Fachkräftemangel

Der Mangel war noch nie so gross – der Ostschweiz fehlt es an qualifiziertem Personal

29. November 2022, 22:16 Uhr
Es fehlen in der Region so viele Industriekräfte und Bauspezialisten wie noch nie. Eine aktuelle Studie zeigt klar, der Fachkräftemangel ist auf Höchststand. Die Unternehmen und Wirtschaft sind deshalb alarmiert und suchen nach Massnahmen.

Quelle: TVO

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Elektriker, Bauführer und Maschinenmechaniker – alles Berufe, die immer weniger beliebt sind. «Der Arbeitskräftemangel ist zurzeit tatsächlich eine grosse Herausforderung für die Ostschweizer Unternehmen», sagt Jan Riss von der Industrie- und Handelskammer (IHK) St.Gallen-Appenzell gegenüber TVO.

Das sei ein branchenübergreifendes Problem. «Im Bau zum Beispiel haben sechs von zehn Unternehmen Probleme, Arbeitskräfte zu finden.» In der Industrie seien es knapp die Hälfte der Unternehmen.

Wer stemmt all die Aufträge?

Nach dem Pandemiejahr floriert die Wirtschaft – es wird mehr gebaut und die Menschen wollen mehr konsumieren. Doch nun fehlen die Leute, welche die Aufträge bewältigen können. Gemäss den neusten Studien der Adecco Gruppe Schweiz ist der Fachkräftemangel-Index in der Industrie- und Baubranche in der Ostschweiz im Vergleich zum vergangenen Jahr um 86 Prozent angestiegen – auch das ist Rekord.

Babyboomer verlassen den Markt

Der Präsident des Thurgauer Gewerkschaftsverbundes, Lukas Auer, sieht für diese Entwicklung verschiedene Gründe: «Die Arbeitsbedingungen sind immer ein grosses Thema: Löhne, Arbeitszeit. Auf dem Bau ist die körperliche Belastung ein Problem, in der Industrie sind es die Schichtarbeiten.» Hinzu komme, dass die Leute heutzutage nicht immer 100 Prozent arbeiten wollen.

Die demografische Entwicklung sei eine weitere Herausforderung. Mit den Babyboomern gibt es seit 2019 mehr Menschen, die pensioniert werden, als solche, die in den Arbeitsmarkt eintreten. Diese Situation werde sich in Zukunft eher noch verschärfen. «Wir müssen schauen, dass wir eine gute Ausbildung und gute Lehrplätze anbieten. Viele Betriebe nehmen keine Lernenden mehr, weil sie die Kosten fürchten», erklärt Auer.

Tiefe Arbeitslosenquote

Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hat aber auch sein Gutes, sagt Jan Riss von der IHK: «Aktuell beobachten wir eine Arbeitslosenquote von 1,5 Prozent in der Ostschweiz.» So tief war der Prozentsatz seit 2000 nicht mehr. Gerade deswegen werde die Arbeitsplatzsicherheit als extrem hoch bewertet. Trotzdem stellt der Fachkräftemangel ein Risiko für das wirtschaftliche Wachstum dar, gerade weil der Industriesektor für die Ostschweiz sehr wichtig ist. Es ist eine Herausforderung, die es in der Zukunft zu meistern gilt.

(kop)

Quelle: TVO
veröffentlicht: 29. November 2022 22:17
aktualisiert: 29. November 2022 22:17