Blocher ist in Arbon nicht willkommen

Nina Müller, 14. Mai 2019, 07:52 Uhr
Die SVP Arbon hat Christoph Blocher zur diesjährigen Bundesfeier eingeladen – sehr zum Ärger der Organisatoren.
Die SVP Arbon hat Christoph Blocher zur diesjährigen Bundesfeier eingeladen – sehr zum Ärger der Organisatoren.
© Keystone
Um die Bundesfeier in Arbon zu retten, wurde ein Verein gegründet. Man einigte sich darauf, künftig keine Plattform für Politiker mehr zu bieten. Trotzdem hat die SVP Christoph Blocher eingeladen.

Die Stadt Arbon gab letzten Sommer bekannt, dass sie die Bundesfeier finanziell nicht mehr absichern werde. Aus Not wurde deshalb der Verein «1. August Arbon» gegründet. Dieser kümmerte sich letztes Jahr um die Feier und verpasste dem Traditionsanlass einen neuen Rahmen. Die Feier wurde als Familienfest ausgerichtet, «ohne Plattform für politische Exponenten», schreibt das Tagblatt.

Der Verein ist politisch neutral, trotzdem bekamen die politischen Parteien die Möglichkeit, Programmvorschläge einzubringen. Für die letzte Bundesfeier hatte die EVP das Vorschlagsrecht. So trat anstatt eines Politikers die Schriftstellerin Andrea Gerster an der Bundesfeier 2018 auf, welche neu im Jakob-Züllig-Park stattfand.

SVP zieht ihr eigenes Ding durch

«Alles war vorher abgesprochen», sagt Roland Widmer gegenüber dem Tagblatt. Er gilt als der Retter der Bundesfeier und wurde im Januar als «Arboner des Jahres» geehrt.

Das Fest war also gerettet und die Planung für die diesjährige Feier läuft. Doch der Verein hat die Rechnung ohne die SVP Arbon gemacht. Ohne Absprache mit den Organisatoren lud die SVP alt Bundesrat Christoph Blocher als Redner ein. «Wir sind von der SVP gar nicht orientiert worden. Wir haben es aus der Presse erfahren», sagt Widmer. Der Vorstand fühle sich vorgeführt von der Partei.

Die Aktion verstösst gegen die Spielregeln

Die Aktion verstösst gegen die Spielregeln, denn Blocher gilt mit 78 Jahren immer noch ein politisches Schwergewicht. Sein Auftritt wäre nicht mit den Zielsetzungen der Organisatoren vereinbar. «Die SVP soll sich daran halten, die Plattform unpolitisch zu nutzen», sagt Widmer. Das Problem: Für die SVP wäre es unglaublich peinlich, wenn sie Blocher wieder ausladen müsste. Gemäss Tagblatt weiss Christoph Blocher nichts von dem Faux-Pax seiner Partei. Bis Mittwoch hat die SVP Zeit, sich zu erklären.

Falls die SVP auf den Besuch Blochers beharrt, würde der Verein als Veranstalter ein «Timeout» nehmen. «Dann müsste die SVP den Anlass alleine durchführen. Schon sicherheitstechnisch könnten wir den Auftritt von Christoph Blocher nicht bewältigen», sagt Widmer. Klar ist: Der Arboner des Jahres sieht die Einladung ohne Absprache als Provokation.

Auf Anfrage des Tagblatts wollte Stadtrat und SVP-Parteimitglied Konrad Brühwiler nichts dazu sagen.

(red.)

 

Nina Müller
veröffentlicht: 14. Mai 2019 07:52
aktualisiert: 14. Mai 2019 07:52