Bienenmord macht Imker wütend

Laurien Gschwend, 15. März 2017, 20:40 Uhr
Der Verein «Bee Best Friends» mit Sitz in Egnach möchte mehr Menschen für die Imkerei begeistern. In der Schweiz, speziell im Oberthurgau, soll es mehr Bienen geben, und diese sollen möglichst naturnah gehalten werden. Nicht alle sind begeistert vom Ansatz des Vereins: Die Bienenstöcke eines Geschäftsführers sind «aus Sabotage», wie dieser sagt, zerstört worden.

«Wir imkern anders», heisst es auf der Webseite von Rüdiger Junghans und Guido Knup. Das Ziel ihres Vereins «Bee Best Friends» ist es gemäss eigenen Angaben, die Biene zu schützen und zu erhalten, weil diese besonders wertvoll für das Ökosystem sei. An naturnahen Standorten etablieren Junghans und Knup neue Bienenvölker. Der Honigertrag spielt dabei nicht die wichtigste Rolle.

Beim Verein «Bee Best Friends» können Interessierte in vier Tagen das Handwerk des Imkers erlernen. In zwei Theorie- und zwei Praxistagen wird das Imkern den Leuten näher gebracht: «Wir wollen den Leuten die Bienen näher bringen und uns ist bewusst, dass wir in vier Tagen keine echten Imker aus den Leuten machen», sagt Guido Knup. Der Kurs hat seinen Preis: 395 Franken müssen angehende Imker berappen. Das Projekt kommt nicht bei allen gut an. Laut der «Thurgauer Zeitung» wurde den Jungimkern geschadet.

«Niemand kann in einer Schnellbleiche zum Imker werden»

Der Verein von Junghans und Knup stösst auf Kritik. In der Schweiz gebe es genügend Bienen, so die Meinung verschiedener Imker. Armin Füllemann, Präsident des Verbands der Thurgauer Bienenzüchtervereine, ist skeptisch: «So eine Schnellbleiche reicht einfach nicht, um Imker zu werden.» Es reiche nicht, um genügend Wissen zum Umgang mit Bienen aneignen zu können. Dennoch sieht Füllemann die Sache positiv und will den Kurs selbst besuchen: «Noch wissen wir zu wenig über den Kurs und wie die Leute danach betreut werden, die Idee ist aber sicher gut.»

Bienenstöcke zerstört - alle Bienen umgekommen

Rüdiger Junghans und Guido Knup werden nicht nur verbal von ihren Kritikern attackiert. Kürzlich haben Unbekannte acht Bienenstöcke von Junghans zerstört. Das gesamte Material ging dabei verloren, sämtliche Bienen sind gestorben. «Sie hatten bei den tiefen Temperaturen keine Chance zum Überleben.» Der «Bee Best Friends»-Geschäftsführer Junghans geht von einem Sabotageakt aus, man kenne ihn in der Region und wisse, wo er wohne, schreibt die Thurgauer Zeitung.

Gewalt gegen Imker soll von Neidern kommen

Er vermutet einen anderen Imker aus der Region hinter dem grausamen Bienenmord und hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet: «Eigentlich hoffe ich es nicht, dass ein Imker hinter der Tat steckt. Beschuldigen möchte ich niemanden.» Dass ein Imker dahintersteckt, glaubt Füllemann nicht: «Bei mir wurden auch schon sehr oft Bienenhäuser kaputtgemacht - es gibt immer wieder Leute, die uns das Imkern nicht gönnen.»

Bienenfreunde des Kantons bieten Hilfe an

Bei Knup und Junghans wird die Zeit knapp: «Mit den ersten warmen Frühlingstagen wollen die Bienen raus. Wir müssen jetzt die Bienenstöcke so schnell wie möglich wieder aufbauen und Bienen suchen für die Stücke», sagt Knup. Füllemann versteht die Wut Knups und Junghans' und bietet ihnen seine Hilfe an: «Wir Imker sind alles Freunde und sorgen uns als Kollegen um das Wohl unserer Bienen.»

TVO-Beitrag zum Imker-Krach im Thurgau:

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Laurien Gschwend
Quelle: rar/lag
veröffentlicht: 15. März 2017 12:32
aktualisiert: 15. März 2017 20:40