«Das ist eine ganz andere Ausgangslage»

Laurien Gschwend, 4. November 2016, 13:30 Uhr
Zwar hat das Volk die Idee einer Expo in der Bodenseeregion abgelehnt - die Stadt St.Gallen beteiligt sich jetzt aber an einer nationalen Version.
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Die Idee von einer Expo im FM1-Land ist noch nicht begraben. Derzeit streben die zehn grössten Städte der Schweiz eine gemeinsame Landesausstellung an - mit dabei St.Gallen. Stadtpräsident Thomas Scheitlin erklärt im Interview, was es damit auf sich hat.

Wie weit ist die Grundidee schon entwickelt?  

Die zehn Städte treffen sich regelmässig zu Aussprachen. In einer dieser Aussprachen ist die Idee aufgekommen, man könne die Expo schweizweit mit den grössten Städten realisieren. Die Idee steht natürlich ganz am Anfang. Man hat sie diskutiert, jetzt geht es darum, eine Vorgehensskizze zu definieren mit den involvierten Städten. Diese soll aufzeigen, was der zeitliche Horizont ist, welches die finanziellen Rahmenbedingungen sind, welches die möglichen Trägerschaften sind und so weiter. Das wird jetzt aufgearbeitet, damit wir im Frühling 2017 erste Ergebnisse haben.

Seit wann läuft das Projekt?

Die Idee ist in einer Sommersitzung entstanden. Wir sind wirklich erst ganz am Anfang. In der Sitzung haben wir besprochen, was der Zukunft und den Städten im 21. Jahrhundert entspricht. Aus dem Konzept des Stadtstaats Schweiz ist die Idee einer gemeinsamen Landesausstellung vor einem halben Jahr entstanden.

Welche Stadt ist das Zugpferd im neuen Vorhaben? 

Wir treffen uns regelmässig im Kreis der zehn grössten Städte. Die Idee ist in diesem Kreis aufgekommen. Man hat gemeinsam entschieden, in die Richtung zu gehen.

TAGBLATT/Urs Bucher

War das vor oder nach der Abstimmung für die Expo 2027 in der Bodenseeregion? 

Das war nach der Abstimmung. Vor dieser Zeit war eigentlich immer klar, dass so etwas entstehen könnte, aber die Städte haben sich erst im Nachhinein damit befasst - und die Chance wieder gesehen.

Die Ostschweizer Bevölkerung hat sich gegen eine Expo entschieden. Jetzt kommt die Idee neu konstruiert wieder auf. Wird die Bevölkerung so nicht hintergangen? 

Es handelt sich um einen ganz anderen Ansatz, den wir jetzt gewählt haben. Er ist neu schweizweit und nicht mehr nur regional. Die Idee soll aufzeigen, wie sich das Städtenetzwerk Schweiz über die Regionen aus - von Lugano bis in den Norden, von St.Gallen bis nach Genf - funktioniert, wie das Zusammenleben über die Städte aus in der Schweiz stattfinden soll. Das ist ein ganz neuer Ansatz, man kann ihn nicht mit dem alten vergleichen. Man kann nicht sagen, die Vorlage sei an diesem oder jenem Ort abgelehnt worden, und jetzt macht man es wieder. Das ist jetzt eine ganz andere Ausgangslage.

Die Region müsste erneut darüber abstimmen, ob sie dabei ist oder nicht. Denken Sie, die Bevölkerung ändert nun ihre Meinung? 

Natürlich braucht es dafür wieder politische Entscheide. Ich denke aber, wenn man jetzt ein neues Konzept aufgleist, muss man dieses auch beurteilen und der Bevölkerung wieder vorlegen. Es gilt, den neuen Ansatz wieder zu diskutieren. Und dann kann jede Stadt, jeder Kanton, jede Region wieder für sich entscheiden.

Bis wann ist mit weiteren Informationen zum Thema Expo zu rechnen?

Wir gehen davon aus, dass die Vorgehensskizze, die jetzt eingeleitet worden ist, im ersten Semester 2017 erste Ergebnisse zeigen wird. Dabei handelt es sich um eine grobe Auslegeordnung, die man darstellen kann. Diese muss man dann weiter definieren.

Interview: Anja Müggler

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 4. November 2016 13:30
aktualisiert: 4. November 2016 13:30