Brutale Attacke auf Club-Besitzer

René Rödiger, 4. September 2015, 15:56 Uhr
KEYSTONE/Gian Ehrenzeller
KEYSTONE/Gian Ehrenzeller
Mit Fausthieben und Fusstritten haben mehrere Männer im Februar 2011 vor einem Club in Buchs einen Besucher bewusstlos geschlagen und schwer verletzt. Das St. Galler Kantonsgericht hat nun die Strafen gegen drei Männer gemildert, gegen einen verschärft.

Die Tat geschah während der Fasnacht Ende Februar 2011 vor einem Club im St. Galler Rheintal: Zu fortgeschrittener Stunde kam es unter mehrheitlich betrunkenen Clubbesuchern zu Provokationen und einer Schlägerei. Ein Mann wurde schwer verletzt: Mit gebrochenem Nasenbein, ausgeschlagenen Zähnen und einer irreparablen Augenverletzung wurde er ins Spital gebracht.

Die Täter sollen das Opfer mit Fäusten, Knien und Füssen brutal traktiert haben. Auch als der Mann bewusstlos und mit blutendem Kopf am Boden lag und seine Freundin schrie "Sie bringen ihn noch um!", versetzten ihm die Angreifer weitere Fusstritte.

Zwei Tatbeteiligte wurden bereits rechtskräftig verurteilt. Der ältere akzeptierte die Freiheitsstrafe von sieben Jahren wegen versuchter vorsätzlicher Tötung. Der jüngere fiel noch unter das Jugendstrafrecht und erhielt einen Freiheitsentzug von 27 Monaten.

Mangelnde Beweise

Am Dienstag verhandelte das Kantonsgericht St. Gallen gegen vier Angeklagte, welche die erstinstanzlichen Urteile nicht akzeptierten. Laut dem vorsitzenden Richter beschuldigten sich alle vier gegenseitig. Das Gericht habe sich deshalb vor allem auf die Zeugenaussagen abgestützt. Mangels Beweisen milderte es die erstinstanzlichen Strafen in drei Fällen. Gegen einen Security-Mann, der damals illegal im Club arbeitete, verschärfte es die Strafe.

Einen heute 34-jährigen Kosovaren, der im vorzeitigen Strafvollzug sitzt und in Fussfesseln an die Urteilseröffnung geführt wurde, verurteilte das Kantonsgericht als einzigen wegen versuchter vorsätzlicher Tötung. Die Strafe der Vorinstanz reduzierte das Gericht jedoch von acht Jahren auf sechs Jahre und drei Monate, weil es nicht alle Vorwürfe als erwiesen betrachtet.

Tod nicht in Kauf genommen

Die anderen drei Angeklagten haben laut dem Gericht den Tod des Opfers nicht in Kauf genommen. Deshalb sprach es sie lediglich wegen versuchter schwerer Körperverletzung schuldig. Die Strafe gegen einen 23-jährigen Italiener reduzierte das Kantonsgericht von viereinhalb Jahre auf eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten.

Auch ein 25-jähriger Serbe kommt besser weg. Das Gericht reduzierte die Strafe von sechs auf drei Jahre und vier Monate. Laut dem Gerichtsurteil haben die Männer zwar auch auf das wehrlose und völlig betrunkene Opfer eingeprügelt, aber aufgehört, als es bewusstlos am Boden lag, sagte der Gerichtsvorsitzende.

Opfer aus dem Club geprügelt

Hingegen glaubte das Kantonsgericht einem 28-jährigen Serben nicht, der damals als Security-Mann ohne Bewilligung im Club arbeitete und das völlig betrunkene Opfer mit Schlägen aus dem Club geprügelt hatte, bevor es draussen weiter zusammengeschlagen wurde. Das Kantonsgericht verschärfte die bedingte Strafe von 18 Monaten der Vorinstanz auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten.

Die Staatsanwaltschaft hatte allen vier Angeklagten versuchte vorsätzliche Tötung vorgeworfen und Freiheitsstrafen von viereinhalb, sechs, sieben und acht Jahren gefordert.

Die Beschuldigten zeigten sich in der Berufungsverhandlung teilweise geständig, teilweise stritten sie ihre Beteiligung an der Tat ab. Zum Teil widersprachen sich die vier Männer krass. Ihre Verteidiger forderten Freisprüche vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung und deutlich mildere Strafen.

René Rödiger
Quelle: sda
veröffentlicht: 4. September 2015 15:56
aktualisiert: 4. September 2015 15:56