiz hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) letzten Donnerstag den Kantonen empfohlen, eine Maskenpflicht in Läden einzuführen. Da die Fallzahlen im Kanton St.Gallen aber auf niederigem Niveau seien, sei aus medizinischer Sicht keine Maskenpflicht nötig. «Bei uns im Kanton St.Gallen ist ganz klar, es braucht dort eine Maskenpflicht, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann und natürlich im ÖV», so Damann.

Keine Maskenpflicht in Schulen

Sollten die Fallzahlen jedoch weiter steigen, könne eine Maskenpflicht wieder zum Thema werden. «Ich sage jetzt einmal, wenn es täglich 15 bis 20 Coronafälle über mehrere Tage hinweg gibt, ist es ganz klar, dass wir dann Verschärfungen diskutieren müssen», gemäss Bruno Damann sei es ausserdem möglich, dass lokal Massnahmen ergriffen werden, wenn es irgendwo vermehrte Fälle gibt.

Bevölkerung muss Maskenpflicht akzeptieren

Dass die Maskenpflicht in allen Kantonen unterschiedlich gehandhabt wird, findet der Regierungspräsident vernünftig: «Es sollte nicht über die ganze Schweiz etwas erlassen werden, wenn das Risiko in gewissen Gebieten sehr klein ist. Innerrhoden hatte beispielsweise seit April keinen einzigen Fall mehr.» Eine Maskenpflicht mache dort aktuell keinen Sinn. «Ausserdem ist auch fraglich, ob die Bevölkerung mitmacht. Wenn die Bevölkerung nicht einsieht, dass eine Maskenpflicht gut ist, wird sie das nur widerwillig machen.» Die Regierung schaue ausserdem bereits voraus. «Wir müssen auch im Herbst und Winter noch Massnahmen haben, bei denen die Leute mitmachen», sagt Damann.

Neben der Maskenpflicht sind weitere Massnahmen möglich. So könnte beispielsweise die Besucherzahl bei Anlässen beschränkt werden oder es könnte wieder eine Einschränkung von Besuchen in Alters- und Pflegeheimen geben.

Auch in den St.Galler Schulen gibt es zu Schulbeginn keine Maskenpflicht. «Wo Abstände nicht eingehalten werden können, zum Beispiel im naturwissenschaftlichen Unterricht in den Mittelschulen, empfiehlt der Kanton jedoch, dass man sich mit einer Maske schützt.»

Busse für Eltern bei Ferien in Risikoland

Gibt es in einer Klasse einen Coronafall, dann werden die Personen, die mit dem Schüler oder der Schülerin im Haushalt leben unter Quarantäne gestellt. Nicht aber die gesamte Klasse. «Infizieren sich zwei oder mehr Schülerinnen und Schüler in einem Abstand von weniger als zehn Tagen in derselben Klasse, stellt der Kanton die gesamte Klasse inklusive den Lehrpersonen unter Quarantäne», schreibt der Kanton. In diesem Falle würde der Unterricht nach Möglichkeit im Fernunterricht weitergeführt werden.

Schüler, die aus einem Risikoland zurück in die Schweiz kommen, müssen gemäss Quarantäneliste des Bundes sich zehn Tage in Quarantäne begeben. Entsprechende Eltern werden in St.Gallen in einem ersten Schritt von der Schule verwarnt. Der Schulträgerverband empfiehlt den Schulen aber, dass Eltern, die mit den Kindern im Herbst in ein Risikogebiet reisen und deren Kinder wegen der Quarantäne in der Schule fehlen, gebüsst werden sollten.

Die meisten stecken sich in Familie an

Derzeit ist es rund ein Drittel der St.Gallerinnen und St.Galler der sich in den Ferien mit dem Coronavirus ansteckt, zeigt eine Auswertung der Daten der Contact Tracer. Aktuell seien 482 Personen nach den Ferien in Quarantäne. Bei einem weiteren Drittel erfolgte die Ansteckung über Familienmitglieder oder Verwandte. «Offenbar halten die Personen im privaten Umfeld die Abstands- und Hygieneempfehlungen weniger konsequent ein", schreibt die Regierung.

Der Kanton St.Gallen kontrolliert ausserdem weiterhin Betriebe und prüft, ob diese die Schutzkonzepte einhalten. Seit Mitte Juli hat der Kanton rund 200 Kontrollen durchgeführt, dabei wurden rund 30 Mängel festgestellt. «Bussen werden erst ausgesprochen, wenn es klare Verstösse gibt wie beispielsweise, dass gar kein Schutzkonzept vorhanden ist», sagt Damann. Am meisten Mängel gab es in Coiffeur- oder Barbiergeschäften. Häufig werde der Mindestabstand nicht eingehalten.

(abl)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 3. August 2020 09:43
aktualisiert: 3. August 2020 11:41