Darum ist Fischen ein geiles Hobby

Christoph Thurnherr, 18. August 2019, 12:16 Uhr
Der Anteil an Jungfischern in der Schweiz nimmt seit Jahren zu . Fischen und andere Outdoor-Aktivitäten gelten als Gegenbewegung zur Digitalisierung. Dabei ist Fischen mehr als nur eine kurzfristige Flucht vor der digitalen Welt, findet unser Redaktor Christoph Thurnherr. Ein Kommentar.

Der signalfarbene Zapfen treibt ruhig auf dem Wasser. Schon eine Weile ist er das Zentrum kleiner, kreisförmiger Wellen, die behutsam ihren Weg übers Wasser suchen. Dann, auf einmal Hektik: Ein Ruck, ein Ziehen, der Schwimmer geht auf Tauchstation. Geistesgegenwärtig folgt die Gegenbewegung mit der Angel, die Kurbel wird gleichmässig gedreht. Was hängt am Haken? Ist es ein Egli? Eine Äsche? Oder für viele hiesige Fischer der Hauptpreis - eine Forelle?

Spannung, die man bei Fifa nicht erlebt

Dieser Moment der Anspannung ist sicherlich einer der Gründe dafür, warum das Fischen wieder auf dem Vormarsch ist. Es ist eine Spannung, die einem der tausendste Sieg beim «Fifa Ultimate Team» nicht mehr geben kann. Eine Art von Befriedigung, die nicht wie ein Instagram-Post auf Bestätigung von aussen angewiesen ist. Der Fisch, der am Haken zappelt, ist echt. Es braucht Geduld, Wissen und die richtige Technik, um ihn zu fangen.

Mit dem Boot auf dem See herumdümpeln, Musik hören, vielleicht ein Bier dazu: Entspannung und Fischen liegen nah bei einander. Mit der Zeit beginnt man eine Verbundenheit mit dem Gewässer zu spüren, man bekommt ein Gefühl für die Gegend. Die Entspannung nach einem Angeltag auf dem See? Unerreicht. Da macht es auch nichts, wenn Egli oder Hecht ab und zu keinen Bock auf die angebotenen Köder haben.

Fischen lehrt Demut

Das Fischen ist nicht nur eine Gegenbewegung zu Handy und Social Media. Angeln bedeutet auch, den Umgang mit der Natur zu lernen. Fischer lassen die Finger von gefährdeten Arten und setzen Exemplare behutsam zurück, die das Schonmass nicht haben.

Trotzdem muss sich jeder Fischer bewusst sein: Das Fischen hat den Tod des Tieres zum Ziel. «Catch and Release», also Fangen und wieder frei lassen, ist verboten. Einen Fisch zuerst zu betäuben und dann mit dem Messer zu töten braucht Überwindung. Das ist gut so, lehrt Demut und ist jedem zu empfehlen, der seinen Fisch- und Fleischbedarf möglichst günstig im Supermarkt abdeckt.

Strömung statt Datenströme

Anstatt mit dem Handy auf Datenströme zuzugreifen, verbindet man sich also besser via Angel mit einer Strömung im Wasser. Das Fischen erdet und vermittelt ein archaisches Lebensgefühl. In unserer hektischen Zeit der dauernden Verfügbarkeit von allem und jedem eine willkommene, ja manchmal nötige Abwechslung.

Christoph Thurnherr
veröffentlicht: 18. August 2019 12:02
aktualisiert: 18. August 2019 12:16