Der Radau-Pfau von Wartau

Raphael Rohner, 14. August 2017, 10:30 Uhr
In Trübbach in der Gemeinde Wartau tauchte vor kurzem ein Pfau auf. Seine Herkunft ist unbekannt und mehrere Versuche, den Vogel zu fangen, scheiterten. Jetzt geraten sich Nachbarn in die Haare und verlangen eine Lösung.

Ein kleines, idyllisches Quartier in Trübbach am Rande der Gemeinde Wartau. Hier stehen umringt von Bergen einige Einfamilienhäuschen mit Gärten und jeder kennt jeden. Doch trügt die Idylle. Das Quartier hat sprichwörtlich einen Vogel - und was für einen. Vor einigen Wochen tauchte im Quartier ein Pfau auf, der seither durch die Gärten läuft und das Quartier mit lauten Rufen und seinem Appetit auf Gartengemüse regelrecht aufmischt.

Rätselraten um die Herkunft des mysteriösen Pfaus

Über die Herkunft des weiblichen Pfaus rätseln nicht nur die Anwohner des Quartiers, sondern auch die Behörden: «Bei uns sind noch keine Vermisstmeldungen eingegangen für einen Pfau», sagt Hanspeter Krüsi von der St.Galler Kantonspolizei. Man habe aber Kenntnis vom Auftauchen des Vogels in Wartau. Auch fehlt bei keinem örtlichen Pfauenhalter ein Tier. Im Quartier mutmassen manche, dass der Pfau von einem Zirkus stammen könnte. Doch weder beim Zirkus Royal, Nock und Stey, die alle kürzlich in der Region gastiert haben, fehlt irgendwo ein Pfau. bei den Anwohnern ist der Fall klar: «Das Tier wurde ausgesetzt.»

Der Pfau heisst «Lissie»

Die Anwohnerin Mandy Van Harxen und ihre zwei Töchter sind von der Pfauenhenne begeistert: «Es ist mega selten, so ein schönes Tier von so nah beobachten zu dürfen.» Das scheue Tier gehe in den Gärten der Nachbarschaft ein und aus. Die Van Harxens versuchten, den Pfau auch schon zu füttern, was aber nicht gelungen ist: «Unsere Beeren hat Lissie nicht essen wollen», sagt die Tochter von Mandy Van Harxen mit einem Leuchten in den Augen. Eine Nachbarin, die den Pfau füttere, habe dem Tier den Namen Lissie gegeben.

«Der Vogel frisst meinen Garten leer»

Was die einen Anwohner freut, geht den anderen tierisch auf die Nerven. Eine Nachbarin verscheucht den Pfau regelmässig aus ihrem Garten: «Der Pfau hat mir schon alle Heidelbeeren weggefressen - und Himbeeren und Gurken mag er auch!» Die Rentnerin versuchte, das Tier schon im Wintergarten einzusperren - was dem Pfau jedoch gar nicht gefiel. Er flüchtete auf das Dach und mache dort nun öfter sein Geschäft. Sie ist ziemlich verzweifelt: «In meinem Alter schaffe ich es doch nicht mehr, den Dreck des Vogels - und der legt rechte Ladungen - vom Dach zu putzen.»

Der Pfau soll weg - und ein gutes Zuhause finden

Unter den Nachbarn haben sich mittlerweile zwei Lager gebildet: Diese, die den Pfau schätzen und bewundern, und jene, die das Tier um alles in der Welt loswerden wollen. Man liegt sich offenbar in den Haaren. Ein Nachbar will dem Pfau gar den Garaus machen, weil dieser immer auf dem Dach seines Hausen schläft und auch dort seinen Dreck hinterlässt. Van Harxen ist deshalb besorgt: «Wir müssen diesen schönen Vogel doch retten und ihm ein sicheres Zuhause suchen.» Dass die Pfauendame nicht im Quartier bleiben könne, sei auch ihr klar. Sie versteht auch den Unmut der anderern Nachbarn. Schon weil Lissie fast jedem Morgen lauthals im Quartier herumschreit.

Pfau flieht fliegend auf die Dächer

Die Anwohner im Quartier informierten schon die Polizei, den Tierschutz, die Kleintierrettung und den Wildhüter, um den Pfau einzufangen - ohne Erfolg: Keiner der bisher aufgebotenen Fachleute konnten den Pfau einfangen. Er entwischte gar dem Wildhüter. Die Präsidentin vom Tierschutzverein der Region Wartau, Andrea Wellenzohn, musste schon einige Pfaue einfangen und weiss, wie schwierig dieses Unterfangen ist: «Pfaue sind sehr scheu und als Fluchttiere auch ziemlich flink. Zudem können sie fliegen und flüchten bei Gefahr sofort auf einen Baum oder ein Dach.»

Wenn der Pfau gefangen würde, wäre er in Sicherheit

Wellenzohn versteht die Aufregung im Quartier über den aufgetauchten Pfau. Doch seien zurzeit zu viele Leute damit beschäftigt, das Tier einzufangen. Mittlerweile sei auch der Tierschutzbeauftrage der Gemeinde am Fall dran und wolle nächstens wieder versuchen, das Tier einzufangen. Bisher gelang es auch ihr nicht, den Pfau einzufangen. Dabei hätte sie mittlerweile einen Platz für Lissie. Ein Pfauenbesitzer aus Montlingen würde Lissie ein neues Zuhause geben - wenn der Pfau denn gefangen würde. Wellenzohn will dem Tier nun einige Tage Ruhe gönnen, dass Lissie etwas zutraulicher wird, um dann nochmals einen Einfang-Versuch zu starten.

(rar)

 

Raphael Rohner
veröffentlicht: 14. August 2017 06:04
aktualisiert: 14. August 2017 10:30