Tradition

Der Samichlaus kommt bald vorbei – auch für Kinder mit anderen Religionen?

· Online seit 23.11.2023, 05:53 Uhr
«Samichlaus du liebe Maa, dörfi echt eh Säckli ha?» oder ähnliche Sprüche werden bald wieder in den Stuben und Klassenzimmern des FM1-Lands erklingen. Aber was, wenn Kinder aus anderen Kulturen und Religionen in den Klassen sitzen?
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Nüsse, Mandarinli und Schoggi – wenn der Samichlaus zu Besuch kommt, freuen sich die meisten Kinder vor allem über die Mitbringsel. Ausser natürlich man war unartig. Nebst dem Besuch in den eigenen vier Wänden kommen auch viele Kinder in den Genuss eines Samichlaus-Besuchs im Kindergarten oder in der Schule.

Doch gerade diese Besuche können auch Gegenwind mit sich bringen, wie ein Fall aus Österreich zeigt: Ein Kindergarten möchte auf den Samichlaus im Kindergarten verzichten und argumentiert mit «Diversität und kulturellen Unterschieden», wie «Blick.ch» berichtete. Hier wird nun unter den Eltern darüber abgestimmt, ob der Samichlaus-Besuch stattfinden darf.

Keine Beschwerden im FM1-Land

In den Ostschweizer Kantonen besucht der Samichlaus nach wie vor die meisten Kindergarten- und Schulklassen. Der Verband St.Galler Volksschulträger (SGV) teilt auf Anfrage von FM1Today mit, dass die Durchführung des Besuchs schon immer von den Lehrpersonen und dem Team vor Ort abhängig war und weiterhin bleibt.

Kinder mit Migrationshintergrund gehören genauso zur Klasse und würden durch die Besuche den Brauch kennenlernen. Dass gewisse Eltern in einer St.Galler Klasse gegen eine Durchführung des Besuchs waren, habe der SGV noch nie erlebt: «Falls dem aber so wäre, würde ein Kind wahrscheinlich ausserhalb des Schulzimmers beschäftigt und betreut werden.»

Auch beim Amt für Volksschule im Kanton Thurgau sei es bisher weder zu Anfragen noch Anträgen gekommen. Beim Amt für Volksschule und Sport Graubünden sind bis dato ebenfalls keine Beschwerden zu diesem Thema bekannt.

(Angefragte Schulgemeinden im FM1-Land wollten sich bis Redaktionsschluss nicht äussern.)

«Wir sind nette Chläuse»

Der Verein Klausgruppen St.Gallen hat bereits Erfahrungen mit Besuchen bei Kindern aus anderen Kulturen und Religionen. Beat Rütsche, Präsident des städtischen Vereins, erklärt, dass nebst den Besuchen in den Familien auch Caritas-Besuche – immer öfter bei Geflüchteten Personen und Familien – durchgeführt werden. Zusätzlich gibt es beispielsweise Besuche im Kinderspital oder im Männerheim Hasenberg.

«Die Kinder aus anderen Kulturen und Religionen haben genau so Freude wie die christlichen Kinder. Wir sind alles nette Chläuse, gemeinsam mit dem Schmutzli und den Engeln sorgen wir für schöne Besuche, die geschätzt werden», sagt Rütsche. Bei den Caritas-Besuchen werden nebst den «Säckli» für die Kinder teilweise Lebensmittelgutscheine verteilt, welche durch die bestellten Besuche der Familien finanziert werden.

Bei den Samichläusen, Schmutzli und Fahrern stehen jeweils 20 Erwachsene im Einsatz, was für die Besuche in der Stadt ausreicht. «Bei den Kindern, welche uns als Engel begleiten, dürften es noch ein paar mehr sein», so Rütsche.

Chläuse werden positiv aufgenommen

«Nicht nur wir selbst, auch die Lehrpersonen haben festgestellt, dass der Samichlaus-Besuch sehr positiv aufgenommen wird – egal wo die Kinder herkommen», sagt Friedrich Straehl, Oberchlaus des Vereins St. Nikolausgruppe St. Anton Münchwilen. Es komme aber immer darauf an, wie man es mache: «Wir versuchen immer, gütig zu sein, geschimpft wird eh schon das ganze Jahr», so Straehl.

Die St. Nikolausgruppe St. Anton Münchwilen besucht Familien, Alters- und Pflegeheime, Kindergärten und Schulen. Teilweise werden auch Vereine besucht. Mit fünf Chläusen und acht Schmutzli werde es jeweils knapp, alle Besuche abzudecken. «Im letzten Jahr wurden wir geradezu überschwemmt, da viele Chläuse aufgehört haben. Bei Anfragen ausserhalb der Anmeldefrist habe ich jeweils Mühe damit, Nein zu sagen», sagt Straehl, der seit knapp 20 Jahren als Samichlaus unterwegs ist.

veröffentlicht: 23. November 2023 05:53
aktualisiert: 23. November 2023 05:53
Quelle: FM1Today

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