Insekten

Bienenvölker: «Das ist der höchste Verlust seit zehn Jahren»

30. Mai 2022, 16:55 Uhr
Letzten Winter sind sehr viele Bienenvölker verendet. Der Grund dafür ist das schlechte Wetter und der daraus folgende Nahrungsmangel – trotzdem bringt dieser Frühling Hoffnung.
Der Winterverlust an Bienenvölkern ist gestiegen.
© KEYSTONE/GAETAN BALLY

Letzten Winter sind viel mehr Bienenvölker eingegangen als in den Jahren zuvor. In einer Medienmitteilung von Apisuisse, dem nationale Dachverband der schweizerischen Bienenzüchtervereine, steht: «Das ist der höchste Verlust seit zehn Jahren und ist vor allem dem kalten und nassen Frühling und Sommer 2021 geschuldet.»

Bienen sind sehr wichtig für unsere Grundversorgung. «Die Hauptleistung der Bienen besteht in der Bestäubung der Obst- und Gemüsepflanzen in der Schweiz», sagt Bruno Reihl von Bienenschweiz, dem Imkerverband der deutschen und rätoromanischen Schweiz. Die Bestäubungsleistung der Bienen betrage pro Jahr rund 350 Millionen Franken. «Wenn jetzt mehrere Jahre mit hohen Verlusten von Bienenvölkern kommen würden, wäre das für unsere Grundversorgung gefährlich», sagt Reihl.

Zu wenig Nahrung

Zwischen November 2021 und Frühjahr 2022 sind 21,4 Prozent der Bienenvölker verloren gegangen. Das sind 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr, dort lag der Wert noch bei 14,2 Prozent. Vor allem die Flächenkantone wie zum Beispiel der Kanton Thurgau sind am stärksten betroffen.

Aufgrund der schlechten Witterung 2021, war die Nahrungsbasis für die Bienen viel zu schmal. Durch die schlechte Ernährung war die Versorgung mit Proteinen zu schlecht. Dadurch wurden die Bienen, insbesondere die Brut und die Königin, sehr geschwächt. Das führte zu einer allgemeinen Schwächung der Bienen, sodass sich die Varroa-Milbe und mit ihr übertragbare Viren mehr verbreiten konnte. Die Varroa-Milbe ist ein Parasit, welcher an Honigbienen lebt. Die Milbe entwickelt und vermehrt sich im Bienenstock.

Dieser Frühling bringt Hoffnung

Das Tessin ist der einzige Kanton, welcher nicht vom starken Verlust betroffen ist. Der Grund dafür ist das gute Wetter: «Das Tessin wurde vom schlechten Wetter weitgehend verschont, lieferte Honigerträge und reduzierte zudem die Winterverluste», heisst es von Apisuisse.

Trotz allem gibt es auch in den anderen Regionen einen Lichtblick: «Bis heute hat sich das Jahr 2022 wettermässig sehr positiv für die Bienen entwickelt. Die Völker fanden genügend Nahrung (Nektar und Pollen) und konnten sich so auch sehr gut entwickeln», sagt Reihl. Gut erkennen könne man dies an der Ernte des Frühlingshonigs – diese sieht im Vergleich zu letztem Jahr sehr vielversprechend aus.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 31. Mai 2022 11:14
aktualisiert: 31. Mai 2022 11:14
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